Halali oder der Aufbruch zu neuen Ufern?
Am 13. Mai 1950 fand in Silverstone das erste Formel-1-WM-Rennen der Geschichte statt. 2009 wird auf der schnellen Strecke in Northamptonshire zum Halali geblasen werden. Bis gestern dachte man dabei nur an die Ankündigungen, dass der britische Grand Prix ab 2010 auf Rennstrecke von Donington Park stattfinden soll.
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Doch der seit Wochen schwelende Streit um die Budget-Obergrenze gipfelte gestern in der Ankündigung, dass die acht in der Formula One Teams Association (FOTA) versammelten Teams 2010 die Formel 1 verlassen werden, um eine eigene Serie zu starten, wenn sich die Federation Internationale de l'Automobile (FIA) im Streit um das Reglement der Formel 1 weiter absolut nicht kompromissbereit zeigt. Denn im Prinzip sind sich alle Protagonisten absolut einig, dass die Einführung einer Budget-Obergrenze sinnvoll ist. Guter und unterhaltsamer Motorsport sollte sich auch nach Meinung der FOTA-Teams bieten lassen, wenn das Feld der 20 Fahrzeuge deutlich weniger als 1 Milliarde Euro pro Jahr verschlingt.
Die FIA hat allerdings bereits für 2010 eine Obergrenze für das Technik- und Einsatz-Budget von rund 45 Millionen Euro pro Team verfügt. Wer mit diesem Betrag zwei Formel-1-Fahrzeuge bauen und einsetzen kann, der bekommt große Freiheiten bei der Aerodynamik und der Motorenleistung der Autos. De facto würde die Formel 1 damit zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wobei dann Teams, die gut gearbeitet haben und deshalb ein entsprechendes Budget organisieren können, empfindlich bestraft werden würden. Im Prinzip wäre dies so, als ob man im Fußball sagen würde: „Bayern München darf wegen der wirtschaftlichen Potenz des Vereins nur noch mit sieben Spielern antreten!“
Für die großen Teams ist es wohl absolut unmöglich, ihr Budget innerhalb von rund acht Monaten auf die von der FIA diktierte Grenze abzusenken. Bei den fünf großen Formel-1-Herstellern Ferrari, Toyota, BMW, Renault und McLaren-Mercedes sind zusammen rund 3.200 Mitarbeiter mit der Formel 1 beschäftigt. Selbst WM-Spitzenreiter BrawnGP hat, auch wenn man sich in den vergangenen Wochen von rund 270 Mitarbeitern getrennt hat, immer noch deutlich mehr als 400 Mitarbeiter an Bord.
Einer der Gründe dafür, dass Honda sein im britischen Brackley angesiedeltes Team im Frühjahr Ross Brawn für ein englisches Pfund überlassen hat, waren die Mitarbeiter. Hätte Honda den Laden einfach geschlossen, dann hätte man für die damals 700 Mitarbeiter einen Sozialplan aufstellen müssen. Dies wäre für Honda noch teurer gewesen, als Brawn mit einer Mitgift von rund 160 Millionen Euro in sein Formel-1-Abenteuer zu entlassen.
Auch die Teams wollen sparen!
Ihr Vorschlag war bisher eine Budget-Obergrenze von zunächst rund 110 Millionen Euro pro Jahr. Diese könne man dann nach 12 Monaten auf den von der FIA diktierten Wert absenken. Doch die FIA zeigte sich nicht kompromissbereit. Stur wurde auf die Kompetenz zur Erstellung des Reglement gepocht und die Budget-Obergrenze von rund 45 Millionen Euro pro Team verteidigt.
Gleichzeitig wurde eine Ausschreibung initiiert, um Druck auf die Teams aufzubauen. Über dieses Verfahren sollten weitere Teams gefunden werden, die sich an der Formel 1 beteiligen könnten. Mehr als 10 Bewerbungen gingen ein. Neun bezeichnete die FIA als ernsthaft. Im ersten Anlauf wählte man die Bewerbungen von Ex-Formel-1-Pilot Adrián Campos , der bisher in der Formel-3-Euroserie und der GP2 mit seinem Team angetreten ist, dem britischen Formel-3-Team Manor und dem neuen US-F1-Team aus.
Mit Prodrive-Aston Martin und Epsilon Euskadi stehen zwei weitere Bewerber auf der Reservebank in den Startlöchern. Nach dem Wunsch der FIA sollten sich dort auch der traditionsreiche Rennwagenhersteller Lola und N.Technology für den Einsatz in der Formel 1 warmhalten. Doch diese beiden Teams zogen inzwischen ihre Bewerbung zurück.
Notbremse mit Rettungsanker?
Gestern aktivierten die in der FOTA versammelten Teams die Notbremse und zogen ihre bisher unter Vorbehalt abgegebenen Nennungen für die Formel 1 Weltmeisterschaft 2010 zurück. Gleichzeitig kündigten sie die Gründung einer alternativen Rennserie an. 1300ccm.de geht dabei davon aus, dass sich die Teams dazu mit der A1 Grand Prix genannten Serie verbünden werden. Die Organisatoren der A1 Grand Prix sind seit 2007 eng mit Ferrari verbunden. Die Italiener liefern das aktuelle A1 Grand Prix Fahrzeug. Außerdem hat man dort bereits jetzt die notwendige Infrastruktur in Form eines Rennkalenders und die entsprechenden TV-Verträge, um die Events in mehr als 120 Länder zu übertragen. Dazu hat man mit Michelin einen geeigneten Reifenlieferanten an Bord.
Immerhin bewirkte die Ankündigung der acht Teams von BMW-Sauber, BrawnGP, Ferrari, McLaren-Mercedes, Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota, dass die FIA die Veröffentlichung der endgültigen Teilnehmerliste für 2010, die ursprünglich den heutigen Samstag vorgesehen war, auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Es wäre im Interesse des Sports, wenn sich die Akteure auch jetzt noch auf einen Kompromiss einigen könnten. Denn die Entwicklung in den USA, wo sich 1996 die Indy Racing League von der IndyCar World Series trennte, sollte allen Beteiligten ein warnendes Beispiel sein. Dort gewann Nascar auch deshalb so stark an Bedeutung, weil sich der Formelsport mit seinen Grabenkämpfen schwächte.
Zurück zur Gegenwart
Trotz dieser Diskussionen wurde in Silverstone zum Glück auch gefahren. Dabei zeigte sich, dass der Red-Bull und Silverstone optimal harmonieren. Sebastian Vettel war im Freien Training Schnellster. Der 21-Jährige war dabei knapp zwei Hundertstelsekunden schneller als sein australischer Red-Bull-Teamkollege Mark Webber. Auf Platz drei fuhr überraschend Adrian Sutil im Force-India-Mercedes. Die bisher dominierenden BrawnGp landeten mit Jenson Button und Rubens Barrichello auf den Plätzen fünf und sieben.
Für Spannung ist also auf und neben der Strecke gesorgt!
Die Abgabe der Tipps ist bis zum Start des Rennens am Sonntag, den 21. Juni um 14 Uhr möglich.



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