83 Jahre Tradition - Der Grosse Preis von Deutschland
An diesem Wochenende tritt die Formel auf dem Nürburgring zum Großen Preis von Deutschland an. Für 1300ccm.de die passende Gelegenheit, um einmal auf die wechselvolle Geschichte dieses Rennens zurückzublicken.
Großer Preis von Deutschland, Avus, Berlin (Foto: Deutsches Bundesarchiv, Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0)
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Zwar gab es bereits 1907 mit dem Kaiserpreis einen deutschen Grand Prix, aber der Großer Preis von Deutschland wurde erstmals 1926 auf der Berliner AVUS ausgeschrieben. Darauf hatten die Zuschauer offensichtlich nur gewartet. Am Renntag strömten rund 500.000 in den Grunewald an die „Automobil-Verkehrs- und Übungs--Straße“. Bauliche Mängel der schnellen Strecke im Schatten des Berliner Funkturms hatten jedoch Bodenwellen von bis zu 10 cm Höhe verursacht. In Verbindung mit einer rutschigen Fahrbahnoberfläche und widrigem Wetter stellte dies die Teilnehmer so schwierige Aufgaben. Nicht alle Teilnehmer waren der Herausforderung des Rennens gewachsen und zahlten einen hohen Preis für ihre Teilnahme. Während des Rennens verunglückten gleich vier Teilnehmer tödlich. Als erster Sieger schrieb sich Rudolf Caracciola in die Analen des Rennens ein. Der „Regenmeister“, wie Caracciola zu seiner Zeit auch gern genannt wurde, gewann mit einem Daimler-Benz, den Ferdinand Porsche konstruiert hatte.
Der Wechsel an den Nürburgring
Ein Jahr später wechselte der Große Preis von Deutschland erstmals an den damals neuen Nürburgring. In der Eifel hatte man bereits mehr als 20 Jahre vorher mit den Planungen für den Bau einer permanenten Rennstrecke begonnen. Die Pläne wurden allerdings von 1909 bis zum Anfang der 1920er-Jahre zunächst nicht weiterverfolgt. Erst 1924 nahm man die Planungen wieder auf und vollendete bereits 1927 den Nürburgring. Rudolf Caracciola gewann das Eröffnungsrennen, beim wenige Wochen später ausgetragenen Großen Preis von Deutschland siegte Mercedes-Benz-Teamkollege Otto Merz.
Die dritte Ausgabe des Großen Preis von Deutschland im Jahr 1928 sicherte sich - jetzt auch am Nürburgring - Caracciola, der damit den Auftakt zu einer beeindruckenden Siegesserie feierte sollte. Denn von 1928 bis 1939 siegte der Rheinländer bei zehn Rennen um den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring gleich fünfmal. Inklusive seines Siegs auf der AVUS brachte es der erfolgreichste deutsche Automobilrennfahrer der Vorkriegszeit beim Großen Preis von Deutschland auf insgesamt sechs Siege. Bis heute ist es keinem anderen Piloten gelungen, den Großen Preis von Deutschland so oft zu gewinnen.
Caracciola eroberte auch neben der Strecke neues Terrain

Bernd Rosemeyer im Karussell
(Foto: Deutsches Bundesarchiv, Creative Commons)
1931 nutzte Caracciola im Streckenabschnitt „Karussell“ als Erster den Graben an der Innenseite dieser Spitzkehre als Steilwand, wodurch an dieser Stelle deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich waren. Ein Jahr später wurde der Graben betoniert und ist bis heute als „Caracciola-Karussell“ offizieller Teil der Pistenführung.
Von 1939 bis 1949 wurde in Folge des Zweiten Weltkriegs kein Großer Preis von Deutschland ausgetragen. Die Aufnahme in den ersten Kalender der Formel-1-Weltmeisterschaft gelang Deutschland nicht. 1950 ging folglich nur die Formel 2 am Nürburgring an den Start, um um den Großen Preis von Deutschland zu rennen.
Zurück im internationalen Sportkalender
1951, im ersten Formel-1-Rennen am Nürburgring glänzte Ferrari: Vier der ersten fünf platzierten Rennfahrer waren mit einem Auto aus Maranello unterwegs. Nur Juan Manuel Fangio konnte sich als Zweiter mit einem Alfa Romeo zwischen den Ferraris platzieren. Den Sieg feierte Alberto Ascari. Nach zwei weiteren Ferrari-Siegen, die sich Alberto Ascari und Giuseppe Farina in den Folgejahren sicherten, siegte 1954 Juan Manuel Fangio mit einem Mercedes-Benz.
Doch das Rennen sollte nicht nur wegen des damit verbundenen vorzeitigen Titelgewinns des Silberpfeil-Piloten in die Geschichte eingehen. Im Training war der argentinische Maserati-Fahrer Onofre Marimón tödlich verunglückt. Der Große Preis von Deutschland mußte den ersten Todesfall bei einem Formel 1-Weltmeisterschaftslauf beklagen. Hermann Lang, dem 1939 der Beginn des Kriegs einen sicheren Europameister-Titel raubte, bestritt bei diesem Großen Preis von Deutschland seinen letzten Grand Prix. Zudem war das Rennen mit 3 Stunden und 45 Minuten der längste je ausgetragene Formel-1-Weltmeisterschaftslauf - wenn man mal die nicht vergleichbaren Indy-500-Rennen, die damals zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählten, ohne Berücksichtigung lässt.
1955 wurde der Große Preis von Deutschland nach der Tragödie von Le Mans, als bei einem Unfall während des 24-Stunden-Rennen von Le Mans über 80 Zuschauer den Tod fanden, abgesagt. 1956 und 1957 siegte erneut Fangio. Damit brachte der fünffache Weltmeister das Kunststück fertig, bei seinen drei Siegen in Deutschland drei unterschiedliche Fabrikate zu bewegen. Nach dem Sieg im Mercedes (1954) folgten Siege mit Ferrari (1956) und Maserati (1957).
Hans im Glück überlebt die AVUS
Nach dem Rückzug von Mercedes-Benz aus dem Motorsport und dem Rücktritt von Juan Manuel Fangio sanken die Zuschauerzahlen am Nürburgring. Man entschied sich, 1959 den Großen Preis von Deutschland auf der AVUS auszutragen. Dies sollte sich als schlechte Entscheidung erweisen. Bereits im Vorfeld hatten die Piloten starke Sicherheitsbedenken gegenüber der AVUS geäußert. Schließlich bestand diese Hochgeschwindigkeitsstrecke 1959 nur aus zwei circa vier Kilometer langen Geraden, einer Haarnadelkurve sowie der aus Backsteinen gemauerten Steilkurve. Man befürchtete, dass die Reifen der Formel-1-Boliden den Geschwindigkeiten dieser High-Speed-Strecke nicht gewachsen sein würden.
Aus Angst vor Reifenschäden wurde der Große Preis von Deutschland also erstmals in der Formel-1-Geschichte in zwei Läufen über je 30 Runden ausgetragen. In der Addition beider Läufe belegten mit Tony Brooks, Dan Gurney und Phil Hill schließlich drei Ferrari-Piloten die ersten drei Plätze. Im Rennen kam es zu zahlreichen Unfällen. Besonders spektakulär verabschiedete sich Hans Herrmann aus dem Rennen. Vor der Südkehre versagten an seinem BRM die Bremsen. Herrmann wurde bei einem Überschlag aus seinem Wagen geschleudert. Ein Umstand, der dem Stuttgarter angesichts des glimpflichen Ausgangs den Spitznamen „Hans im Glück“ einbrachte. Trotzdem sollte die Formel 1 nicht mehr auf die AVUS zurückkehren.
Zurück am Nürburgring fallen die Zeiten

