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Der Tüftler und Selfmade-Ingenieur - Karl "Carlo" Abarth

Vor 100 Jahren, am 15. November 1908, wurde in der Österreichischen Hauptstadt Wien Karl "Carlo" Abarth geboren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sein Name zum Synonym für sportliche Kleinwagen und Kompaktfahrzeuge. 1300ccm stellt den legendaren Tüftler und Selfmade-Ingenieur vor, der für viele als der Erfinder der Sportauspuffanlage gilt.

Tuning-Legende Carlo Abarth (Quelle: FIAT, Abarth)
Tuning-Legende Carlo Abarth (Quelle: FIAT, Abarth)
 

Vor 100 Jahren, am 15. November 1908, wurde in der Österreichischen Hauptstadt Wien Karl „Carlo“Abarth geboren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sein Name zum Synonym für sportliche Kleinwagen und Kompaktfahrzeuge. 1300ccm stellt den legendaren Tüftler und Selfmade-Ingenieur vor, der für viele als der Erfinder der Sportauspuffanlage gilt.

1908 in Wien geboren, wuchs Karl Abarth in Meran der Heimat des Vaters auf. Nach der Scheidung der Eltern kehrt Abarth in die österreichische Hauptstadt zurück. In Wien sammelt Abarth als jugendlicher Sportler erste Erfolge bei Fahrradrennen und tritt eine Lehre als Motorradmechaniker an. Im damals bekannten Rennteam „Motor Thun“gewinnt der Lehrling erste Erfahrungen mit der Arbeit an Rennmotoren.

Debüt als Motorrad-Rennfahrer

Das Talent der Fahrradrennfahrers hilft ihm beim Einstieg in den Motorsport. Denn Abarth darf als Ersatz für einen erkrankten Motor-Thun-Piloten bei einem Rennen starten und ist auf Anhieb deutlich schneller als die Werkspiloten. Doch die Beziehung zum Motor-Thun-Team kühlt schnell ab. Nach einem technischen Defekt vermutet Abarth Sabotage und kündigt auf der Stelle, um mit knapp 20 Jahren sein eigenes Motorrad-Rennteam zu gründen.

Im eigenen Team fährt er insbesondere in den Jahren 1928 und 1929 von Sieg zu Sieg. Nach einem schweren Unfall, von dem sich sein rechtes Knie nie wieder vollständig erholt, wechselt Abarth zu den Seitenwagen. Als Seitenwagenfahrer erfindet Abarth die so genannte Schwingachse, die den Seitenwagengespannen der damaligen Zeit deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten ermöglicht. Bereits 1930 beginnt Abarth sich für das Thema Auspuffanlagen zu interessieren und erkennt die Wichtigkeit der richtigen Abgasführung für Hochleistungsmotoren. Abarth erfindet dabei den modernen Sportauspuff - eine Technik, auf die er sich allerdings erst Jahre später wieder besinnen wird.

Im September 1939 führt ein weiterer Rennunfall zum endgültigen Karriereende. Kurz zuvor hatte Abarth die italienische Staatsbürgerschaft angenommen und seinen Vornamen offiziell in Carlo geändert. Während des Zweiten Weltkriegs rüstet Abarth Autos und Lkw von Benzin- auf Kohlegasbetrieb um. Ähnlich wie die Technik der Holzvergaser, bewährte Mittel, um der Rohstoffknappheit der Zeit zu begegnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges heuert Abarth zunächst beim Turiner Rennwagenhersteller Cisitalia an. Als Chef der Motorsportabteilung soll Abarth ein Grand-Prix-Team aufbauen. Doch Cisitalia muss schnell Konkurs anmelden.

Gründung der „Abarth & C.“

Abarth wählt den Weg in die Selbständigkeit. Mit Unterstützung des Geschäftsmanns Armando Scagliarini gründet er im März 1947 sein eigenes Unternehmen. Offizieller Geschäftszweck der „Abarth & C.“ ist die Produktion von Fahrzeugen und technischen Komponenten für den Sport- und Renneinsatz, die Entwicklung von Ausrüstung für Serienfahrzeuge sowie der Verkauf von Rennbenzin. Die „Abarth & C.“ übernimmt neben dem Personal auch die Ausrüstung von Cisitalia, darunter sechs Rennwagen.

Mit Piloten wie Piero Taruffi und Tazio Nuvolari entwickeln sich die Rennauftritte der „Squadra Corse Carlo Abarth“zu einem kostspieligen Unterfangen. Abarth besinnt sich auf seine Experimente von 1930 mit dem Bau von Auspuffanlagen und entwickelt einen Sportauspuff für den Fiat Topolino. Es folgen Systeme für andere Fiat Modelle, für Alfa Romeo, Maserati und eine Reihe weiterer Marken. Sogar die Rennabteilung von Ferrari vertraut zeitweise auf die Auspuffanlagen des Carlo Abarth. Dazu kommen immer mehr Sportfahrer, die mit einem Sportauspuff von Abarth ihr Fahrzeug verbessern - Carlo Abarth hat eine Keimzelle der Tunningbranche erfunden.

