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ADAC entschuldigt sich für die Manipulationen bei der Motorwelt und für seine Reaktion auf die Vorwürfe der Süddeutschen Zeitung

Das ging jetzt aber schnell. Erst gestern wurde bekannt, dass die Vorwürfe, die die Süddeutschen Zeitung bezüglich der Leserwahl „Gelber Engel“ in der vergangenen Woche erhoben hatte, tatsächlich wahr sind. Heute geht der ADAC in die Offensive und entschuldigt sich mit einer Pressemitteilung.

Unumwunden gibt Deutschland größter Verein zu, dass die Zahlen zur Teilnahme an der Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen geschönt wurden. Nicht nur bei der aktuellen Ausgabe, sondern auch schon in den Vorjahren.

Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC Geschäftsführung erklärte dazu am Vormittag: „Wir müssen davon ausgehen, dass auch in vergangenen Jahren die Zahl der abgegebenen Stimmen zum Lieblingsauto nach oben korrigiert wurde.“ Gleichzeitig betonte Dr. Obermair jedoch auch, dass nur die Anzahl der Stimmen verändert wurde. An der Rangfolge der Ergebnisse habe sich durch die Manipulation nichts geändert.

Als Folge der Manipulationen trennen sich die Wege des bisherigen Kommunikationschefs, der in Personalunion auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift ADAC Motorwelt war, und des ADAC. Denn auch wenn die Innenrevision des ADAC noch mit einer Untersuchung der Vorgänge betraut ist und erst in absehbarer Zeit ein Ergebnis vorlegen wird, gilt Michael Ramstetter nach seinem Geständnis als Verantwortlicher des inzwischen als „ADAC Skandal“ bezeichneten Vorgangs.

Dr. Obermair sagte dazu „Ich bin fassungslos über die Dreistigkeit des Fehlverhaltens einer einzelnen Führungskraft, für den selbstverständlich bis zuletzt die Unschuldsvermutung gegolten hat.“ Und spannt den Bogen zum zweiten Problem des Klubs. Denn statt die Vorwürfe von Anfang an ernst zu nehmen, prallen sie zunächst am ADAC ab.

Am 16. Januar – zwei Tage nach der Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung – schrieb der ADAC in einer Pressemitteilung noch:

… Großer Gewinner der diesjährigen Veranstaltung war Volkswagen. Die Wolfsburger Autobauer stellten mit ihrem Erfolgsmodell Golf nicht nur das – von den Lesern der ADAC Motorwelt in einem manipulationssicheren Verfahren via Coupon und im Internet ermittelte – »Lieblingsauto der Deutschen«, sondern auch das beste »Eco-Auto« (e-up!) und das beste »Familienauto« (Sharan). …

Inzwischen wissen wir es besser!

Doch damit nicht genug, im Rahmen der Preisverleihung am gleichen Tag wiesen Spitzenrepräsentanten des ADAC die Vorwürfe deutlich zurück, ließen sich sogar zu einer harschen Kritik an der Süddeutschen Zeitung hinreißen.

Offensichtlich voreilig, denn mit der heutigen Pressemitteilung entschuldigt sich die ADAC-Führung ausdrücklich für diese überzogene Medienkritik. Diese sei das Ergebnis der festen Überzeugung gewesen, dass sich die in der Süddeutschen Zeitung erhobenen Manipulationsvorwürfe als substanzlos erweisen. Diese Einschätzung habe sich am vergangenen Freitag als falsch herausgestellt.

Ausgestanden ist der ADAC Skandal mit der heutigen Erklärung noch nicht!

Denn bereits gestern haben die üblichen Selbstdarsteller gefordert, alle Tests und Veröffentlichungen des ADAC zu untersuchen. Auch wenn mir so eine Pauschalkritik zu billig ist, muss der ADAC sich nicht wundern, dass diese Vorwürfe hochkommen. Denn die Erstreaktion auf die Vorwürfe der Süddeutschen war ein Musterbeispiel für schlechte Krisenreaktion. Mit der heutigen Entschuldigung geht der ADAC jetzt einen anderen Weg.

Diesen Weg muss der größte Verein jetzt fortsetzen, um den durch Michael Ramstetters Wirken entstandenen Imageschaden auszuräumen.

 

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