Home of British Motor Racing
Fast im Schatten der Fußball-Weltmeisterschaft tritt die Formel 1 an diesem Wochenende zum Großen Preis von Großbritannien im britischen Silverstone an. Damit kehrt die Formel 1 im Jahr ihres 60. Geburtstags an den Ort zurück, an dem der erste Formel 1 Weltmeisterschaftslauf der Geschichte stattfand.
Lotus T127 in Silverstone (Foto: Lotus)
Die Traditionsstrecke von Silverstone wurde dazu umfangreich renoviert und die Streckenführung angepasst. Der neue „Silverstone-Arena“ genannte Streckenteil führt nach der Abbey-Schikane rechts in Richtung Becketts und geht von dort in einer Haarnadel über eine lange Gerade zur Priory-Kurve. Dadurch entfällt die berühmte Bridge-Kurve. Mit dem neuen Streckenabschnitt wurde die Strecke um 760 Meter auf nun 5,900 km verlängert und besteht jetzt aus 18 Kurven.
Die Geschichte der Traditionsstrecke: Vom Flugplatz zur Rennbahn
Die auf dem Gelände eines ehemaligen Flugplatz der britischen Luftwaffe errichtete Rennstrecke von Silverstone hat sich damit wieder − wie bereits einige Male in ihrer Geschichte − erheblich verändert. Denn bei der Eröffnung 1948 bestand der Kurs im Prinzip nur aus drei Start- und Landebahnen. Diese waren − wie bei den Anlagen zu dieser Zeit üblich − im Dreieck angeordnet waren. Damit bestand der Kurs praktisch nur aus drei langen Geraden und den engen Haarnadelkurven mit denen die Piloten von einer Landebahn zur nächsten wechselten.
1950 − unmittelbar vor dem ersten Formel 1 Rennen der Geschichte − verlegte man die Strecke auf die Verbindungsstraßen, die um die Start- und Landebahnen herumführten. Es entstand ein Streckenlayout, das für die nächsten 25 Jahre nahezu unverändert bestehen blieb. 1975 wurde in der Woodcote-Kurve eine Schikane eingefügt, um die Geschwindigkeit auf der Start-Ziel-Geraden zu reduzieren.
Doch in den 1980er-Jahren nahm die Leistungsfähigkeit der Formel 1 Rennwagen erheblich zu. Während Clay Regazzoni im Williams-Ford 1979 das Rennen in Silverstone mit einem Durchschnittstempo 223,395 km/h gewann, war Alain Prost sechs Jahre später bei seinem Sieg im McLaren TAG mit dem Turbomotor von Porsche schon durchschnittlich 235,425 km/h schnell. Und auch nach dem Verbot der bis zum 1.200 PS starken Turbomotoren blieben die Fahrzeuge der Formel 1 auf diesem Niveau. Denn 1990 war Alain Prost bei seinem Sieg im Ferrari 641, in dem ein wunderbarer V12-Saugmotor brüllte, schon wieder 233,775 km/h schnell.
Im Winter 1990/91 wurde die Strecke komplett neu gestaltet, um die Geschwindigkeiten zu senken. Dazu wurde die Strecke um gut 446 Meter mit dem Einfügen zusätzlicher Kurven verlängert. Tatsächlich war 1991 Sieger Nigel Mansell nur noch mit einem Durchschnittstempo von 211,209 km/h unterwegs. Und in den nächsten Jahren pendelte man die Fahrzeuge der Formel 1 durch geänderte Fahrzeugvorschriften auf diesem Niveau ein. Erst 2007 war mit Kimi Räikkönen ein Sieger wieder mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von jenseits der 220 km/h-Marke unterwegs.
Zurück in die Gegenwart der Formel 1
Das Training gestern dominierten die Piloten von Red Bull. Während am Morgen Sebastian Vettel der Schnellste war, konnte am Nachmittag Teamkollege Mark Webber die schnellsten Runden drehen. Bei den Piloten der neuen Teams war in beiden Sitzungen Heikki Kovalainen im Lotus der Schnellste.
Bruno Senna (Foto: Nuvolari72)
Das Team „Lotus Racing“ gab übrigens im ersten Training dem malaysischen Rennfahrer Fairuz Fauzy die Gelegenheit zum Bewegen des Lotus T127. Doch während im Lotus am Nachmittag dann wieder Stammfahrer Jarno Trulli hockte, musste Bruno Senna sein Cockpit bei Hispania ganz an Ersatzfahrer Sakon Yamamoto abtreten.
Was zunächst wie ein kompletter Rauswurf aussah, soll allerdings nur für das Rennen in Silverstone gelten. Der Neffe des legendären Ayrton Senna hatte jüngst die Teamführung heftig wegen der Einsätze des österreichischen Testfahrers Christian Klien im freien Training kritisiert. Und so wurde zunächst gemunkelt, dass der Fahrerwechsel sein Denkzettel sein könnte.
Doch inzwischen meldet Radio Fahrerlager, dass sich der Japaner Yamamoto das Formel-1-Ticket mit einer Mitgift von 5 Millionen Euro gekauft haben solle. Wenn dies tatsächlich so der Fall sein sollte, so müsste man sich wohl erste Sorgen um die finanzielle Lage des Teams Hispania machen. Denn Teams, die in der Vergangenheit mitten in der Saison ihren Etat mit sog. „Paydrivern“ aufgestockt haben, hatten meist nur noch eine kurze Lebenszeit.
Und dann wäre die Presseerklärung des Teams, das gestern dann doch erklärte: "Angesichts der Gerüchte um Bruno Sennas aktuellen Status bei Hispania bestätigt das Team, dass Senna alle Unterstützung hat und in den restlichen Rennen der Formel-1-WM 2010 fahren wird", wohl nur noch wenig wert.
Für Spannung ist also gesorgt!
Die Abgabe der Tipps ist bis zum Start des Rennens am Sonntag um 14 Uhr möglich.



Bisher kommentiert:
Dein Kommentar?