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Audi A6, Modelljahr 2015 – Schönheitsoperation unter dem Blech

Der neue Audi A6 wirkt wie der Alte: gediegen und solide. (Foto: Audi)

Audi hat den A6 aktualisiert, in Ingolstadt heißt dieser Vorgang „Modellaufwertung“. Nach drei Jahren Laufzeit ist das üblich. Trotzdem ist die Aktualisierung des Audi A6 ein Sonderfall. Denn optisch hat sich der neue Modelljahrgang nur wenig verändert. Die Änderungen gehen hauptsächlich unter das Blech, betreffen neue Motoren und die Hardwareausstattung des Infotainment-Systems.

Optisch sah Audi bei seinem Modell der oberen Mittelklasse wohl kein weiteres Optimierungspotential. Dahinter steckt vermutlich Kalkül. Der A6 ist ein klassisches Firmenauto. Fast 85 Prozent der Neuzulassungen gehen in Deutschland auf das Konto gewerblicher Halter. Und Firmenfuhrparks kennen oft eine klare Hierarchie. Der Audi A4 ist da das Auto der Gruppen- oder Teamleiter. Die Vorstände lassen sich im Audi A8 fahren. Dazwischen steht der Audi A6 als das typische Auto für die Prokuristen und Generalbevollmächtigten. Die gelten in vielen Unternehmen als die Wächter des Systems und stehen für eine besondere Verlässlichkeit. Kein Wunder, dass Audi bei dieser besonderen Klientel auf Beständigkeit setzt.

Unter diesen Vorzeichen wirkt die Einführung des 1,8 TFSI-Motors im Audi A6 fast schon wie eine Revolution. Zwei Liter galten bisher in dieser Klasse als angemessene Einstiegsmotorisierung. Doch trotz des um 200 Kubikzentimeter reduzierten Hubraums übertrumpft der neue Motor seinen Vorgänger um zehn PS. Das schmälert die Angst vor dem automobilen Abstieg. 190 PS stehen im kleinsten A6 jetzt zur Verfügung. Beim Drehmoment liegen der Vorgänger und der aktuelle Motor gleichauf. Der 1.798 Kubikzentimeter große Neue stemmt die 320 Newtonmeter jedoch eher und länger auf die Kurbelwelle. Es liegt jetzt konstant zwischen 1.400 und 4.100 Umdrehungen pro Minute an. Der Zweiliter benötigte 100 Umdrehungen mehr, um auf diesen Wert zu kommen. Und er verlies den Maximalwert auch schon bei 3.900 Umdrehungen.

Auf der Straße bewährt sich der neue Audi A6 1,8 TFSI-Motor

Das sind Nuancen. Viel wichtiger für Audi ist, dass der neue Motor – wie jetzt alle A6-Motoren – die Euro-6-Norm erfüllt und sparsamer als der Vorgänger ist. Der Normverbrauch liegt bei 5,7 Litern. Das entspricht einer CO2-Emission von 133 Gramm pro Kilometer. Der „Vorgänger“ emittierte noch bei 149 Gramm pro Kilometer. Mit seiner dualen Einspritzung in den Brennraum und in das Saugrohr sowie dem in den Zylinderkopf integrierten Abgaskrümmer weist der Motor einige interessante Details auf. Der Verzicht auf einen klassischen Abgaskrümmer sorgt für eine Gewichtsersparnis. Dazu senkt diese Bauweise die Abgastemperaturen, wodurch sich die Abgasqualität und der Verbrauch verbessern.

Der 1.8 TFSI von Audi ist jetzt auch im Audi A6 verfügbar. (Foto: Audi)

Der 1.8 TFSI von Audi ist jetzt auch im Audi A6 verfügbar. (Foto: Audi)

Abgerechnet wird auf der Straße. Beim Kunden zählt am Ende der subjektive Eindruck der Probefahrt. Audi versteht sein Handwerk, denn der spricht genauso wie die Leistungsdaten für den neuen Motor. Auf einer kurzen ersten Probefahrt meistert der Audi A6 1,8 TFSI alle an ihn gestellten Aufgaben ohne Probleme. Bei Bedarf kann er auch 233 Kilometer pro Stunde schnell sein. Ich konnte das mangels Zeit nicht ausprobieren. Trotzdem blieb bei mir der Eindruck zurück, dass der neue Motor im „Grundmodell“ des A6 ein Beispiel für sinnvolles Downsizing ist. Wobei die Vokabel „Grundmodell“ im Zusammenhang mit dem Audi A6 angesichts des Gebotenen gar nicht so leicht in die Tasten fließt.

