Tief im Westen der USA findet zurzeit die Los Angeles Auto Show statt. Zu den Premieren in Los Angeles gehört 2016 auch der Alfa Romeo Stelvio. Der Stelvio ist der erste SUV mit Scudetto.

Alfa Romeo verfügt über eine lange und wechselvolle Geschichte. Gegründet 1910 als Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili – kurz Alfa – baut die Marke zunächst Sportwagen. Sie sollen den Ruhm der Lombardei in die Welt tragen. Doch der Erste Weltkrieg beendet die Träume der Gründer. Der Rüstungsunternehmer Nicola Romeo erwirbt 1915 das insolvente Unternehmen, um Munition und Flugmotoren zu fertigen.

Direkt nach Kriegsende folgen – jetzt unter den Namen Alfa Romeo – neue Sportwagen. Doch obwohl diese schnell große Sporterfolge einfahren, misslingt der Umstieg auf die Nachkriegswirtschaft. 1926, nur ein Jahr nach dem Gewinn der ersten ausgetragenen Weltmeisterschaft des Automobilrennsports, ist Alfa Romeo erneut zahlungsunfähig. Die Banca d’Italia rettet das Unternehmen.

Alfa wird ein Staatsunternehmen

Die S.A. Alfa Romeo ist bald vollständig im Staatsbesitz. Technisch beeindruckt in diesen Jahren der Alfa Romeo 8C 2900, als zu seiner Zeit schnellstes Serienauto der Welt. Die Sportwagen machen Alfa Romeo weltweit bekannt. Doch Einnahmen generiert das Staatsunternehmen in diesen Jahren mit Lkw, Bussen und Flugmotoren. Wobei auch dieses Geschäft wohl nie lange profitabel war.

Die Staatsholding Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) gleicht Verluste großzügig aus. Und so bleiben die Autos von Alfa Romeo bis zum Zweiten Weltkrieg sehr teure Premium-Produkte. Lange liefert Alfa Romeo nur die Motoren und die Chassis. Erst ab 1933 gibt es bei Alfa Romeo eigene Karosserien. Zuvor übernehmen ausschließlich Firmen wie Zagato Centrostile, Touring, Castagna oder Pininfarina den Karosseriebau.

In den 1930er-Jahren entsteht der typische schmale, tief heruntergezogene und spitz nach unten zulaufende Kühlergrill. Der Scudetto („Schildchen“) ziert die Front der meisten Alfa Romeo. Völlig unabhängig davon, in welcher Werkstatt die Karosserie entsteht. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das Stammwerk in Portello starke Beschädigungen erleidet, wendet sich Alfa Romeo etwas breiteren Käuferschichten zu.

Alfa Romeo erfindet mit der Gulia die Sport-Limousine

Dabei erfindet Alfa Romeo mit der 1962 vorgestellten Gulia die Sport-Limousine. In der Folge ist Alfa Romeo einige Jahre profitabel. Doch dann beginnt Mutter IRI, mit Alfa Romeo Strukturpolitik zu machen. Statt die anspruchsvolle Position in der Mittelklasse auszubauen, muss Alfa sein Sortiment in der Kompaktklasse erweitern. In der Nähe von Neapel entsteht extra dafür ein weiteres Werk.

Mit dem neuen Werk will IRI die Arbeitslosigkeit im Süden Italiens bekämpfen. Das neue Modell Alfasud leitet seinen Namen (Alfa – Süden) vom neuen Werk ab. Regelmäßige Streiks sowie eine teilweise miserable Qualität verhindern, dass der Alfasud zum Erfolg fährt. In der Folge schreibt Alfa Romeo über Jahre tiefrote Zahlen. Schließlich fehlt sogar Geld zur Entwicklung eines Nachfolgers.

Weshalb ab 1983 mit dem Alfa Romeo Arna ein Nissan Cherry mit dem Antrieb des Alfasud die Kompaktklasse erobern soll. Auch das scheitert. Dazu findet auch der Rest des Programms immer weniger Kunden. Als 1986 die Auslastung der Werke unter 50 Prozent sinkt, verkauft IRI den Autobauer an Fiat. Die neuen Eigentümer schrumpfen das Unternehmen zu einer Marke zusammen.

Es dauert fast zehn Jahre, bis Fiat mit dem von Walter de Silva gestalteten Alfa Romeo 156 einen echten Neustart in Angriff nimmt. Schritt für Schritt besinnt sich Fiat auf die Tugenden, die Fans in aller Welt bis heute mit Alfa Romeo verbinden. Trotzdem bleibt der Beitrag zum Ergebnis klein. Alfa Romeo ist auch in den Händen von Fiat meist ein Verlustbringer. Entsprechend schwer tut sich Fiat lange.

Doch es gibt Inspiration von außen!

Zeitweilig wirbt Volkswagen offen um die Alfa Romeo. Für Ferdinand Piëch ist die Marke ein Juwel. Doch Fiat-Chef Sergio Marchionne ist nicht zum Verkauf bereit. Offensichtlich kennt auch Marchionne den Wert der Tochter. Konsequent richtet der Fiat-Boss Alfa Romeo neu aus. Der Imageträger Alfa Romeo 8C Competizione schafft Aufmerksamkeit und bereitet das Comeback vor.

