Bei den Stichworten Renault, Oldtimer und Youngtimer denken viele vermutlich an die Kleinwagen Renault 4 und Renault 5 oder die Sportwagen von Alpine. Wer etwas mehr über die Renault-Geschichte weiß, der erinnert sich vielleicht an den Renault 4CV oder dessen Nachfolger Renault Dauphine. Den Renault 19 nennen wahrscheinlich nur sehr Wenige. Dabei war der 1988 vorgestellte R19 eines der erfolgreichsten Autos des französischen Autobauers.

Denn bis 1995 verkaufte Renault mehr als 3,2 Millionen Exemplare des kompakten R19. Mehr als 460.000 davon kamen in Deutschland auf die Straße. Dafür verantwortlich war, dass der Renault 19 beim Debüt ein modernes Auto war. Renault investierte vor dem Serienanlauf rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung des Autos. Für die Gestaltung engagierte Renault den italienischen Stardesigner Giorgio Giugiaro.

Die Karosserie des Renault 19 stammt von italienischen Stardesigner Girogetto Giugiaro.
Die Karosserie des Renault 19 stammt von italienischen Stardesigner Giorgio Giugiaro. (Foto: Renault)

Der Großmeister des Kfz-Designs konzipierte eine schnörkellose und aerodynamisch ausgefeilte Karosserie mit leichter Keilform. Renault bestückte die Karossiere des R19 mit vergleichsweise durchzugsstarken und – für die Zeit – sparsamen Motoren. Das kleinste Modell hatte einen 1,4 Liter großen und 60 PS starken Benzin-Motor. Daneben gab es beim Debüt weitere Benziner mit 80 PS (ebenfalls 1,4 Liter) und 92 PS (1,7 Liter) sowie einen 64 PS starken Saugdiesel. 

Ab 1990 bot Renault auch einen 135 PS starken Renault 19 16V an. Das galt damals als „Hot hatch“ und nahm VW Golf GTI und Kadett GSi ins Visier. Im Innenraum überzeugte der R19 mit einer asymmetrisch umklappbaren Lehne der Rückbank. Das war vor 30 Jahren noch eine echte Rarität. Alles zusammen lies die kantigen Vorgänger R9 beziehungsweise R11 sofort alt aussehen. Doch auch im Vergleich zu den Wettbewerbern zog sich der Renault 19 achtbar aus der Affäre.

Der R19 war in Deutschland lange das Importauto Nummer eins

Dabei half dem Franzosen, dass er in der Kompaktklasse zunächst auf durchweg ältere Konstruktionen traf. Der Golf II war, als der R19 im Januar 1989 nach Deutschland kam, schon seit mehr als fünf Jahren auf dem Markt. Den Opel Kadett E bot Opel auch schon seit dem Herbst 1984 an. Nur bei Fiat gab es mit dem Fiat Tipo ein ähnlich junges Modell im Angebot. Für die Renault-Händler brachen mit dem Debüt des Renault 19 gute Zeiten an.

Asymmetrisch umklappbare Rücksitzbank des Renault 19 – das war 1988 eine Innovation.
Asymmetrisch umklappbare Rücksitzbank des Renault 19 – das war 1988 eine Innovation. (Foto: Renault)

Das galt übrigens besonders in den – damals – neuen Bundesländern. Denn dort verkaufte sich der R19 zeitweise besser als der VW Golf. Im Osten war der R19 hinter dem Opel Kadett die Nummer zwei. Die Bürger in der ehemaligen „DDR“ hatten offensichtlich weniger Vorbehalte gegenüber dem Franzosen als die „Wessis“. Wobei die Bürger zwischen Elbe und Oder die Stufenheckversion Chamade bevorzugten. Im Westen verkaufte sich die Standard-Version besser.

Als Renault 1991 in Zusammenarbeit mit Karmann auch ein Cabriolet des R19 anbot, war die Erfolgsgeschichte komplett. Von 1990 bis 1994 war der R19 das meistverkaufte Importauto in Deutschland. Besonders 1991 und 1992 waren für Renault-Händler gute Jahre. Denn damals verkaufte sie in Deutschland jeweils fast 100.000 Exemplare des kompakten Franzosen. Scheint so, als ob Renault damals mit dem R19 den Nerv der deutschen Kunden traf.

Ab 1990 gab es auch bei Renault einen 16V.
Ab 1990 gab es auch bei Renault einen 16V. Mit dem 135 PS starken R19 16V forderte Renault VW und Opel heraus. (Foto: Renault)

Doch das Imperium aus Wolfsburg schlug im Herbst 1991 mit dem Golf III zurück. In Rüsselsheim trat der Astra die Nachfolge des Kadett E an. Renault reagiert 1992 mit einem umfangreichen Facelift und hielt das Interesse am kompakten R19 damit weiter hoch. So stelle Renault 1992 die Motoren-Palette vollständig um. Damit blieb der Renault 19 bis 1994 das erfolgreiche Importauto auf deutschen Straßen.

Mit der Umweltprämie verschwand der R19 endgültig von unseren Straßen

Dabei half Renault auch ein Crashtest-Vergleich der Zeitschrift „auto, motor und sport“. Denn im Offset-Crashtest mit 50 % Überdeckung und einer Aufprallgeschwindigkeit von 55 km/h erzielt der Franzose ein achtbares Ergebnis. Denn hinter dem Golf III und dem Astra F wurde der R19 Dritter. Damit verwies der Renault Fahrzeuge wie den Citroën ZX, den Seat Toledo, den Ford Escort ’91 oder den Fiat Tipo auf die Plätze. Das sprach sicherheitsbewusste Kunden an.

Cockpit des Renault 19
Cockpit des Renault 19 – pure Sachlichkeit der späten 1980er-Jahre (Foto: Renault)

Im Herbst 1995 trat der Renault Mégane in Europa die Nachfolge des R19 an. Nur das Cabrio, das fortan schlicht Renault Cabrio hieß, blieb in Europa noch zwei Jahre länger im Programm. Heute ist der R19 bei uns kaum noch im Straßenbild anzutreten. Dabei spielt auch eine Rolle, dass 2009/2010 im Rahmen der Umweltprämie rund 13.300 Exemplare des R19 in der Schrottpresse landeten.

 

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Frontansicht des Renault 19

Foto: Renault