Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH – Nachtrag zum AvD Oldtimer Grand Prix

Veröffentlicht am: 2. September 2012 von Tom Schwede (Kommentare 4)
Marc Surer im BMW des Junior Teams
Marc Surer im Gruppe-5-BMW des legendären BMW Junior Teams

Im August haben die Freunde des historischen Motorsports traditionell die Qual der Wahl. Ein interessanter Termin jagt den Nächsten. Wenn an nur einen Bruchteil davon wahrnimmt, wird die Zeit ganz schön knapp. Und dann bleibt es auch nicht aus, dass man bei der Nachbereitung für sein Blog mal ein Thema etwas länger liegen lassen muss. Das Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH beim AvD Oldtimer Grand Prix ist so ein Fall. Dabei bietet das Rennen eine wunderbare Gelegenheit, um auf die Geschichte der BMW Motorsport GmbH zurückzublicken.

In dieser Gesellschaft bündelte BMW im Mai 1972 seine Motorsportaktivitäten. Die Geschäftsführung übernahm 1973 der ehemalige Rennfahrer Jochen Neerpasch, der zuvor bereits als Rennleiter bei Ford aktiv war und nun diese Funktion auch bei BMW übernahm. Unter der Führung von Neerpasch entwickelte sich die hundertprozentige BMW Tochter dank ihrer Motorsporterfolge schnell zu einem wichtigen Imageträger des Autobauers aus München.

Neustart 2012:
Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH

Den 40. Jahrestag der Gründung der BMW Motorsport GmbH nahm BMW beim AvD Oldtimer Grand Prix zum Anlass, um in zwei Sonderläufen die Geschichte der BMW Motorsport GmbH Revue passieren zu lassen. Schließlich ist man in München bereits seit einigen Jahren ein wichtiger Partner des AvD Oldtimer Grand Prix. Bisher nutzte BMW die größte Veranstaltung des historischen Motorsports als Bühne für ihren Mini, indem die Mini Challange beim AvD Oldtimer Grand Prix ihre Rennen austrug.

Start zum Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH (Foto: BMW)

Dafür hat BMW in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik einstecken müssen. Viele Oldtimer-Freunde konnten mit dem Rennen der Neuwagen beim AvD Oldtimer Grand Prix einfach nichts anfangen. Die Freunde des echten Minis, die den kleinen BMW oftmals nicht als Nachfolger ihres Lieblings verstehen, lehnen die Vereinnahmung der Geschichte der britischen Legende durch den deutschen Autohersteller sowieso ab und reagierten daher auch auf die Mini Challange beim geliebten AvD Oldtimer Grand Prix überwiegend allergisch.

Nach dem Auslaufen der Mini Challange ist BMW in diesem Jahr einen anderen Weg gegangen. Denn statt der Minis lies man große Teile der Motorsport-Geschichte des Hauses im sog. Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH um die Wette fahren. In gleich zwei Rennen brachte man die gesamte Geschichte der BMW Motorsport GmbH zurück auf die Strecke. BMW versuchte dabei, die Geschichte seines schnellen „M“ möglichst vollständig zu erzählen. Von den Anfängen mit dem BMW 3.0 CSL bis zum M3 der Gegenwart – zum Teil mit den Piloten, die schon vor mehr als 30 Jahren am Lenkrad der Rennwagen drehten.

Johnny Cecotto, Dieter Quester, Prinz Leopold von Bayern, Marc Surer und Marc Hessel

Johnny Cecotto, Dieter Quester, Prinz Leopold von Bayern, Marc Surer und Marc Hessel – Teilnehmer am Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH (Foto: BMW)

Der Anfang: BMW 3.0 Coupe Sport Leichtbau

Mit dem BMW 3.0 Coupe Sport Leichtbau nahm die M-Story bereits 1971 ihren Anfang. Das erste CSL entstand bereits vor Gründung der BMW Motorsport GmbH in Zusammenarbeit mit Alpina als Homologationsserie für den Tourenwagensport. Nach Gründung der BMW Motorsport GmbH übernahm diese die Fertigung der zweiten und dritten Serie des CSL, die ab August 1972 mit Einspritzung (2. Serie) bzw. ab Juli 1973 mit einem umfangreichen Aerodynamikpaket (3. Serie) als Produkte der BMW Motorsport GmbH in den Handel kamen.