Getriebe 2015 – Doppelkupplung statt stufenlos

Verabschiedet hat sich Audi im A6 vom stufenlosen Getriebe. Die multitronic wirkte auf viele Tester immer etwas träge. Zum neuen Modelljahr ist sie im Audi A6 nun nicht mehr verfügbar. Wer Automatik fahren will, der kann in allen Motorvarianten auf ein Doppelkupplungsgetriebe zurückgreifen. Neu ist – zumindest im A6 Avant 2.0 TDI ultra mit 140 kW (190 PS) – die Serienfertigung der Schraubenfedern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Auch sie senken das Fahrzeuggewicht um zirka 4,4 Kilogramm.

Mit der GFK Feder senkt Audi das Gewicht - zumindest in einem Modell.

Mit der GFK Feder senkt Audi das Gewicht – zumindest im A6 Avant 2.0 TDI ultra mit 140 kW (190 PS).

Gefallen hat mir das optionale Head-up-Display. Es projiziert Navigationshinweise oder Verkehrszeichen in Farbe auf die Windschutzscheibe. Dort erscheinen sie etwa auf Höhe des Scheinwerfers vor dem Fahrer. Das funktioniert selbst bei einem Sitzriesen wie mir und erweist sich schnell als echter Komfortgewinn. Von der optionalen Massagefunktion der Sitze kann ich das nicht behaupten. Nach der ersten Welle verzichte ich auf eine weitere Aktivierung der zehn Luftkammern, die mit unterschiedlichen Programmen den Rücken verwöhnen. Ich brauche das nicht.

Im Infotainment-System gibt jetzt der Tegra-30-Prozessor von Nvidia den Takt vor. Stammleser unseres Auto-Blogs kennen diesen Vierkern-Chip bereits aus dem neuen Audi TT. Damit hat sich die Rechenleistung des Infotainment-Systems zum neuen Modelljahr ungefähr verdoppelt. Audi nutzt das, um die jetzt größeren Bildschirme mit aufwendigeren Animationen zu füllen. Das ist nett und funktioniert bei Audi wie gewohnt zuverlässig. Womit sich der Kreis hervorragend schließt. Denn Verlässlichkeit gilt ja auch als Merkmal der typischen Kunden des Audi A6.


Der neue Audi A6 wirkt wie der Alte: gediegen und solide. (Foto: Audi)Infos zum Titelbild:
Der neue Audi A6 wirkt wie der Alte: gediegen und solide. (Foto: Audi)
Der neue Audi A6 wirkt wie der Alte: gediegen und solide. (Foto: Audi)
 

4 Kommentare

  1. Schick ist er nach wie vor, keine Frage. Aber ich empfinde schon den 2L TFSI im A6 als zu kleinen Motor (genauso im A5), und jetzt nochmal 0,2L Hubraum weniger. Die Autos strahlen soviel „Power“ aus – und dann stecken solche Motörchen drin. Dann lieber die 2L TDIs verbauen für die, die sparsam unterwegs sein wollen. Dieses ständige Downsizing ist echt ätzend. Geht doch nur wieder auf die Haltbarkeit.

    • Vor dem Fahren habe ich auch gedacht, dass der Motor zu klein sei. Nach dem Fahren bin ich anderer Meinung. Denn beim Fahren merkst Du absolut keinen Unterschied. Fürchte, am Trend Downsizing geht nichts vorbei. Womit sich die Frage der Haltbarkeit natürlich stellt. Da bin ich mal auf die Dauertests über 100.000 Kilometer gespannt.

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