Unter dem Titel „Beyond Victory with Nico Rosberg“ startete der ehemalige Formel-1-Weltmeister vor ein paar Tagen ein eigenes Podcast-Angebot. Ich habe mir die erste Ausgabe angehört.

Nico Rosberg war am Lenkrad ein Profi. Doch der in Wiesbaden geborene ehemalige Rennfahrer hat offensichtlich viele Talente. In den Anfangstagen seiner Karriere trat Rosberg regelmäßig im TV-Sender Viva auf. Heute bereitet der Formel-1-Weltmeister von 2016 als TV-Experte regelmäßig das Renngeschehen für die Zuschauer auf. Insofern geht Nico Rosberg inzwischen längst als Medienprofi durch.

Das passt, dass Rosberg jetzt mit „Beyond Victory with Nico Rosberg“ einen eigenen Podcast startet. In loser Folge will Rosberg mit ausgewählten Gesprächspartnern über die Welt des Motorsports hinausblicken. In der ersten Ausgabe führt Rosberg ein Gespräch mit Bernie Ecclestone. Das ist durchaus unterhaltsam. Der ehemalige Ex-Formel-1-Zampano beweist auch in diesem Interview mal wieder, dass er in vielen Punkten sehr spezielle Ansichten hat.

Ecclestone sagt, was er denkt!

Denn dem Briten ist es mal wieder völlig egal, was andere über ihn denken. Ecclestone nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch wenn der langjährige Geschäftsführer der Formel 1 inzwischen im Ruhestand ist, Ecclestone hat den Kontakt zur Szene noch nicht völlig verloren. Für Mercedes-Rennleiter Toto Wolff ist der Brite der Einzige, der am anderen Ende der Welt sitzen und eine Handgranate werfen kann, die dann im Fahrerlager detoniert.

Kein Wunder, denn Ecclestone prägte fast 50 Jahre das Geschehen in der Königsklasse des Motorsports. Ende der 1950er-Jahre versuchte sich der Brite selbst als Rennfahrer. Später war ehemalige Gebrauchtwagen-Händler eng mit Jochen Rindt befreundet. Nach dem Unfalltod des Österreichers blieb Ecclestone der Szene treu und kaufte das Brabham-Team. Das veränderte die Königsklasse des Motorsports.

Denn Ecclestone erkannte schnell, dass das meiste Geld bei den Veranstaltern hängenblieb. Für die Teams fielen nur ein paar Krümel des Kuchens ab. Der Brite versprach den Teams, um in diesem Bild zu bleiben, an die Sahne zu kommen. Unter der Führung von Ecclestone entstand mit der FOCA die Vereinigung der Formel-1-Teams, die sich Anfang der 1980er-Jahre mit der damaligen Motorsport-Hoheit FISA anlegte.

Das funktionierte besser als gedacht. Denn mit den Teams im Rücken übernahm der Brite schnell den ganzen Kuchen und vermehrte den Kuchen rasant. Selbst der in den 1980er-Jahren weitverbreitete Hermann-Teig wuchs nicht mit dieser Geschwindigkeit. Über die Lebensleistung von Bernie Ecclestone, der im Oktober seinen 88. Geburtstag feiert, gibt es keine Zweifel. Doch inzwischen haben andere das Sagen im Grid.

Game over, Bernie? Nicht so ganz!

Ein amerikanisches Konsortium übernahm die kommerziellen Rechte an der Königsklasse. Die neuen Inhaber setzten Bernie Ecclestone den Stuhl vor die Tür. Der Brite lehnte das Angebot, als Alterspräsident gute Miene zum bösen Spiel zu machen, ab und zog sich zurück. Trotzdem ist der Brite natürlich bis heute in der Welt des Motorsports bestens vernetzt. Ecclestone weiß ganz genau, was sich hinter den Kulissen tut.

Das wird auch in dem fast 40 Minuten langen Gespräch, das Nico Rosberg mit dem Briten führt, deutlich. Ecclestone hält Fernando Alonso für einen großartigen Fahrer, dem jedoch soziale Kompetenzen fehlen. Besonders intensiv beschäftigt sich Ecclestone im Gespräch mit Rosberg mit Max Verstappen, der – wie Ecclestone sagt – seht „speziell“ sei. Deshalb sieht der Brite auf absehbare Zeit Verstappen auch nicht in einem Top-Team. 

In der laufenden Saison hält Ecclestone den Ferrari für das bessere Auto. Deshalb setzt der Brite darauf, dass am Ende der laufenden Saison Sebastian Vettel Formel-1-Weltmeister wird. Nico Rosberg widerspricht an dieser Stelle heftig. Übrigens nicht nur hier. Denn auch bei den Themen MotoGP und Formel E, die Ecclestone und Rosberg in ihrem Gespräch streifen, offenbaren Interviewer und Gast unterschiedliche Meinungen.

Im Laufe des Gesprächs schlagen Rosberg und Ecclestone übrigens einen weiten Bogen durch das Weltgeschehen. Ausführlich sprechen Beide über Erfolg und Motivation. Zudem verlassen sie zeitweise die Welt des Motorsports und wenden sich Alltag und Politik zu. Dabei dreht sich das Gespräch genauso um Hallo Kitty wie um Nelson Mandela und Donald Trump. Etwas befremdlich wirkt, dass Bernie Ecclestone den US-Präsidenten dabei als das Beste bezeichnet, was der Welt in der jüngeren Vergangenheit passiert sei.

Trotzdem ist die erste Ausgabe des Podcast „Beyond Victory with Nico Rosberg“ hörenswert. Denn der Moderator Nico Rosberg versteht es geschickt, mit Ecclestone einen Dialog zu führen. Immer wieder sind Interviewer und Gast unterschiedlicher Meinung. Das macht die erste Ausgabe hörenswert.

 


Der Podcast „Beyond Victory with Nico Rosberg“ ist auch zum Hören herunterzuladen. Sucht einfach in Eurem bevorzugten Podcatcher nach Nico Rosberg.

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Tamara Ecclestone, Arturo Merzario, Niki Lauda und Bernie Ecclestone im Grid. (Foto: Porsche)

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