BMW 3.0 CSL

BMW 3.0 CSL – der Heckspoiler wurde aus Homologationsgründen mit dem Fahrzeug geliefert, lag bei Auslieferung jedoch aus Zulassungsgründen im Kofferaum.

Der nächste Schritt: Fortsetzung in der Gruppe 5

Nach dem Coupe wandte sich die BMW Motorsport GmbH dem 3er der Baureihe E21 zu. Für die Deutsche Rennsport Meisterschaft und das großzügige Reglement der Gruppe 5 entstanden Tourenwagen, die keine Grenzen kannten. Besonders in den Händen der Piloten des legendären „BMW Junior Teams“ fuhr sich dieser Dreier unauslöschbar in die Herzen der Motorsportfans. Beim Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M fand der ehemalige Grand Prix Pilot Marc Surer sichtbar Gefallen an seinem alten Arbeitsgerät.

Marc Surer im BMW des BMW Junior Team

Marc Surer im BMW 3er des BMW Junior Teams: Der Schweizer bewegte seinen ehemaligen 3er aus dem legendären BMW Junior Team beim Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M mit großem Einsatz.

BMW M1: Das erste M für die Straße

Parallel zu den Motorsportaktivitäten stellte die BMW Motorsport GmbH 1978 mit dem M1 einen Sportwagen für die Straße vor. Wobei streng genommen auch hier der Motorsport Pate stand. Denn der M1 war die Serienversion der bereits 1972 vorgestellten Studie BMW Turbo X1. Der ursprünglich gemeinsam mit Lamborghini entwickelte M1 sollte in der Gruppe 4 für den Einsatz in der Sportwagen-Weltmeisterschaft homologiert werden.

Ein Serien M1 beim OGP 2012

Die Straßenversion des M1 verfügte über eine von Giorgio Giugiaro gezeichnete Karosserie, die bei der Firma Baur in Stuttgart gefertigt wurde.

Dafür hätte man innerhalb von 24 Monaten 400 Stück des M1 bauen müssen. Da man dieses Ziel verfehlte, nahm der M1 über den Umweg einer Homologation als GT bzw. GTX nach dem Reglement der amerikanischen IMSA-Serie am internationalen Motorsport teil. Zudem schuf man mit der „Procar Serie“ extra für den M1 einen Markenpokal, der 1979 und 1980 im Rahmenprogramm der Formel 1 für Stimmung sorgte. Zudem versuchte sich das Team Schnitzer am Bau eines BMW M1 für die Gruppe 5.

Der BMW M1 als Gruppe 5 Rennwagen

Team Schnitzer baute für die Deutsche Rennsport Meisterschaft einen M1 für die Gruppe 5 auf. Über dem speziellen Aluminium-Chassis montierte man eine leichte Kevlar-Karosserie.

Mit dem Turbo in die Formel 1

Wenn man Oldtimer-Freunde heute danach fragt, wer den Turbo salonfähig gemacht hat, werden meist Porsche und Renault genannt. Dabei bot BMW schon 1973 mit dem 170 PS starken BMW 2002 turbo als erster deutscher Hersteller serienmäßig ein Auto mit Abgasturbolader an. Der Porsche 911 turbo kam erst ein Jahr später in den Handel.

Ab 1982 war BMW dann mit seinem Vierzylindermotor und Turboaufladung auch in der Formel 1 aktiv. Dabei erreichte man mit dem 1,5 l großen Motor bis zu 1350 PS. Bereits im zweiten Jahr gewann mit Nelson Piquet im Brabham-BMW die Formel-1-Weltmeisterschaft – als erster Turbofahrer und mit einem Motor der BMW Motorsport GmbH.

Der vierfache Titelträger: BMW 635 CSi

Im Tourenwagensport wandte sich die BMW Motorsport GmbH Anfang der 1980er-Jahre, als die FIA 1982 ihr Homologationssystem umstellte, dem 635 CSi und der Gruppe 2 bzw. ab 1982 Gruppe A zu. Bis 1986 gewannen mit Helmut Kelleners (1981), Dieter Quester (1983) und Roberto Ravaglia (1986) gleich drei Piloten in dem als gutmütig geltenden Coupe die Tourenwagen-Europameisterschaft. Zudem sicherte sich Volker Strycek 1984 den Titel in der damals jungen DTM.

