60 Jahre und kein bisschen leise – die Königsklasse des Motorsports feiert Geburtstag
Heute vor 60 Jahren fand im britischen Silverstone das erste Rennen der Formel 1 Weltmeisterschaft statt. Die Formel 1 feiert dieses Jubiläum standesgemäß in Monte Carlo, wo heute die ersten Trainingsläufe zum Großen Preis von Monaco auf dem Programm stehen. 1300ccm.de blickt anlässlich des Jubeltags auf die Highlights einer Motorsportserie zurück, die nun seit sechs Jahrzehnten mit Triumphen und Tragödien ihr Publikum in den Bann zieht.
Einem Formel 1 der 1950er-Jahre unter die Haut geschaut
Der Zweite Weltkrieg hatte den Motorsport in Europa vollständig gestoppt. Zuvor hatten die Duelle der Silberpfeile von Auto Union und Mercedes-Benz nicht nur in Deutschland für einen wahren Motorsport-Boom gesorgt. Bereits im September 1945 fand auf dem „Circuit Bois de Boulogne“ westlich von Paris der erste „Große Preis“ der Nachkriegszeit statt.
Ein Jahr später fanden bereits 20 Rennen statt, die den Titel „Großer Preis“ trugen. Drei dieser Rennen hatte die „Association Internationale des Automobiles Clubs Reconnus“ – wie der Automobilverband Federation Internationale de l'Automobile damals hieß – unter der Bezeichnung „Grandes Épreuves“ hervorhoben. Doch eine Meisterschaft gab es, anders als vor dem Krieg, noch nicht.
Auch 1947 und 1948, als erstmals auch der Große Preis von Monaco zu den „Grandes Épreuves“ Veranstaltungen zählte, blieb es bei dieser lockeren Struktur. Viele der Piloten, die sich den Herausforderungen der Rennen stellten, waren zum Teil bereits lange vor dem Krieg als Rennfahrer aktiv. Der Nachwuchs hatte in den Kriegsjahren keine Rennerfahrungen sammeln können und nun meist auch nicht die finanziellen Mittel, um sich den teuren Motorsport leisten zu können.
Die Fahrzeuge stammten meist aus der Vorkriegszeit. Zum Gewinnen benötigte man einen Maserati oder einen Alfa Romeo. Vereinzelt konnten sich auch Piloten mit einem Bugatti, Talbot oder ERA in diesen Jahren den Sieg bei einem der ausgetragenen Rennen sichern. Dem Weltverband blieb diese Entwicklung nicht verborgen. Um die Hersteller und Teams zum Bau neuer Fahrzeuge zu animieren, legte man zur Saison 1949 die Einteilung der Fahrzeugklassen neu fest.
Wie vor dem Krieg, als man neben den kräftigen Grand Prix Fahrzeugen die kleineren Fahrzeuge der Voiturette-Klasse kannte, definierte man in Paris zwei Klassen. Für die „Formula A“ genannte Spitzenklasse gestattete man aufgeladene Motoren mit maximal 1,5 Litern Hubraum und Saugmotoren mit maximal 4,5 Litern Hubraum.
Den kleineren und günstigeren Fahrzeugen der „Formula B“ stand man Saugmotoren bis 2 Liter Hubraum und aufgeladene Motoren mit maximal 750 Kubikzentimetern Hubraum zu. Doch auch wenn 1949 bereits fünf Rennen zu den „Grandes Épreuves“ zählten verzichtete man auf das Ausschreiben einer Meisterschaft.
Die Motorradfahrer waren da weniger zaghaft. Sie fuhren bereits 1949 in der Motorrad-Weltmeisterschaft um Siege, Punkte und Titel. Der Automobilverband zog ein Jahr später nach und schrieb für 1950 die erste Fahrer-Weltmeisterschaft aus. Zur ersten Meisterschaft zählten sechs Rennen der nun als Formel 1 bezeichneten „Formula A“ sowie das Indianapolis 500, das jedoch weiter nach den Regeln der American Automobile Association ausgetragen wurde.
Am 13. Mai 1950 war es dann soweit!
Unter den Augen des britischen Königs Georg VI. wurde in Silverstone das erste Rennen der Formel 1 Weltmeisterschaft gestartet. Das, um die traditionelle Sonntagsruhe der Briten nicht zu stören, an einem Samstag gestartete Rennen gewann Nino Farina am Steuer eines Alfa Romeo. Zuvor hatte sich der Italiener bereits den besten Startplatz gesichert.
Nach dem Rennen in Silverstone siegte Farina auch beim Rennen in der Schweiz. Dazu sicherte sich Farina beim Rennen in Spa-Francorchamps mit einem vierten Platz weitere Punkte. Juan Manuel Fangio aus Argentinien siegte in Monaco, Belgien und Frankreich. Damit ging Fangio mit 26 WM-Punkten als Führender in das Saisonfinale in Italien.
Auf den Plätzen zwei und drei der WM-Wertung folgten Luigi Fagioli, der ohne Sieg 24 Punkte gesammelt hatte, und Nino Farina mit 22 Punkten. Damit sah Fangio fast wie der sichere Sieger aus – zumal der Mann aus Argentinien in Training von Monza auch noch die schnellste Rennrunde drehen konnte. Doch der Titel sollte schließlich an Farina gehen, denn Fangio fiel in der 23. Runde mit einem Getriebeschaden aus.
Das Reglement erlaubt den Piloten damals den Fahrzeugwechsel. So übernahm Fangio den Wagen seines Teamkollegen Piero Taruffi, um die Chance auf den Titel zu wahren. Doch es sollte nicht sein, denn nur wenige Runden später scheiterte Fangio mit einem Motorschaden, während Farina an der Spitze des Feldes zu einem am Ende ungefährdeten Sieg zu.
Damit sicherte sich Nino Farina den ersten Titel eines Fahrer-Weltmeisters. Der Neffe des legendären Karosseriedesigners Battista "Pinin" Farina ist übrigens bis heute der einzige Pilot, der sich seinen Titel in seinem Heimatland sichern konnte. Die erste Formel-Saison hatte damit eindrucksvoll gezeigt, was die Formel 1 bis heute ausmacht. Für einen Titel benötigt man Siege. Und wenn diese nicht möglich sind, dann muss man in Ziel fahren und Punkte sammeln.
Und die Verantwortlichen hatten den Grundstein für eine Motorsportserie gelegt, die seit nun 60 Jahren ihr Publikum in den Bann zieht. 1300ccm.de sagt: „Herzlichen Glückwunsch – Formel 1“ und wird an dieser Stelle in loser Folge die wichtigsten Meilensteine aus der Geschichte der Formel 1 Revue passieren lassen.




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