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Opel Werk Bochum: Management ohne Anstand

Im Werk Bochum läuft 1966 der einmillionste Opel Kadett vom Band

Nun wird es Ernst, denn der Tod auf Raten geht schneller. Opel knüpft an den Fortbestand des Werks in Bochum über den 31.12.2014 hinaus plötzlich Bedingungen. Geht die Belegschaft nicht auf die Forderungen ein, könnte das Werk zwei Jahre eher als geplant die Produktion von Autos einstellen.

Fast zehn Jahre alng, seit 2004 wurde immer wieder über das Ende des Opel Werks in Bochum spekuliert. In zähen Verhandlungen erreichte die Belegschaft, dass die Fertigung bisher weiterlief. So stundeten die Mitarbeiter dem Arbeitgeber die in Tarifverhandlungen vereinbarten Gehaltserhöhungen. Dieser Verzicht war für das Opel-Management eine wichtige Voraussetzung für den Abschluss eines Standortsicherungsvertrags, der den Erhalt des Werks bis zum 31.12.2004 garantiert.

Trotzdem wurde Ende 2012 aus der Spekulation Gewissheit

Im Dezember 2012 kündigte der Autobauer dann doch an, dass die Fertigung in Bochum 2016 auslaufen würde. Jetzt, nicht einmal zwei Monate später, stellt die Unternehmensführung diese Zusage infrage. Wie die WAZ heute berichtete, soll die Fahrzeugproduktion nun mit dem Ende der tatsächlich verbrieften Standortgarantie, also Ende 2014, auslaufen, wenn die Belegschaft nicht bereit ist, den Verzicht auf Lohnerhöhungen zu verlängern.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Adam Opel AG, Steven Girsky begründete diesen Schritt in einem Brief an die Mitarbeiter im Opel Werk Bochum mit Überkapazitäten und den Rabattschlachten in der Automobilindustrie. Aus seiner Sicht sei die Situation auf dem europäischen Markt katastrophal. Das mag ja sein, aber es ist doch nicht ernsthaft zu glauben, dass sich die Lage in gut acht Wochen wesentlich verschlechtert habe!

Ich glaube, dass diese Salamitaktik Teil einer falschen Strategie der Opel-Führung ist. Das, was sich die Opel-Führung im Umgang mit ihren Mitarbeitern im Opel Werk Bochum erlaubt, ist zynisch und menschenverachtend. Bisher konnten die rund 5.000 direkt und indirekt Beschäftigten des Werks davon ausgehen, bis 2016 bei Opel schaffen zu dürfen. Immerhin etwas, wenn der Arbeitsplatz-Verlust schon nicht vermeidbar ist.

Es blieb so etwas wie Hoffnung für das Opel Werk Bochum

Jetzt ausgerechnet diese Mitarbeiter plötzlich mit einer offenen Drohung zu erpressen, ist eine Schweinerei und gehört sich nicht. Offensichtlich hat dem GM Vice Chairman Stephen Girsky noch niemand erklärt, dass dieser Raubtierkapitalismus Opel nicht sanieren wird. Denn wer so mit seinem Mitarbeitern umgeht, dessen Autos könnten sich bald endgültig als unverkäuflich erweisen. Das wäre auch für den Rest der Opel-Belegschaft ärgerlich und gerade in Bochum unverständlich.

Denn ausgerechnet in Bochum schloss Nokia vor einigen Jahren sein Handy-Werk mit einer ähnlich rüden und unverständlichen Aktion. Nokia schlitterte anschließend in ein ernstes Imageproblem und spielt heute in Deutschland kaum noch eine Rolle. Nun droht Opel dank eines Managements ohne Anstand wohl endgültig das gleiche Schicksal.


Im Werk Bochum läuft 1966 der einmillionste Opel Kadett vom BandInfos zum Titelbild:
Ein Bild aus besseren Tagen: Am 11.10.1966 läuft im Werk Bochum der einmillionste Opel Kadett vom Band. (Foto: Opel)
Ein Bild aus besseren Tagen: Am 11.10.1966 läuft im Werk Bochum der einmillionste Opel Kadett vom Band. (Foto: Opel)
 

5 Kommentare

  1. Irgendwann kommen die Auto halt aus Korea. Das ist dann wie vorher mit Vauxhall. Die wurden vor 30 Jahren durch Opel ersetzt. Und jetzt zieht die Karawane weiter. Fressen und gefressen werden. Insofern passt Bochum schon, so traurig wie das auch ist.

  2. Ja, die machen Opel endgültig kaputt.

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