Kostenloser Nahverkehr ist aus Sicht der Politik die (neue) Lösung für Verkehrsprobleme. Meiner Meinung nach springt das viel zu kurz. Denn nicht der Preis ist das Problem. Es ist das Angebot.

Ich fahre gerne Auto. Trotzdem bin ich, was den Weg von zu Hause ins Büro und zurück betrifft, vor ein paar Jahren auf den Zug umgestiegen. Denn hier im Ruhrgebiet regiert auf der Straße der Stau. Im besten Fall benötige ich mit dem Auto nur gut 30 Minuten, um von Tür zu Tür zu kommen. Doch das klappt eigentlich nur spätabends. Im Normalfall bin ich mit dem Auto eine gute Stunde unterwegs. Wenn es ganz schlecht läuft, dann dauert mein Arbeitsweg mit dem Auto auch mal eineinhalb Stunden – pro Fahrt wohlgemerkt.

Davon hatte ich irgendwann die Schnauze voll!

Deshalb fahre ich seit ein paar Jahren mit der Bahn ins Büro. Mit der Bahn benötige ich von Haustür zu Haustür eine Dreiviertelstunde – und das eigentlich ziemlich verlässlich. Natürlich gibt es manchmal Probleme. Doch zumindest auf meiner Strecke sind diese die Ausnahme. Deshalb ist die Bahn für mich eine gute Wahl. Denn insgesamt habe ich, seit ich Bahn-Pendler bin, weniger Ärger als zuvor, als ich mit dem Auto unterwegs war.

Trotzdem weiß ich, dass meine – überwiegend positiven Erfahrungen – nicht alle teilen. Denn ich weiß, auf meiner Verbindung gibt es sehr positive Rahmenbedingungen:

  • Der erste Vorteil ist, dass es zwischen Gelsenkirchen und Dortmund eine direkte Zugverbindung gibt. Ich muss nicht umsteigen, um zum Ziel zu kommen. Wenn mein Zug mal fünf Minuten Verspätung hat, was regelmäßig vorkommt, dann ist das kein Drama, weil ich keinen Anschluß verpasse.
  • Zum Zweiten gibt es drei Verbindungen pro Stunde. Das macht es „erträglich“, wenn, was vorkommt, mal ein Zug ausfällt.
  • Und zum Schluß gibt es zwei alternative Strecken. Denn neben der direkten Verbindung kann ich im Notfall auch über Bochum fahren. Dann muss ich zwar umsteigen, verliere aber bis ins Ziel auch nur 10 Minuten – sofern in Bochum der Umstieg klappt.

Insofern kann ich über das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs hier im Ruhrgebiet nicht klagen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich kostenlos pendeln könnte. Denn mein Ticket kostet mich pro Monat gute 100 Euro. Es würde mir natürlich gefallen, wenn ich das sparen könnte.

Trotzdem bezweifle ich, dass die Entscheidung für das Pendeln mit dem Zug nur eine Frage des Preises ist. Ich denke, dass das eher eine Anfrage des Angebots ist. Auf meiner Strecke stimmt das Angebot. Deshalb pendle ich mit dem Zug und nicht mit dem Auto. Wobei auch eine Rolle spielt, dass ich die 28 Minuten, die der Zug unterwegs ist, zum Arbeiten nutzen kann. Viele meiner Blog-Beiträge über Autos sind auf der Schiene entstanden.

Kostenloser Nahverkehr – Was nichts kostet, taugt nichts!

Aus meiner Sicht wäre daher ein wirklich flächendeckender Ausbau des Angebots wichtiger als ein kostenloser Nahverkehr. Denn da gibt es jede Menge Nachholbedarf. Nicht auf allen Strecken ist das Angebot so luxuriös, wie das auf meiner Strecke der Fall ist.

Hier im Ruhrgebiet sind die Fahrpläne zwischen dem Regional- und dem Stadtverkehr teilweise sehr schlecht aufeinander abgestimmt. Wenn ich beispielsweise erst um 20 Uhr nach Hause fahre, dann fährt die Stadt-Bahn innerhalb von Gelsenkirchen auf den meisten Strecken nur noch mit einem reduzierten Takt. Wer will 30 Minuten auf dem Hauptbahnhof von Gelsenkirchen die Zeit totschlagen?

Außerdem ist das Abrechnungssystem extrem unübersichtlich. Hier im Ruhrgebiet gibt es viele unterschiedliche Preisstufen und Abrechnungsmodelle. Das macht den Kauf eines Tickets fast schon zur Wissenschaft. Wahrscheinlich würde es reichen, das Ticket-System deutlich zu entschlacken, um die Züge voll zu bekommen.

 

 

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