Mercedes präsentierte heute Abend den Mercedes-Benz EQC, der für Tesla ein echtes Alarmzeichen ist. Wir zeigen Euch die ersten Bilder vom vollelektrischen SUV des schwäbischen Autobauers.

Wenn wir in ein paar Jahren auf das Jahr 2018 zurückblicken, wird es (vielleicht) heißen, das war doch das Jahr, wo das Elektroauto anfing, den Mainstream zu erobern. Denn immer mehr Premiumhersteller stellten in diesem Jahr ihre elektrischen Fahrzeuge vor. Heute präsentierte Daimler in Stockholm seinen Mercedes-Benz EQC. Mit seinem ersten vollelektrischen SUV legt Mercedes-Benz – sprichwörtlich – den Schalter um und präsentiert ein vor allem mit großen Erwartungen aufgeladenes Fahrzeug.

Dabei war die Premiere heute eher eine Ankündigung. Denn der im Bremen gebaute elektrische Mercedes-Benz kommt erst Mitte 2019 zu den Kunden. Damit läuft Mercedes in diesem Bereich der Konkurrenz  hinterher. Denn wenn dieser elektrische Mercedes auf unseren Straßen rollt, dann gibt es das Modell X von Tesla schon seit mehr als drei Jahren. Auch der im März 2018 präsentierte Jaguar I-Pace rollt in diesen Tagen bereits zu den ersten Kunden. Und Audi startete vor wenigen Tagen in Brüssel die Serienproduktion des Audi e-tron und präsentiert seinen Stromer dann in gut zwei Wochen in den USA der Öffentlichkeit.

Auch von hinten betrachtet ist der Mercedes-Benz EQC ohne das E im Kennzeichen nicht als Elektrofahrzeug zu erkennen.
Auch von hinten betrachtet ist der Mercedes-Benz EQC ohne das E im Kennzeichen nicht als Elektrofahrzeug zu erkennen. Offensichtlich sind die Zeiten der Elektro-Missionare vorbei. (Foto: Daimler AG)

Autos wie der Mercedes-Benz EQC sind eine Gefahr für Tesla

Der elektrische Crossover aus Stuttgart hat gute Chancen, sich seinen Teil vom Kuchen des Markts abzuschneiden. Denn obwohl Mercedes für seine Elektrofahrzeuge die neue Submarke EQ ersonnen hat, dieses Elektroauto ist zunächst ein Mercedes. Das Erstlingswerk der EQ-Familie, die sich bald vom Kompaktwagen bis zum Luxusauto erstrecken soll, gibt sich erfreulich zahm. Ihm fehlt der optische Anspruch der Weltverbesserung, der in der Vergangenheit Hybrid- und Elektrofahrzeugen auszeichnete.

Diese Zurückhaltung ist eine gute Strategie. Denn gerade in der Oberklasse gelten die Kunden als konservativ. Da sind die gestreckte Dachlinie und der coupéhafte Dacheinzug am Heck schon mutig. Sie positionieren den EQC irgendwo zwischen einem klassische SUV und den immer öfter angebotenen unsäglichen SUV-Coupé. Aber am Ende ist das zweitrangig, denn die Musik dieses Autos spielt unter dem Blech. Das Herzstück des Mercedes-Benz EQC ist der neu entwickelte elektrische Antrieb.

Alleine die Tatsache, dass ein Mercedes reinelektrisch fahren kann, ist für Tesla ein ernstes Warnsignal. Denn Tesla punktete bisher mit einem Alleinstellungsmerkmal. Die Amerikaner sprachen Kunden an, die sich für Innovationen begeistern können. Doch das ist Geschichte, wenn auch die Großen wie Mercedes, Audi oder Jaguar Stromer anbieten. Damit ist Tesla nur noch Einer unter Vielen. Und die Erfahrung zeigt, dass sich dann die Unternehmen durchsetzen, die ihre Qualität und ihre Produktionskette im Griff haben. Beides waren bisher keine Stärken des amerikanischen Autobauers.

Zwei Elektromotoren treiben den Mercedes-Benz EQC 

Der EQC verfügt an der Vorder- und der Hinterachse über je einen eigenen elektrischen Antriebsstrang. Zusammen bringen die beiden Elektromotoren eine Systemleistung von 408 PS (300 kW) auf die Straße. Das maximale Drehmoment beider E-Maschinen liegt zusammen bei 765 Newtonmetern. Die vordere E-Maschine ist für den schwachen bis mittleren Lastbereich auf bestmögliche Effizienz optimiert. Dem kräftigeren Elektromotor am Heck kommt die Rolle zu, Dynamik in die Fuhre zu ringen. Was auf eine – zumindest bei sportlicher Fahrweise – hecklästige Auslegung schließen lässt.

Auch der Mercedes-Benz EQC setzt auf die bei modernen Elektroautos übliche Sandwich-Bauweise.
Auch der Mercedes-Benz EQC setzt auf die bei modernen Elektroautos übliche Sandwich-Bauweise. (Foto: Daimler AG)

Die für das Fahren notwendige Energie speichert der EQC in einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 80 kWh im Wagenboden. Diese Sandwich-Bauweise setzt sich immer mehr durch. Auch wenn dem Mercedes die Radikalität der Wettbewerber fehlt. Denn der EDC ist ein Ableger des GLC und keine vollständige Neuentwicklung. Das erinnert dann mehr an nachträglich elektrifizierte Autos wie den VW e-Golf oder gar den Golf CityStromer als an die konsequenten Neuentwicklungen von Jaguar oder Audi.

Otto Normalo wird das übrigens völlig egal sein!

Der – vermutlich kleine – Teil der Daimler-Kunden, der beim Neuwagenkauf über ein Elektroauto nachdenkt, wird glücklich sein, jetzt weiter Mercedes fahren zu können. Zumal die Daten vertraut klingen. Denn die Kapazität der Batterien reicht, zumindest im Fahrzyklus des NEFZ, laut Mercedes für eine Reichweite von mehr als 450 Kilometern. Wobei das ein vorläufiger Wert ist. Das tatsächliche Ergebnis der Abnahme steht noch aus.

Zudem ist Mercedes so ehrlich, in der Pressemitteilung zur Premiere des EQC darauf hinzuweisen, dass der Verbrauch und die Reichweite auch bei Elektrofahrzeugen sehr stark von der Fahrweise abhängen. Doch das ist keine Besonderheit des Elektroautos. Im ersten Halbjahr 2018 wurden übrigens knapp 17.200 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Zusammen mit den rund 16.700 Hybridautos entspricht das einem Marktanteil von 1,8 Prozent.

Damit liegt Deutschland weit hinter den E-Auto-Spitzenreitern China und Norwegen. Auch in den Niederlanden wird mehr Strom gegeben. Dort gehört besonders das Modell S in der oberen Mittelklasse längst zum Straßenbild. Insofern wird spannend, ob dank Fahrzeugen wie dem Mercedes-Benz EQC oder dem angekündigten Audi e-tron das batteriebetriebene Elektroauto auch bei uns jetzt tatsächlich aus seiner Markt-Nische herausfahren kann.

 

1300ccm.de - Auto-Blog für Auto-Natives ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.




Ähnliche Artikel


Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Mercedes präsentierte heute Abend den Mercedes-Benz EQC. Von vorne ist der SUV von seinen konventionellen Brüdern nicht zu unterscheiden. (Foto: Daimler AG)

Foto: Daimler AG


Write A Comment