Schon 1951 entwickelt Abarth auch komplette Fahrzeuge. Er nutzt meist bewährte Fiat Technik, modifiziert die Motoren nach seinen Ideen und lässt seine Konstruktionen von den namhaften Designstudios Italiens einkleiden. Neben Serien- entstehen auch Rennautos an den Zeichenbrettern der Officine Abarth. Abarth Prototypen gewinnen mehrfach die Langstrecken-Weltmeisterschaft und die Berg-Europameisterschaft. Darüber hinaus erzielen Abarth-Fahrzeuge zahlreiche Langstreckenweltrekorde. Den größten kommerziellen Erfolg feiert „Abarth & C.“ aber mit Tuningzubehör für Fiat Serienfahrzeuge. Ab 1958 arbeiten beide Firmen offiziell zusammen. Von nun an verwandelt Abarth in seiner Werkstatt am Turiner Corso Marche beinahe jedes Fiat Modell in ein Rennauto. Jahr für Jahr fahren seine Entwicklungen weltweit Hunderte von Siegen ein, insgesamt mehr als 7.300. Bis heute zum heutige Tage. Denn in Deutschland gibt es mit der „Abarth Coppa Mille“ eine historische Clubsport-Rennserie, die den Fahrzeugen aus dem Hause Abarth gewidmet ist.

Damit seine Produkte auf den ersten Blick zu erkennen sind, entwirft Abarth ein spezielles Farbdesign: die Schalldämpfer sind mattschwarz, die Endrohre verchromt. Endgültig unverwechselbar werden die Auspuffanlagen durch das vom Sternzeichen des Inhabers abgeleitete Firmenlogo - einen schwarzen Skorpion auf gelb-rotem Grund. Ende der 60er Jahre ist die Blütezeit der Kleinwagen zu Ende, der Markt für Tuningzubehör stagniert. 1971 geht „Abarth & C.“ offiziell in den Besitz von Fiat über, Carlo Abarth wird Berater. Die Gebäude am Corso Marche werden Heimat der Fiat Rennsportabteilung. Am 24. Oktober 1979 stirbt Carlo Abarth im Alter von 71 Jahren.

FIAT hat die Marke Abarth vor kurzer Zeit wiederbelebt und würdigt Carlo Abarth mit zahlreichen Aktionen.

Neben einem Sondermodell des Abarth 500, dem in Zusammenarbeit mit Intel entwickelten und speziell für Videospiele konfigurierten Desktop-Computer „Abarth Powerplay Extreme“ sowie einem zusammen mit Yamaha konstruierten Konzept-Motorrad „Yamaha FZ1 Abarth Assetto Corse“ steht in Turin eine umfangreiche Präsentation zu Abarths Lebenswerk im Mittelpunkt der italienischen Aktivitäten zum 100. Geburtstag von Karl Abarth.

Carlo Abarth Ausstellung in Turin, Quelle FIAT
Ausstellung zum 100. Geburtstag der Tuning-Legende Carlo Abarth

Noch bis 14. Dezember 2008 sind im Turiner Ausstellungszentrum neben den aktuellen Modellen der Marke, den Rennautos „Abarth 500 Assetto Corse“ und „Abarth Grande Punto Rally Super 2000“ auch die wichtigsten Fahrzeuge aus der Feder des Firmengründers zu sehen. Zu den Stars der Show gehören mit dem „Abarth 205“ der erste Serien-Abarth, der „Fiat Abarth 1000 Berlina“ als erfolgreichster Tourenwagen der Marke sowie der „Abarth 1000 Bialbero“, das vielleicht schönste aller Abarth Serienmodelle.

Unter dem Motto „Von 0 auf 100. Im Zeichen des Skorpions“ feiert FIAT auch im Internet den 100. Geburtstag des legendären Firmengründers. Dort können sich Fans u. a. in einem virtuellen Gästebuch mit Glückwünschen verewigen und elektronische Postkarten - so genannte E-Cards - verschicken. Außerdem bietet die Internetseite weitere Information zum Leben von Karl Abarth, seinen Konstruktionen und den Rennerfolgen der Marke. Zusätzlich wird unter allen Interessenten, die bis zum 31. Dezember 2008 eine Probefahrt mit einem Abarth Serienfahrzeug durchführen, ein Performance-Kit esseesse (Wert 4.500 Euro) für den Abarth Grande Punto verlost.

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