Kalaschnikow stellt in Moskau das Elektroauto Kalaschnikow CV-1 vor. Klingt ungewöhnlich, denn natürlich ist der Name Kalaschnikow fest mit dem Sturmgewehr AK-47 verbunden. Dabei baut der Hersteller des Sturmgewehrs bereits seit mehr als 50 Jahren auch Autos.Vom  Sturmgewehr AK-47 (AK  Awtomat Kalaschnikowa) entstanden bis heute rund 100 Millionen Exemplare. Rund 60 Armeen sowie die Truppen zahlreicher Warlords und Kriegsherren nutzen das Sturmgewehr. Das zuverlässige AK-47 wurde in fast jedem bewaffneten Konflikt nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Länder wie Mosambik, Simbabwe und Osttimor verewigten die Waffe sogar auf offiziellen Länder-Flaggen oder Staats-Wappen.

Deshalb gilt das AK-47 als der größte Exportschlager Russlands. Das von Michail Kalaschnikow konstruierte AK-47 stammt aus den IschMasch-Werken in Ischewsk. Dieses Unternehmen gibt es seit dem frühen 19. Jahrhundert. Die Gründung geht auf Zar Alexander I zurück, der während der Napoleonischen Kriege 1807 den Bau einer Eisengießerei im mittleren Ural anwies. Fortan entstand ein Großteil der Anker und Kanonen der russischen Flotte am Fluss Isch. Im 20. Jahrhundert ergänzte IschMasch sein Sortiment um Handfeuerwaffen für die Infanterie.

IschMasch folgt Hotchkiss et Cie und BSA

Der Schritt vom Rüstungsproduzenten zum Fahrzeugbauer ist traditionell klein. Hotchkiss et Cie in Frankreich ergänzte bereits 1903 sein umfangreiches Waffenarsenal um Autos. In Großbritannien folgte  die „Birmingham Small Arms Company“ in Großbritannien diesem Beispiel. Ab 1907 baute BSA Autos und nahm zwei Jahre später auch die Produktion der heute legenden Motorräder. Daher überrascht nicht, dass auch IschMasch ab 1928 unter dem Markennamen ISCH oder IZH (russisch ИЖ) Motorräder baute.

Kalaschnikow CV-1
Heck des Kalaschnikow CV-1 – Foto: en.kalashnikov.media

Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierten die IschMasch-Werke von Reparationen aus Deutschland. In den Hallen des Werks verrichteten ab 1946 die zuvor in Zschopau demontierten Motorrad-Fertigungsanlagen des DKW-Werkes ihren Dienst. Aus der DKW NZ 350 wurde dabei zunächst die IZH-350 und bis 1951 die modifizierte IZH-49. Ab 1966 bauten die IschMasch-Werke dann auch Autos. Zunächst entstanden in Ischewsk Limousinen von Moskwitsch. Doch die waren für die Menschen in der Ural-Region unerschwinglich.

Seit 1973 baut IschMasch auch eigene Autos

Deshalb bot das Werk ab 1973 einen Kleintransporter an, der als ISCH-2715 auf den Markt kam. Daneben bot IschMasch mit dem ISCH-2125 eine fünftürige Kombilimousine an. Sie wurde das eines der beliebtesten Familienfahrzeuge in der Sowjetunion. In den 1980erJahren entwickelte die inzwischen als IschAwto geführte Autosparte des Kombinats in Zusammenarbeit mit AZLK (Moskwitsch) und AwtoWas (Lada) den kompakten ISCH-2126. Die AwtoWas-Variante dieses Fahrzeugs kennen wir im Westen als Lada Samara.

ISCH-2125
ISCH-2125 in Georgien – unverkennbar das Vorbild des CV-1– Foto: Raf24~commonswiki, CC4.0

Nach der Wende gerieten auch die IschMasch-Werke in schwere Fahrwasser. 1998 ging ein Teil der Autosparte verloren. Das zuvor von IschMasch kontrollierte Taganrogski Awtomobilny Sawod (Taganroger Automobilwerk – Markenname TagAZ) wird privatisiert und scheidet aus dem Konzern aus. Während TagAZ Lizenzen von Lada erwirbt, baut IschMasch trotzdem den ISCH-2126 weiter. Erst 2006 endet die Produktion. Gleichzeitig expandiert TagAZ ins Ausland und baut in Südkorea ein eigenes Werk. Doch TagAZ übernimmt sich und meldet schließlich 2014 Konkurs an.

Aus IschMasch wird der Konzern Kalaschnikow

Dieses Schicksal ereilte bereits 2009 die ehemalige Mutter IschMasch. Doch das Geschäft mit Waffen ist in Russland offensichtlich systemrelevant. Die Staatsholding Rostec rettet das Unternehmen. Dank der Finanzspritze expandiert das gerettete Unternehmen sogar. Inzwischen gehören auch eine Schiffswerft und ein Drohnenhersteller zum Konzern. Als Michail Kalaschnikow stirbt, ändert die Firmengruppe ihren Namen. Sie tritt fortan als „Konzern Kalaschnikow“ auf, obwohl der Konstrukteur selbst nie an diesem Unternehmen beteiligt.

Zur Strategie des Konzerns gehört auch das Angebot – mehr oder minder – ziviler Produkte. Im Rahmen des „International Miltary-Technical Forums ARMY-2018“ im Moskau stellte Kalaschnikow daher in dieser Woche gleich drei elektrische Fahrzeuge vor. Neben dem Motorrad UM-1 (Urban Moto) und dem Hybrid-Buggy OV-2 präsentierte gehört das Unternehmen das „Elektrische Supercar CV-1“. Besonders der Kalaschnikow CV-1 sorgt für viel Aufmerksamkeit.

Viele, die sich mit dem CV-1 von Kalaschnikow beschäftigten, zogen sofort eine Parallele zum knuffigen Honda Urban EV Concept, der zu den Starts der IAA 2017 gehörte. Ganz falsch ist dieser Vergleich sicher nicht. Denn der elektrische Kleinwagen von Honda bezog sich auf den ersten Honda Civic. Der Kalaschnikow CV-1 würdigt mit dem ISCH-2125 ebenfalls ein früheres Auto seines Herstellers.

Ein Aspekt, der leider in den meisten Postings und Blogbeiträgen jedoch fehlte. Das schmerzt um so mehr, da bisher noch nicht sehr viel zum Elektroauto CV-1 bekannt ist. Die Batterie wiege 50 Kilogramm, heißt es in der Nachricht des Unternehmens. Sie verfüge über eine Kapazität von 90 Kilowattstunden. Das genügt nach Angaben des Unternehmens für eine Fahrt von 350 Kilometern, bis der CV-1 wieder zum Laden an die Strippe muss. Viel ist das alles noch nicht. Mal gucken, ob wir bald mehr vom Elektroauto Kalaschnikow CV-1 hören.

 

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Kalaschnikow CV-1

Foto: en.kalashnikov.media


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