Mit der Alfa Romeo Giulietta nimmt Marchionne ab 2010 in der Kompaktklasse Premium-Kunden ins Visier. Der Zwang zur Vereinheitlichung, der bis vor zehn Jahren viele Alfa-Modelle zu Ablegern von Fiat-Fahrzeugen machte, ist Geschichte. Inzwischen glänzen die aktuellen Modelle mit viel Eigenständigkeit. Der Sportwagen Alfa Romeo 4C ist 2013 der erste eindrucksvolle Bote dieser neuen Vorgehensweise.

Offenbarung Alfa Romeo Giulia – Fortsetzung Alfa Romeo Stelvio

Zwei Jahre später folgt mit der neuen Alfa Romeo Giulia ein Auto, das die Fesseln der Fiat-Technik genauso konsequent abstreift. Ein Auto mit längs eingebautem V6-Motor und Hinterradantrieb feierte letztmals 1985 mit dem Alfa Romeo 75 Premiere. Offenbar hat Sergio Marchionne endlich einen passenden Weg zur Revitalisierung der Make Alfa Romeo gefunden.

Es erfordert nicht viel Phantasie, um das Vorbild Volkswagen und den Umgang der Wolfsburger mit ihrer Tochter Audi zu erkennen. Auch Europas Nummer eins gestattet ihrer Tochter aus Ingolstadt einige technische Freiheiten. Auf den A4-Konkurrenten Giulia folgt nun der Q5-Herausforderer Alfa Romeo Stelvio. Eine logische Wahl, denn SUV sind weiter ein Wachstumsmarkt.

Im vergangenen Jahr war der weltweite Automarkt für rund 12,7 Millionen kompakte SUV gut. Bis 2020 soll dieses Segment um fast zwei Millionen Fahrzeuge wachsen. Mit dem neuen Stelvio stellt Alfa Romeo daher der Giulia einen SUV zur Seite. Zusammen laufen beide Modelle in der Nähe von Rom vom Band. Mit dem Namen Stelvio würdigt Alfa Romeo das Stilfser Joch als höchsten asphaltierten Pass in den italienischen Alpen.

Mit 510 PS ist Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio ein Power-SUV

Passend dazu übertrumpft der Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio die Leistung der Wettbewerber mit bis zu 510 PS Leistung deutlich. Selbst Porsche bietet im Macan Turbo mit Performance Paket bisher maximal 440 PS. Im SQ5 TDI plus der ausgelaufenen ersten Q5-Generation bot Audi bisher maximal 340 Diesel-PS. Der neue Q5, der in Kürze bei den Händlern steht, leistet als Benziner zunächst „nur“ 252 PS.

Audi wird auf den Stelvio Quadrifoglio daher wohl mit einem Audi RS Q5 antworten. Den RS Q5 dürfte – vermutlich – der V6-Biturbo des kommenden Audi RS 4 antreiben. Womit sich der RS Q5 auf dem Niveau des Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio bewegen dürfte. Denn das Spitzenmodell aus Italien treibt der V6-Benziner mit Bi-Turbo-Aufladung aus der neuen Giulia an.

Damit setzt sich Alfa Romeo bisher an die Spitze der Klasse. Denn auch bei BMW, ebenfalls ein klassischer Wettbewerber von Alfa Romeo, gibt nur im größeren X5 M mehr Leistung. Beim besser mit dem Stelvio vergleichbaren BMW X3 ist bisher bei 313 PS das Ende der Fahnenstange erreicht. Das bewegt sich auf dem Niveau des normalen Alfa Romeo Stelvio, den ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit 280 PS antreibt und der als Volumenmodel für die notwendigen Stückzahlen sorgen soll.

Weltweit übrigens, denn Los Angeles als Premierenort ist Ausrufezeichen. Schließlich gelten die USA als Mutterland der SUV. Dort hat der Name Alfa Romeo traditionell einen guten Klang. Denn die Nationalikone Henry Ford sagte einst: „Immer wenn ich einen Alfa Romeo sehe, ziehe ich meinen Hut.“ Heute sind Hüte selten. Doch es gibt andere Möglichkeiten, um Respekt zu bekunden. Denn der Alfa Romeo klingt nach einem Auto, das diesen Respekt verdient hat.

Zusammengefasst: Alfa Romeo entdeckt mit dem bis zu 510 PS starken Alfa Romeo Stelvio das Feld der Höchstleistungs-SUV für sich. Im kommenden Jahr steht der SUV bei den Händlern. Im April kommt der zunächst der 280 PS starke Stelvio. Nach den Sommerferien folgt dann der 510 PS starke Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio. Alfa-Fans auf der ganzen Welt sind jetzt schon gespannt, wie sich dieser Sport-SUV auf der Straße schlägt.

 

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Alfa Romeo Stelvio

Foto: Alfa Romeo


1 Comment

  1. Super informativer Beitrag. Ich bin gespannt wie sich der SUV entwickelt bzw ankommt.

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