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Ein bisschen Audi ist überall – Worte am Sonntag, Wochenrückblick #20-2014

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Peter Ruch weiß zu unterhalten. Der Schweizer versteht es, eine Botschaft öffentlichkeitswirksam rüberzubringen. In einem offenen Brief wirft Ruch Audi-Chef Rupert Stadler vor, dass der TT emotionslos sei. Audi wäre, so der Journalist, Perfektion und Gewinnmaximierung wichtiger als der Bau eines aufregenden Autos. Als Konterpart sieht Peter Ruch den Alfa Romeo 4C.

Doch liegt Peter Ruch damit richtig? Diese Frage wird seit der Veröffentlichung seines Blogbeitrags in vielen Online-Foren teilweise leidenschaftlich diskutiert. Sie beschäftigt natürlich auch andere Auto-Blogger wie Peter Groschupf. Der widerspricht Peter Ruch, hält den Text von Ruch in Strecken für Populismus. Dabei ist das, was Peter Ruch schreibt, in weiten Teilen richtig.

Aber ist das wirklich nur ein Problem von Audi? Ich denke, NEIN!

Peter Ruch hätte seinen offenen Brief auch an die Chefs von BMW oder Mercedes richten können. Denn wann gab es den letzten aufregenden BMW? Immerhin entstehen im Reich von Norbert Reithofer zurzeit mit den Typen i3 und i8 zwei interessante Fahrzeuge, die die Zukunft in Teilen zur Gegenwart machen.

Doch richtig Emotionen wecken auch diese Fahrzeuge auch nicht. Und ein aktueller M3 – ach ne, das Coupé heißt ja jetzt M4 – ist ein aufregendes Auto. Doch mit einem Preis von mehr als 72.000 Euro ist das 431 PS starke Coupé deutlich teuer als der Alfa Romeo 4C.

Bei Mercedes hat der SLS das Zeug zur Legende. Mit seinem wunderbar klingenden Motor wird der Sportwagen eines Tages als das technische Finale des Verbrennungszeitalters in den Geschichtsbüchern stehen. Aber in der Welt von Mercedes-Chef Dieter Zetsche kostete der SLS am Ende rund 225.000 Euro.

Das ist eine Menge Holz. Dafür gibt es, wenn man sie denn bekommt, gleich vier Alfa Romeo 4C. Die klingen – zusammen – auch nicht schlecht und machen zudem jede Menge Spaß. Genauso wie die mehr als 20.000 Euro Benzingeld, die die Haushaltskasse nach dem Verzicht auf dem SLS und den Kauf von vier 4C noch hergibt.

Mangelware bezahlbare Sportwagen

Bis in die 1970er waren bezahlbare Sportwagen ein typisches Betätigungsfeld der britischen Autobauer. Aber Triumph und MG sind längst Geschichte. Gescheitert an der Pannenstatistik. Der Triumph Spitfire galt am Ende als das schlechteste Auto seiner Zeit. Die Gummiboote von MG wurden im Laufe der Jahre immer unansehnlicher. Wegen ihrer Unzuverlässigkeit und ihrer Schrulligkeit ließen die Kunden die Briten links liegen. Heute, im Rückspiegel der Zeit lieben wir sie trotzdem – oder vielleicht sogar deswegen.

Später kamen die günstigen Sportgeräte aus Japan. Toyota MR2 aber auch die Toyota Corolla AE86 boten in den 1980er-Jahren Fahrspaß für immer noch überschaubares Geld. Heute kostet eine Lotus Elise in Deutschland neu schon rund 35.000 Euro. Der BMW Z4 spielt preislich in der gleichen Liga. Wer heute einen neuen Sportwagen für weniger als 25.000 Euro sucht, der wird nur beim Mazda MX5 fündig.

Mutige Fahrzeuge sind selten geworden!

Das ist für mich das eigentliche Dilemma. Mutige Modelle sind Fehlanzeige. Das beschränkt sich keinesfalls nur auf Sportwagen. Wer erinnert sich noch an den Schneewittchensarg von Volvo oder den ersten Touring von BMW. Ein ähnlich kultiger Lademeister ist heute nicht verfügbar. Ein Auto wird nicht automatisch aufregend, nur weil es statt „Plus“ jetzt „Sportsvan“ heißt. Obwohl manchmal der Eindruck vorherrscht, dass dies in der Autoindustrie angenommen wird.

Dabei sind die Voraussetzungen besser als je zu vor. Denn praktisch alle erfolgreichen Hersteller vertrauen heute auf Baukastensysteme. Das soll grundsätzlich auch Kleinserien wirtschaftlich möglich machen. Doch in Zeiten, wo Unternehmenserfolg sekündlich an der Börse bewertet wird, will niemand das Risiko eines Misserfolgs eingehen. Am Ende der Kette schlägt diese Angst sogar zu einer Konzerntochter wie Audi durch.

Wer will schon dafür verantwortlich sein, dass die Anleger weiterziehen?

Denn Börsenanleger sind ein nervöses Volk. Früher kauften sie Aktien, um einmal im Jahr mit der Dividende Zinsen für ihr Kapital zu kassieren. Heute reicht das alleine nicht mehr. Zu den Dividenden verlangen Anleger zusätzlich stetige Kursgewinne.

Die erfordern im Takt der Quartalsberichte, die die Vorstände der Unternehmen für die Kapitalanleger anfertigen, gute Nachrichten. Wenn die guten Nachrichten ausbleiben, ziehen die Anleger mit ihrem Geld weiter. Und so bremsen mögliche Kursverluste an der Börse automobile Emotionen.

Es sei denn, man macht sie zum Kalkül!

Denn bei Fiat sind die Emotionen, die der Alfa Romeo 4C weckt, zurzeit die gute Nachricht. Das gefällt mir, vielleicht sollte ich Fiat-Aktien kaufen. Oder einfach von „besseren“ und „aufregenderen“ Autos träumen – auch wenn Menschen wie Peter Groschupf das vermutlich nicht verstehen.



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Unser Wochenrückblick „Worte am Sonntag“ nimmt die zurückliegende Woche in den Rückspiegel.

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3 Kommentare

  1. Alessio

    Endlich mal jemand der es auf den Punkt bringt!
    Vielen Dank für diesen Beitrag!

    Schade nur das Alfa für den 4C bisher nur wenig Werbung gemacht hat und der Wagen in Deutschland wohl in der Massenware untergehen wird… :-(

    Ich kann daher nur an jeden heutigen Neuwagen-Käufer appelieren Mut zu beweisen!
    Denn leider – man sieht es ja – verkauft sich der derzeit produzierte überteuerte Einheitsbrei wunderbar..
    Und erst wenn sich das ändert und die Hersteller zum umdenken gezwungen sind wird der Weg wieder frei für etwas neues!

  2. Alexander

    Mir ist der 4C viel zu niedrig, ist aber ein sehr schönes Auto. Man könnte eigentlich dieses Auto auch als SUV bauen:

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