Der Gewinner der Tourenwagen-Europameisterschaft 1981: BMW 635 CSi

Im “Enny”-BMW der Gruppe 2 gewann Umberto Grano und Helmut Kelleners 1981 die Tourenwagen-Europameisterschaft.

Der Seriensieger: BMW M3

Als die FIA zur Saison 1987 erstmals eine Tourenwagen-Weltmeisterschaft ausschrieb, entwickelte die BMW Motorsport GmbH dafür den BMW M3. Auch wenn das Debüt in Monza in die Hose ging, weil die siegreichen BMW M3 wegen zu dünner Bleche im Dach disqualifiziert wurden, sollte der BMW M3 in den kommenden Jahren zum wohl erfolgreichsten Tourenwagen der Welt werden.

BMW M3 der Baureihe E30, erfolgreichste Tourenwagen der Welt

Der BMW M3 prägte ab 1987 die DTM. BMW beauftragte Teams wie Zakspeed oder Linder mit dem Einsatz des Seriensiegers.

Im Laufe seiner langen Karriere erzielte der erste BMW M3 (Baureihe E30) mehr als 1.500 Einzelsiege, alleine achtmal gewann der E30 bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa. M3-Piloten fuhren zu mehr als 60 nationalen und zahlreichen internationalen Titeln. Schon 1987 wurde Roberto Ravaglia im M3 Tourenwagen-Weltmeister, Winfried Vogt sicherte sich im gleichen Jahr die Tourenwagen-Europameisterschaft und Eric van de Poele gewann die DTM.

Marc Hessel im BMW M1 Procar

Teamkollege des Belgiers Eric van de Poele bei der Neuauflage des BMW Juniorteams war 1987 der Bonner Marc Hessel. Hessel nutzte beim Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH die Gelegenheit, um in einem BMW M1 Procar die “alten” Reflexe zu überprüfen.

Finale: vom Motorsport zum „M”

Mit dem BMW M3 und dem Duell mit Mercedes in der DTM endete Anfang der 1990er-Jahre die große Zeit der BMW Motorsport GmbH. Die Münchener erweiterten das Geschäftsfeld der Motorsportabteilung um die Fertigung individueller BMW-Fahrzeuge. Gleichzeitig bot man unter dem Label der Motorsportabteilung Fahrertrainings an.

1993 änderte man daher den Namen der Firma in „BMW M GmbH, Gesellschaft für individuelle Automobile” und spricht seither vom „M” als „stärksten Buchstaben der Welt”. Die Umbenennung ist ein guter Zeitpunkt, um unsere kleine Zeitreise durch die Geschichte der ursprünglichen BMW Motorsport GmbH zu beenden. Schließlich sind wir hauptsächlich ein Oldtimer-Blog.

Dieter Quester im BMW Z4 von Duller Motorsport.

“Wie komme ich bloß vom Rennsport los?” – auch fast 25 Jahre nach der Veröffentlichung seiner Biografie dreht Dieter Quester bei Gelegenheit, wie hier im BMW Z4 immer noch am Lenkrad eines Rennwagens.

Was bleibt ist allerdings, dass die Verantwortlichen von BMW in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen beim AvD Oldtimer Grand Prix mit dem Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH eine starke Duftmarke gesetzt haben. Da auch auf der Strecke gute Unterhaltung geboten wurde, schließlich wurde im Jubiläumsrennen 40 Jahre BMW M GmbH zum Teil sogar mit Lackaustausch um die Plätze gekämpft, schreibt das Rennen fast nach einer Wiederholung auch ohne den konkreten Anlass eines Jubiläums.

Foto: Tom Schwede (9), BMW (2)

Tom Schwede

Hatte das Vergnügen in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Dies wirkt offensichtlich bis heute nach. Denn Autos und Oldtimer beschäftigen den Auto Native bis heute. Dazu interessieren ihn Politik, Geschichte und Mobilität. Mehr von Tom Schwede bei Google+

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

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