3x Sieger beim GP von Deutschland: Jackie Stewart
(Hier 1969 im Matra-Ford, Foto: Lothar Spurzem)
1960 kehrte der Große Preis von Deutschland an den Nürburgring zurück, wurde dort jedoch zunächst erneut nur als Formel-2-Rennen ausgeschrieben. Ab 1961 zählte das Rennen jedoch wieder zur Formel-1-Weltmeisterschaft. Inzwischen haben die kleinen Monoposti die großen Frontmotorfahrzeuge in den Ruhestand vertrieben. Damit sanken die Rundenzeiten. Trotz des Hubraums, der 1961 von 2,5 Liter auf 1,5 Liter reduziert wurde, war Phil Hill in seiner schnellsten Rennrunde gut 12 Sekunden schneller unterwegs als Stirling Moss drei Jahre zuvor.
Der Trend setzte sich in den nächsten Jahren fort. Nur vier Jahre später war Jim Clark weitere 30 Sekunden schneller. 1969 fiel die Marke von acht Minuten als Jacky Ickx sich mit 7:42.1 den besten Startplatz sicherte. Der Belgier drehte die Zeit auf der Originalstrecke, an der statt Leitplanken Hecken standen. 1970 erklären die Grand-Prix-Piloten nach einer Serie schwerer Unfälle, dass die Nordschleife zu gefährlich sei. Sie fordern umfangreiche Umbauten. Der Große Preis von Deutschland wurde erstmals nach Hockenheim verlegt.
Doch zur Saison 1971 wurde der Ring umgebaut. Endlich erhält die Strecke Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken. 17 Millionen Mark werden investiert. Doch die Strecke wird mit dem Umbau nicht nur sicherer, sie wird auch schneller. Bei der Rückkehr fährt die Spitze schon 7:20.1. 1974 kratzt Niki Lauda mit 7:00.8 an der Grenze von sieben Minuten, die ein Jahr später tatsächlich geknackt wird.
1976: Der Unfall von Niki Lauda

Niki Lauda beim Training zum Großen Preis von
Deutschland 1976 (Foto: Lothar Spurzem)
Schon vor dem Rennen 1976 steht fest, dass der Auftritt am Nürburgring der Schlussakt für die Nordschleife sein wird. Nach dem Feuerunfall von Niki Lauda wird deutlich warum. Die Streckenführung von fast 23 Kilometern macht eine Bergung schwierig. Die Landschaft macht den Bau von Auslaufzonen zum Teil unmöglich.
Also findet der Große Preis von Deutschland ab 1977 in Hockenheim eine neue Heimat. Und es ist Niki Lauda, der am Nürburgring trotz schnellster Rundenzeiten im Formel 1 nie siegen konnte, der sich im Badischen seinen Sieg beim Großen Preis von Deutschland sichert. In Hockenheim tragen sich große Piloten wie Ayrton Senna (3x), Nigel Mansell und Alain Prost (je 2x) in die Siegerlisten des Großen Preis von Deutschland ein. Michael Schumacher siegt nach einer Pause von 56 Jahren als erster Deutscher beim Heimspiel. Der spätere Rekordweltmeister beendet damit 1995 eine deutsche Durststrecke, die 1939 mit dem Sieg Caracciolas begonnen hat.
1985 kehrt der Große Preis von Deutschland noch einmal in die Eifel zurück. Auf der neuen Grand Prix Strecke des Nürburgrings siegt Michele Alboreto mit einem Ferrari. In den folgenden Jahren wird jedoch weiter auf dem Hockenheimring gefahren. Die weiteren Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring, die in der Schumacher-Ära möglich werden, laufen immer unter einer anderen Flagge. Erst 2009 spricht die Formel 1 am Nürburgring wieder von einem Großen Preis von Deutschland.
