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McLaren 650S Le Mans: In Erinnerung an einen großen Sieg

McLaren 650S Le Mans

McLaren lässt mit einem Sondermodell des McLaren 650 aufhorchen. Vor 20 Jahren siegten die Briten überraschend mit dem F1 GTR in Le Mans. An diesen denkwürdigen Erfolg erinnert McLaren jetzt mit dem McLaren 650 Le Mans.

Der McLaren GTR war der erste Straßensportwagen von McLaren. Der Dreisitzer mit dem Zwölfzylinder von BMW ist heute längst legendär. Nicht nur weil Rowan Atkinson aka Mister Bean gleich mehrere Exemplare des seltenen Sportwagens verschrottete. Bei seinem Debüt 1993 war der F1 mit einem Kaufpreis von umgerechnet rund 1,5 Millionen Mark das teuerste Serienfahrzeug der Welt. Und obwohl der F1 technisch vom damaligen McLaren Formel-1-Chefdesigner Gordon Murray entwickelt wurde, galt der Sportwagen bei seiner Vorstellung nicht als typisches Renngerät. Doch im Motorsport gibt es manchmal überraschende Möglichkeiten.

Das Ende der Sportwagen-Weltmeisterschaft nach der Saison 1992 sorgte dafür, dass die Sportprototypen der Gruppe C eigentlich nur noch in Le Mans fahren konnten. Ein Widerspruch, denn nachdem die FIA zuvor die Sportwagenszene zum Umstieg auf die 3,5-Liter-Motoren aus der Formel 1 zwang, fehlten den Prototypen im Grunde genommen die richtigen Motoren. 1993 trug der ACO sein Rennen noch nach dem Regelwerk der Gruppe C aus. Toyota und Peugeot lieferten sich ein Duell, das klar zugunsten der Franzosen ausging.

Innenraum im McLaren 650S Le Mans

Innenraum im McLaren 650S Le Mans

Für das Rennen 1994 schufen die Franzosen neue Klassen. Neben drei Klassen für Prototypen (LMP1, LMP2 und WSC) gab es auch eine GT-Klasse für seriennahe Supersportwagen. Damit wollte der ACO Fahrzeugen wie dem Bugatti EB110 und dem McLaren F1 die Tür nach Le Mans öffnen. Doch Jochen Dauer und einige findige Porsche Mitarbeiter fanden eine Lücke im Reglement. Dauer modifizierte einen Porsche 962C und überwand die Hürde der Straßenzulassung. Das öffnete dem „Dauer 962 LM“ den Weg nach Le Mans. Dort setzte sich der „Supersportwagen“ aus der GT-Klasse prompt gegen die LM-Prototypen von Toyota durch und gewann das Rennen.

Ein Jahr später schloss der ACO die Lücke in seinem Regelwerk und hob die Mindeststückzahl der GT-Fahrzeuge von einem auf 25 Wagen an. Das schloss den Dauer 962 LM vom Rennen aus. Trotzdem wirkte die Posse um den „Supersportwagen“ 962 nach und machte Le Mans 1995 zur Veranstaltung für Privatteams. In der Top-Klasse LMP1 ging kein Fahrzeug an den Start. In der LMP2 rannten auch nur drei Autos. Ohne die zehn WSC aus der amerikanischen IMSA-Serie wäre Rennen wohl zu einem GT-Festival mutiert. Immerhin kam es mit den WSC-Boliden zu einem Comeback von Ferrari. Denn gegen den ausdrücklichen Wunsch der Scuderia meldete das Team von Euromotorsport Racing seinen Ferrari 333SP. Damit stand erstmals seit dem Ferrari 312PB im Jahr 1973 wieder ein Ferrari-Rennsportwagen in Le Mans am Start.

