Vom Motorsport lernen, heißt siegen lernen!
Am Sonntag um 16 Uhr steigt bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika der Klassiker England gegen Deutschland. Für so manchen Fußballfreund ist dieses Spiel die Mutter aller Fußball-Schlachten. Denn eine der beiden Mannschaften wird nach dem Spiel nur noch Beobachter der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 sein. Diese Spannung packt selbst Zeitgenossen, die sich ansonsten nicht für das runde Leder interessieren. Ebenfalls Spannung verspricht, der Große Preis von Europa, der zwei Stunden vor dem Anpfiff in Bloemfontein in Valencia gestartet wird.
Mit dem Rennen im Hafenviertel der drittgrößten Stadt Spaniens findet dann schon der neunte Lauf der Formel 1 Weltmeisterschaft 2010 statt. Wir sind uns sicher, dass die Piloten dabei alles versuchen werden, um die Wartezeit bis zum Fußball-Klassiker am Sonntag mit einem spannenden Rennen zu verkürzen. Wenn man einmal genau hinsieht, dann findet man zwischen dem Fußball und der Formel 1 übrigens mehr Gemeinsamkeiten als man spontan denken mag. Obwohl in Valencia – anders als beim Fußball – wohl noch keine allzu finalen Entscheidungen fallen werden. Denn in der Formel 1 haben alle Favoriten noch eine intakte Chance auf den Titel und werden auch nach dem Rennen an der Mittelmeerküste noch um den Titel kämpfen können.
Sogar Italien – bei der Fußball-Weltmeisterschaft bereits in der Vorrunde ausgeschieden – wähnt das Nationalheiligtum Ferrari nach dem Rennen in Kanada auf Augenhöhe mit der Spitze der Formel 1. Damit dies so bleibt, hat man für das Rennen in Valencia zahlreiche neue Aerodynamikteile an den F10 geschraubt. Dies hat den Ferrari-Piloten Fernando Alonso im gestrigen Training offensichtlich beflügelt. Denn der Spanier drehte in Valencia mit seiner roten Göttin, wie die Fans der italienischen Marke den Ferrari nennen, bisher die schnellsten Runden.
Bei solchen Leistungen kann es der stolze Tifosi wohl verdauen, dass hinter dem Steuer der roten Renner auch in diesem Jahr mit einem Spanier und einem Brasilianer keine Italiener sitzen dürfen. Nur auf der Ersatzbank des Fahrerkaders sitzt mit Giancarlo Fisichella ein Italiener. Etwas, dass die Italiener übrigens vom Fußball her kennen. Inter Mailand hat im Finale der Champions League gegen Bayern München ohne einen Italiener in der Startformation begonnen.
Erst in der Nachspielzeit wechselte Mailand-Trainer José Mourinho mit Marco Materazzi einen Italiener ein. In dieser Woche scheiterte die völlig überalterte Nationalmannschaft in Südafrika kläglich. Beängstigend für den viermaligen Weltmeister ist, dass sich die Nachwuchs-Mannschaften seit vielen, vielen Jahren meist gar nicht für die wichtigen Nachwuchsturniere qualifizieren.
Ähnlich ist es im Motorsport
Der letzte Italiener, der mit einem Ferrari ein Formel 1 Sieg feiern konnte, war Michele Alboreto. Beim Großen Preis von Deutschland 1985 konnte Alboreto mit dem Ferrari 156/85 am Nürburgring siegen. Und auch der motorsportliche Nachwuchs aus Italien konnte nun schon seit einigen Jahren keine wichtigen Titel mehr gewinnen. Um einen britischen Formel 3 Meister aus Italien zu finden, muss man bis sogar ins Jahr 1977 zurückblicken.
Damals gewann Bruno Giacomelli diesen sportlich extrem wertvollen Nachwuchs-Titel. 1996 gewann der junge Jarno Trulli den Formel-3-Titel in Deutschland. Und während Giacomelli sowie Trulli später auch in der Formel 1 immerhin ein paar Siege feiern konnten, fährt Giorgio Pantano, der vor zwei Jahren die GP2-Serie gewinnen konnte, inzwischen in der Auto GP genannten italienischen Formel 3000-Serie.
Man sieht sofort, dass die Nachwuchsarbeit in Italien offensichtlich hier wie dort mangelhaft ist. Und vielleicht orientiert sich der Fußball-Verband Italiens nun am Vorbild Ferrari. Denn dort gründete man im vergangenen Winter die „Ferrari Driver Academy“. Unter der Leitung des langjährigen Formel-1-Teamsmanagers Luca Baldisserri sollen sich Talente mit Unterstützung der Italiener vom Kartsport über die Formel Abarth und die Formel 3 oder die GP3 sowie über die GP2 oder die World Serie für die Formel 1 qualifizieren.
Hoffnung macht, dass als Berater des Programms Giancarlo Minardi tätig ist. Der freundliche Italiener brachte in seiner Zeit als Formel-1-Teamchef zahlreiche spätere Grand Prix Sieger in die Formel 1 und kennt sich in der Nachwuchsszene bestens aus. Und obwohl mit dem Programm weltweit nach neuen Ferrari-Piloten gesucht wird, gehören aktuell mit Mirko Bortolotti, Daniel Zampieri und Raffaele Marciello gleich drei junge Italiener dem Programm an.
Für Spannung ist also gesorgt
Am kommenden Sonntag steht mit dem Vitantonio Liuzzi nur ein Italiener wohl chancenlos im Starterfeld der Formel 1. Um den Sieg werden wohl andere kämpfen. Die Abgabe der Tipps ist bis zum Start des Rennens um 14 Uhr möglich.
