Über den Sinn und Unsinn von Elektroautos lässt sich hervorragend streiten. Theoretisch finden die Kunden die Autos toll. Trotzdem entscheidet sich immer noch nur eine sehr kleine Minorität für ein Elektroauto. Vom Ziel der Bundesregierung, die im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschland Straßen sehen möchte, ist der Markt weit entfernt. Von Januar bis November 2014 lag der Anteil von Elektrofahrzeugen bei den Neuzulassungen unter 0,3 Prozent. Daimler-Chef Dieter Zetsche wies in einem Interview kürzlich darauf hin, dass zum Erreichen des Ziels der Bundesregierung rund 980.000 Fahrzeuge fehlen.

Warum entscheiden sich die Kunden gegen Elektromobilität?

Auf der Suche nach Antworten enden Benzingespräche oft beim Aussehen. Es gibt die Fraktion, die die Idee Elektroauto richtig findet, aber ihre Entscheidung nicht mit einem besonderen Fahrzeugdesign wie beim Mitsubishi i-MiEV oder BMW i3 nach außen dokumentieren will. Sie widerlegt, dass auch „normale“ Angebote wie der VW e-Golf oder der smart fortwo electric drive bisher nur Nischenprodukte sind.

Hinzu kommt, gerade die nachträglich elektrifizierten Fahrzeuge müssen sich dem Vergleich mit ihren „normalen“ Brüdern stellen. Eine reduzierte Zuladung, Reichweiten von 200 Kilometern und lange Ladezeiten empfinden die Kunden einfach nicht als alltagstauglich. Mit Hybridfahrzeugen wie dem Toyota Prius oder dem Audi e-tron hat die Industrie auch dafür eine passende Antwort gefunden. Doch auch hier bleiben die Stückzahlen bisher moderat.

Gleichzeitig fordert die Industrie zurzeit mehr Unterstützung von der Bundesregierung. Sie soll, um das Ziel der Elektro-Million zu erreichen, Elektroautos steuerlich mehr als bisher fördern. Aktuell sind Elektrofahrzeuge „nur“ zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. In Zukunft sollen sie auch von Sonderparkplätzen, günstigeren Parkgebühren und einer Fahrerlaubnis für Busspuren profitieren. Die Industrie wünscht sich dazu auch eine Kaufprämie, ähnlich wie die Abwrackprämie vor einigen Jahren.

Die Industrie hat gute Gründe für den Wunsch einer Elektroauto-Förderung!

Denn mit so einer Prämie würde die Wirtschaftlichkeit von Elektrofahrzeugen für den Käufer verbessern. Der ADAC verglich für seinen aktuelle Studie die Kosten pro Kilometer. Dabei blieb die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos teilweise deutlich hinter der Wirtschaftlichkeit vergleichbarer Benzin- und Diesel-Fahrzeuge zurück. Im aktuellen ADAC Autokostenvergleich schaffte es mit dem BMW i3 nur ein einziges Elektroauto sein konventionelles Gegenstück bei den Kosten abzuhängen.

Gegenüber einem in Ausstattung und Leistung vergleichbaren 1er-Benziner von BMW (55,4 Cent) ist das E-Mobil aus München um 3,1 Cent günstiger pro Kilometer unterwegs. Selbst im Vergleich zu einem 1er mit Dieselmotor schlägt sich der i3 achtbar. Beide Konzepte kosten den Autofahrer 52,3 Cent pro Kilometer. Dies ist möglich, weil der Anschaffungspreis des i3 und des BMW 1er auf einem Niveau liegen. Möglicherweise ist der Erfolg des i3 ein Indiz dafür, dass eine reine Elektrokonstruktion Kostenvorteile bietet.

Und wie sieht das bei der Elektroauto-Konkurrenz aus?

Sie belasten nicht nur meistens, sondern deutlich das Portmonee des Autofahrers. Der VW e-Golf ist mit 54,1 Cent pro Kilometer bereits um 5,5 Cent pro Kilometer teurer als das vergleichbare Benzinmodell. Trotzdem fährt der Wolfsburger damit immer noch auf den zweiten Platz der ADAC-Studie. Denn prozentual schlägt sich auch der e-Golf durchaus achtbar. Offensichtlich ist der Aufpreis der Elektrotechnik bisher ein deutlicher Schluck aus der Pulle.

Das dokumentieren besonders die Kleinwagen. Denn (scheinbar) kostengünstige Elektrovertreter wie der smart fortwo coupe electric drive (alte Baureihe) mit 43,0 Cent pro Kilometer, der Renault Zoe Z.E. Life mit 43,9 Cent oder der VW e up! mit 45,7 Cent verlangen rund 13 Cent pro Kilometer mehr als ihre Brüder mit Verbrennungsmotor. Der Trend ist eindeutig. Elektroautos sind ein teures Vergnügen, das man sich leisten können muss.

Gut möglich, dass die Kunden deshalb Elektroautos bisher weitestgehend ignorieren. Ob allerdings eine steuerliche Förderung tatsächlich das Problem lösen würde, ist meiner Meinung nach mehr als fraglich. Denn auch die technischen Vorbehalte schrecken einfach zu viele Kunden ab. Daher glaube ich, dass das Elektroauto nur mit einer Brennstoffzelle als Energiequelle funktioniert.

 

 

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