Auch Peugeot beschäftigt sich zurzeit mit dem autonomen Fahren. Ein Konzeptfahrzeug des französischen Autobauers verbindet dabei jetzt die Zukunft mit der Vergangenheit. Denn die Form des Konzeptfahrzeugs PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT lehnt sich klar an den Klassiker PEUGEOT 504 Coupé an.

Die Nähe zum legendären PEUGEOT 504 Coupé sorgt – vermutlich nicht nur bei mir – sofort für Sympathie. Denn das 1969 auf dem Genfer Auto-Salon präsentierte Coupé war ein großer Wurf. Bis 1983 baute Pininfarina-Werk in Turin die Karosserie des Schmuckstücks. Anschließend transportierte die Eisenbahn die Rohkarosserien zur Endmontage nach Sochaux. Am Peugeot-Stammsitz in Frankreich ergänzte Peugeot Motor, Getriebe und Fahrwerk. Entsprechend teuer war das Coupé. Weshalb die Stückzahlen immer überschaubar blieben. Zudem war die Rostvorsorge eine Katastrophe. Weshalb heute gute Exemplare extrem rar sind.

Der PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT ist unverkennbar eine Reinkarnation des legendären Peugeot 504 Coupé
Der PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT ist unverkennbar eine Reinkarnation des legendären Peugeot 504 Coupé – Foto: Peugeot

Von der Form der Studie bitte nicht melden lassen …

Doch die Sympathie der Form sollte nicht vom Inhalt ablenken. Denn das autonome Fahren bleibt ein schwieriges Thema. Nicht alles, was möglicherweise technisch geht, ist moralisch sinnvoll. Wie groß muss ein Tier sein, für das ein autonomes Auto bremst? Wenn das selbstfahrende Auto beim Ausweichen die Wahl hat, entweder in Richtung einer Bushaltestelle oder eines Motorrad-Fahrers auszuweichen, welche Entscheidung ist dann zu treffen? Zudem ist fraglich, ob die Programmierung eines so komplexen Systems wirklich fehlerfrei gelingt. Es gibt viele Beispiele, wo schon weniger komplexe Software in Kundenhand unfassbare Schwächen offenbart.

Trotzdem ist das Thema des autonomen Fahrens in den Entwicklungsabteilungen der großen Autohersteller zurzeit das nächste große Ding. Denn praktisch alle großen Autobauer investieren in die Entwicklung selbstfahrender Autos. Was geht, das zeigte schon vor mehr als drei Jahren mein Ausflug mit einem selbstfahrenden Audi auf der Autobahn. Inzwischen gibt es mit dem Audi A8 oder der S-Klasse von Mercedes bereits einige Fahrzeuge, die sich teilautonom im Alltag bewegen, wenn ihr Lenker dies will.

100% elektrisches Fahren aus dem Land des Atomstroms!

Mit dem Konzeptfahrzeug PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT zeigt der französische Autobauer jetzt seinen aktuellen Forschungsstand. Der ist 100% elektrisch und damit für Peugeot eine realistische Vision der Energiewende. Bei einem Autobauer, der aus dem Land des „billigen“ Atomstroms kommt, klingt das irgendwie beängstigend. Im Auto bringt Peugeot eine 100-kWh-Batterie unter. Für den Antrieb der vier Räder stehen eine Leistung von 340 kW und 800 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Damit bewältigt der e-LEGEND CONCEPT den Sprint von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in weniger als vier Sekunden.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 Kilometern pro Stunde. Das kennen wir bereits von real verfügbaren Elektrofahrzeugen wie dem Jaguar I-Pace oder Audi e-tron. Auch bei diesen E-Autos begrenzen die Hersteller die Höchstgeschwindigkeit. Sie maximieren damit die Reichweite im Fahrtest nach der WLTP-Norm. Denn zu diesem Testzyklus gehört eine definierte Zeit mit hoher Geschwindigkeit. Wie schnell dabei zu fahren ist, das hängt von dem möglichen Top-Speed eines Fahrzeugs ab. Da der Energieverbrauch mit zunehmender Geschwindigkeit steigt, sorgt die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit für eine Steigerung der Reichweite. Im Fall des PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT soll diese 600 Kilometer betragen.

PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT fährt wahlweise manuell oder autonom

Um anschließend die notwendige Energie ins Auto zu bekommen, spricht Peugeot in seiner Pressemitteilung zum Konzeptfahrzeug von einem kabellosen Schnellladesystem. Dank ihm lässt sich Batterie innerhalb von 25 Minuten auf eine Reichweite von 500 Kilometern aufladen. Auch das lesen wir zurzeit in vielen Pressemitteilungen. Ich nenne das immer den fantastischen Teil der Pressemitteilungen, die elektrische Konzeptstudien vorstellen. Schließlich gibt es zurzeit noch nicht einmal die benötigte Anzahl kabelgebundener Schnelllader, die solche Ladezeiten ermöglichen.

Der Innenraum des PEUGEOT e-LEGEND CONCEPTfolgt dem Trend vieler anderer Studien.
Der Innenraum des PEUGEOT e-LEGEND CONCEPTfolgt dem Trend vieler anderer Studien – Foto:Peugeot

Fahrmaschine oder Ruheraum?

In beiden Welten stehen je zwei Fahrmodi zur Verfügung. Wer den PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT selbst steuert, der kann zwischen dem LEGEND und dem BOOST-Mode wählen. Der LEGEND-Modus richtet sich an die, die mit dem Coupé entspannt durch die Landschaft gleiten wollen. In diesem Cruising-Modus erinnern die drei digitalen Instrumente an das PEUGEOT 504 Coupé. Denn auf den Bildschirmen erscheint die damals legendäre Holzvertäfelung des Coupés. Im Boost-Modus verwandelt sich die Studie in eine Fahrmaschine und hebt die dynamischen Fahreigenschaften des Elektroantriebs hervor. Beim autonomen Fahren stellt der Peugeot entweder dem Komfort oder die Vernetzung der Insassen in den Vordergrund.

Somit wird das Auto entweder zum „soften“ Ruhrraum oder zum „sharpen“ Arbeitsraum. Dabei kommt der Studie zugute, dass der Innenraum variabel ist. Die Vordersitze sind komplett in der Neigung verstellbar. Zudem fahren bei Bedarf seitliche Armlehnen automatisch aus. Damit entsteht eine breite Ablagefläche, in die Peugeot eine kabellose Smartphone-Ladestation integriert. Dank elektronisch übertragener Lenkbefehle (by Wire) kann das Lenkrad unter der dem 49-Zoll-Bildschirm verschwinden. So können die Insassen bei autonomer Fahrt im neuen PEUGEOT e-LEGEND CONCEPT gemeinsam mit Konsolen spielen oder einen Film schauen.

 

1300ccm.de - Auto-Blog für Auto-Natives ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.




Ähnliche Artikel


Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:



1 Comment

  1. Andreas Fichtner Reply

    Generell hält sich meine Begeisterung für aktuelle Modelle französischer Hersteller in Grenzen. Zu groß sind die Designsünden und die Schwächen in der Verarbeitung. Ob aber in einem Land der Atomstrom günstig ist, in dem moderne Elektroautos gebaut werden, ist mir bei der Betrachtung egal. Zum einen werden die Fahrzeuge weltweit vertrieben, zum anderen erlebe ich Besitzer von Elektroautos bei der Herkunft ihres Stroms als höchst sensibel. Fast alle beziehen bewusst Öko-Strom aus regenerativen Quellen. Das wird in Frankreich ähnlich sein und vielleicht tatsächlich eine Energiewende stützen. Das andere Thema ist die berühmte aber m.E. überstrapazierte Moraldiskussion beim autonomen Fahren. Es mag Situationen geben, in denen die Technik überfordert sein wird. Aber der Mensch ist viel schneller überfordert und macht viele Fehler, die einem Autopiloten nicht passieren. Dieser schreibt keine Nachrichten, er trinkt nicht, wird nicht müde, streitet nicht mit dem Beifahrer und er reagiert viel schneller als jeder Mensch. Gehen wir davon aus, dass die Technik bis zur Markteinführung noch optimiert wird, mittelfristig smarte Verkehrszeichen eingesetzt werden und die Systeme untereinander kommunizieren, dann werden künftig signifikant weniger Unfälle durch autonome Fahrzeuge als durch Menschen verursacht. Und für den einen toten Motorradfahrer dürfen dann 100 andere weiterleben.

Write A Comment