Die letzten Nachrichten rund um Opel waren nicht durchweg erfreulich. Erst vor wenigen Tagen gab es Gerüchte über einen anstehenden teilweisen Verkauf des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums (ITEZ) in Rüsselsheim. Das wäre ein herber Einschnitt, denn das Entwicklungszentrum gilt als das Herz der Traditionsmarke. Die Entwicklungskompetenz des Rüsselsheimer Autobauers wird allgemein geschätzt.

Inzwischen dementierte Opel diese Gerüchte halbherzig. Trotzdem ist klar, dass der Autobauer seinen Platz im PSA-Konzern noch sucht. Wobei das eine geschönte Formulierung ist. Denn natürlich haben die neuen Herren aus Frankreich sicher einen Plan, um die Neuerwerbung auszurichten. Das dürfte auch den Mitarbeitern und Fans der Marke klar sein. Deshalb fragen sie sich, wie sieht die Neuausrichtung aus? Wie schnell kappt PSA die letzten Verbindungen zur ehemaligen Opel-Mutter General Motors? Wie viel PSA steckt in Zukunft in den Opel-Modellen? Und was bleibt am Ende von Opel?

Erste Antworten auf diese Fragen gab Opel-Chef Michael Lohscheller mit dem Strategieplan PACE! bereits im vergangenen November. Heute legte Opel eine Pressemitteilung zur Zukunft der Marke nach. Die ließ mich zunächst erstaunt die Augen reiben. Denn in der Pressemitteilung beschreibt Opel die zukünftigen Markenwerte mit „Deutsch, nahbar, aufregend“. Diese Werte sollen in Zukunft in der DNS aller Modelle stecken und das Handeln bei Opel bestimmen.

Deutsch, nahbar, aufregend …

Bei zu viel Deutschtümelei werde ich immer nervös. Nicht falsch verstehen, ich bin gerne Deutscher. Aber ich bin auch überzeugter Europäer. Denn nur ein geeintes Europa ist Garant für Frieden und Freiheit. Nationale Sonderwege führen unweigerlich in die Katastrophe. Bei Zweifeln hilft gerade ein Blick auf die deutsche Geschichte.

Zum Glück liefert Opel eine Erklärung dazu mit, was wirklich gemeint ist. Denn im weiteren Verlauf der Pressemitteilung lese ich: „New Germanness: Weltoffen, menschlich, den Kunden zugewandt!“ Um die neuen Markenwerte auch international zu vermarkten, entwickelte Opel den Begriff „Deutsch“ offensichtlich zu „New Germanness“ weiter.

Mit diesem Kunstbegriff will Opel in Zukunft in aller Welt erklären, dass die Marke traditionelle deutsche Werte wie ausgezeichnete Ingenieurskunst, technische Innovationen und hervorragende Qualität mit dem modernen Deutschland verbindet. Denn das moderne Deutschland ist weltoffen, frei und fürsorglich. Steht zumindest so in der Pressemitteilung von Opel.

Ähnlich vermarktete der DFB in der Vergangenheit die Fußball-Nationalmannschaft. Insofern fragte ich mich beim Lesen der Opel-Meldung, ob Opel – zumindest Teile seiner Zeilen– wohl beim DFB abgeschrieben hat. Was die Losungen des DFB wert sind, wissen wir, seit dort alle Würdenträger auf Özil rumhacken, um vom eigenen Versagen abzulenken. Aber lassen wir das, das ist ein anderes Thema!

Was Opel meint, soll in Kürze eine Design-Studie zeigen!

Schon im Laufe des Jahres soll eine Design-Studie veranschaulichen, wie Opel die neuen Werte mit Leben füllen will. Auf dem Foto, das Opel heute als Ergänzung der Pressemitteilung verschickte, steht eine verhüllte Studie. Keck leuchten ihre markanten Scheinwerfer durch den Stoff der Hülle. Auch das Opel-Zeichen schimmert durch den Stoff. Zudem fallen zwei markante Knicke im Stoff auf. Einer unterhalb des Opel-Zeichens, einer auf der Motorhaube.

Offensichtlich sind Opel diese vier Attribute wichtig. Denn die Form der Scheinwerfer und die beiden Knicke nutzt Opel auf dem Bild auch, um das Opel-Zeichen in der Mitte des Bilds zu umrahmen. Das erinnert an eine Kompassrose und versinnbildlicht damit den Aufbruch des Unternehmens zu neuen Ufern.

Aber was hat die Studie Opel Coupé Diplomat mit der Opel-Zukunft zu tun?

Einen weiteren Hinweis darauf, wie sich Opel die Zukunft vorstellt, gibt die Studie Opel Coupé Diplomat, die ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist. Diese Studie zeigte Opel 1969 auf der IAA in Frankfurt. Sie entstand unter der Leistung des damaligen Opel-Design-Chefs Charles „Chuck“ Jordan.

Hinter einer langen Motorhaube verfügt der CD über eine knappe, weit hinten positionierte Fahrgastzelle und ein Fließheck. Das Besondere der Studie war die Einheit aus Frontscheibe, Dach und Seitenteilen. Sie lässt sich hochklappen und gibt damit anstelle konventioneller Türen den Zugang zum Innenraum frei.

Die Studie fand 1969 so viel Anklang, dass Opel Pietro Frua beauftragte, von der Studie ein Serienmodell abzuleiten. Frua präsentierte seinen Entwurf 1970 auf dem Pariser Auto-Salon. Opel entwickelte zusammen mit Erich Bitter aus dem „Frua CD“ im Anschluss den Bitter CD. Wollen wir mal hoffen, dass diese etwas unübersichtliche Geschichte kein Omen für die Opel-Zukunft ist.

 

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Mit diesem Foto kündigte Opel heute die Studie an, die die Zukunft des Unternehmens einleiten soll.

Foto: Opel