McLaren 650S Le Mans

McLaren 650S Le Mans

Auch in der GT-Klasse glänzten die Hersteller weitestgehend durch Abwesenheit. Nur sieben der insgesamt 51 Nennungen stammten von Werksteams. Bis auf Venturi, Marcos, Honda und Nissan mieden die Werke das Rennen. Am stärksten vertretenes Fahrzeug war der McLaren F1 GTR. Sieben private F1 standen 1995 in Le Mans im Grid. Chancen auf dem Gesamtsieg rechnete sich wohl keine der GT-Fahrzeugbesatzungen aus. Die WSC von Kremer und Courage galten als Favoriten auf den Gesamtsieg. Auch wenn die Mannschaft des Franzosen Gérald Welter mit ihren LMP2 das Training dominierte.

Im Rennen sah es zunächst tatsächlich nach einem Erfolg für einen der Prototypen aus. Doch nach Unfällen und einem in den Abendstunden einsetzenden Dauerregen wendete sich das Blatt. Im zum Teil heftigen Regen und bei dichtem Nebel konnten die Prototypen ihre Geschwindigkeit nicht ausspielen. Schon um Mitternacht lagen fünf McLaren F1 GTR in Front. In einem fuhr JJ Letho wohl das Rennen seines Lebens. In dieser Nacht war der Finne zeitweise zehn Sekunden pro Runde schneller als alle anderen Teilnehmer. Damit übernahm Letho zusammen mit Yannick Dalmas und Masanori Sekiya souverän die Führung. Und da Mario Andretti im – unter trockenen Bedingungen schnelleren – Courage C34 nach einem Unfall weitere sechs Runden verlor, hielt dieser Vorsprung bis Ziel. Auch wenn der Amerikaner im WSC zusammen mit Bob Wollek und Éric Hélary nach dem Abtrocknen der Fahrbahn am Morgen immerhin noch fünf Runden aufholen konnte.

Sondermodell McLaren 650S Le Mans

Zusammen mit dem Erfolg des Porsche 911 GT1 drei Jahre später war der Triumph des McLaren F1 GTR in der jüngeren Vergangenheit der einzige GT-Sieg in Le Mans. Und für McLaren ist das 20. Jubiläum des Gewinns jetzt der perfekte Anlass, um mit einem Sondermodell des McLaren 650S den Erfolg zu würdigen. 50 Exemplare des McLaren 650S Le Mans entstehen dazu. Die Verantwortlichen bei McLaren baten dabei den Designer Peter Stevens, der in den 1990er-Jahren den McLaren F1 maßgeblich mitgestaltete, um Hilfe. Stevens fügte als Tribut an die Siegesfahrt der Gestaltung des modernen McLaren 650 zahlreiche Designelemente hinzu, die an den Klassiker F1 GTR erinnern.

Am markantesten ist sicherlich der Lufteinlass auf dem Dach. Er war typisch für den F1 GTR. Ebenfalls deutlich sichtbar ist das Design der Felgen des Sondermodells. Es orientiert sich an der Gestaltung der Rennsportfelgen, die vor 20 Jahren auf den Rennwagen des McLaren F1 Standard waren. Dazu gibt es zahlreiche weitere kleinere Designanpassungen an der Außenhaut und auch ein paar Veränderungen im Innenraum. Das ist jedoch mehr oder minder alles nur Kosmetik. Interessanter ist die Karbon-Keramik-Bremsanlage, die McLaren dem Sondermodell 650S Le Mans serienmäßig spendiert.

Unverändert blieb die Leistung des Motors. Wie beim „Standardmodell“ des 650S stehen auch im Le Mans 650 PS zur Verfügung. Nachvollziehbar, dass die Briten an dieser Stelle keinen Handlungsbedarf sahen, um das Sondermodell zu modifizieren. Im Sommer plant McLaren die Auslieferung des McLaren 650S Le Mans. Wer sich für das Fahrzeug interessiert, benötigt 244.500 britische Pfund. Und kann sich, wenn er den Zuschlag für das Sondermodell bekommt, auch über eine Einladung zur 20-Jahr-Feier des McLaren Siegs in Le Mans freuen. Denn Tickets für diese Party sind im Kaufpreis des Fahrzeugs inbegriffen.


McLaren 650S Le MansInfos zum Titelbild:
McLaren 650S Le Mans (Foto: McLaren)
McLaren 650S Le Mans
 

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