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Ein Italiener kommt nicht aus Japan

Alfa Romeo Spider Duetto (1966-1968)

Eine Nachricht der zurückliegenden Woche musste sich offensichtlich erstmal setzen, bis man als Auto Native das wirklich kommentieren kann. FIAT wird den neuen Alfa Romeo Spider tatsächlich bei Mazda einkaufen. Bereits im Mai 2012 gab es eine entsprechende Ankündigung. Jetzt folgte die endgültige Bestätigung. Der neue Alfa Spider wird ein modifizierter Mazda MX-5.

Der geneigte Leser wird jetzt sicherlich anmerken, Kooperationen sind in der Autoindustrie nicht ungewöhnlich. Auf der Suche nach Skaleneffekten kauft man gern mal einen Motor ein oder tauscht gleich ganze Modelle aus. Bei Bedarf auch über die Grenzen der üblichen Konzernstrukturen hinaus. Bereits vor rund 40 Jahren nahmen Peugeot, Renault und Volvo die Produktion eines gemeinsam entwickelten V6-Motors auf. In den 1980er-Jahren basierten der Saab 9000, der Fiat Croma, der Lancia Thema und der Alfa Romeo 164 auf einer „Tipo 4“ genannten Gemeinschaftsplattform.

Mitte der 1990er-Jahre spannten dann selbst Größen wie Volkswagen und Ford zusammen, um mit dem Sharan bzw. dem Galaxy einen Van anbieten zu können. BMW bezog bei der Neuauflage des Minis 2001 seine Motoren von Chrysler und verbaut heute im Mini Motoren, die von PSA gefertigt werden. Der Käufer bekommt solche Kooperationen oftmals nur mit, wenn er sich wirklich für Autos interessiert. Bei der Auswahl ihrer Partner achten die beteiligten Unternehmen in der Regel darauf, dass die Kunden von der Kooperation nicht allzu verwirrt werden.

Bei der endgültigen Bestätigung, dass die FIAT-Tochter Alfa Romeo den nächsten Spider in Japan einkaufen wird, ist das nicht der Fall. Denn wenn zwei Autos in meinen Augen nicht zusammenpassen, dann sind das der Mazda MX-5 und der Alfa Romeo Spider. Für mich fügt man hier zusammen, was nicht zusammenpasst! Da muss ich ganz eindeutig dem Kommentar des Kollegen Björn Habegger von mein-auto-blog.de widersprechen. Das liegt auch an der unterschiedlichen Geschichte der beiden Fahrzeuge.

Cockpit im Alfa Romeo Spider von 1989

Ok, auch Alfa Romeo kann Plastik, aber Plastik mit Charme – Cockpit im Alfa Romeo Spider von 1989 (Foto: Fiat Deutschland)

Mazda MX-5 und Alfa Romeo Spider – Plastik trifft Charme

Als Mazda den MX-5 1989 der Öffentlichkeit vorstellte, war der Alfa schon ein Klassiker. Dazu trug auch bei, dass der Spider mit einem Auftritt in der Reifeprüfung Bestandteil der Filmgeschichte wurde. Mit diesem Auftritt wurde der ab 1966 angebotene Alfa auf einen Schlag weltbekannt. In den folgenden Jahren verkörperte kaum ein Auto mehr Dolce Vita als der schließlich 27 Jahre lang nur sanft gepflegte Italiener. Erst 1994 stellte Alfa mit dem intern Spider 916 genannten Modell einen neuen Spider vor, der trotz seines Frontantriebs genügend Eigenständigkeit bewahrte, um als echter Alfa zu gelten.

Im Vergleich dazu versprüht der Mazda MX-5 den Charme eines Plastikbombers. Das erste Modell orientierte sich offensichtlich an der britischen Roadster-Tradition des Lotus Elan. Doch während das Vorbild dank einer britischen TV-Serie mit der coolen Emma Peel verbunden wurde, stand der Mazda bald überwiegend vor Diskotheken, die gern von schlecht gefärbten Miezen besucht wurden. Seit 2005 teilt sich der MX-5 die Plattform mit seinem Bruder RX-8. Mit 18“ großen Rädern sieht der aktuelle MX-5 daher immer ein bisschen wie ein Spielzeugauto aus.

Gegensätzlicher als der MX-5 und der Alfa Spider können auch ähnliche Autos kaum sein. Trotzdem wird die Neuauflage des zweisitzigen Roadster-Klassikers auf der nächsten Generation des MX-5 aufbauen, die 2014 in den Handel kommen wird. Beide Fahrzeuge sollen im Mazda-Werk in Hiroshima gebaut werden. Auch wenn das Konzept vielleicht wirtschaftlich erfolgreich sein sollte, wird der neue Spider einfach kein Alfa sein. Auch die Rückkehr zum klassischen Heckantrieb, der 1994 aus dem Spider verschwunden ist, und der Einbau „eigener“ Motoren werden nicht verstecken können, dass ein echter Italiener einfach nicht aus Japan kommen kann.

7 Kommentare

  1. Alfa Romeo (bzw. Fiat) hat eben momentan kein Geld für einen eigenen Roadster und der MX-5 ist doch beim Thema Fahrspass gar nicht sooo schlecht. Es fehlt ein gutes Design und im Innenraum etwas … OK, OK VIEL Liebe zum Detail.

    Aber mit „japanischer Verarbeitung“ UND „italienischem Design“ kann da etwas ganz brauchbares bei rauskommen.

    Mazda will ja auch -wie Honda- so etwas wie ein japanischer Volks-BMW sein, also sportlich und bezahlbar.
    Wenn man jetzt die guten Gene und das gute Fahrwerk mit ital. Flair kombiniert und dem Alfa bei einem etwa 2. bis 3.000,-€ höherem Preis auch deutlich besseren Kunststoff und Poltrona Frau Leder spendiert (bei innen wie aussen komplett eigenständigem Design) bekommt der Kunde das „Beste aus 2 Welten“.

    Sollte der Alfa leider nur ein sehr billiger MX-5 Ableger werden (ohne gutes Design und top Materialien), dann sehe ich auch schwarz für das Modell und evtl. die ganze Marke.

    PS: Wir fahren einen Alfa 159 und warten auf einen würdigen Nachfolger ….. aber bestimmt nicht auf einen Italo-Dodge !!!

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