Auto-News

Porsche zeigt in Detroit den neuen Porsche 911 Targa – so muss Targa sein!

Porsche 911 Targa

Die Vorstellung des neuen Porsche 911 Targa in Detroit ist eine Rückkehr zu alten Werten. Denn der breite sichtbare Überrollbügel, die gewölbte Heckscheibe aus Glas und das zu öffnende Dach machen den 911 Targa nach 21 Jahren endlich wieder zum Targa.

Möglicherweise bin ich befangen, denn der erste Porsche, den ich als Zehnjähriger live erlebte, war der 911 Targa meiner Tante. Mit ihrem roten Targa holte sie mich Ende der 1970er-Jahre bei Bekannten in Karlsruhe, wo ich einige Ferientage verbrachte, ab, um mit mir nach zu ihr nach München zu fahren. Während der Tour habe ich jeden Meter auf der A8 genossen.

Es muss ein prägendes Jugenderlebnis gewesen sein!

Denn wenn ich heute auf einem Oldtimer-Teilemarkt ein Blaupunkt Schwanenhals sehe, wie es im Porsche 911 Targa meiner Tante verbaut war, wird mir immer warm ums Herz. Und über die Frage, was für mich einen Targa ausmacht, gibt seitdem auch keinen Zweifel. Kein Wunder, dass ich mit der großen Glasheckklappe, die Porsche ab 1993 als Targa verkaufte, nie richtig warm geworden bin. Offensichtlich bin ich nicht der Einzige für den der Targa eine Legende ist. Denn in der aktuellen Baureihe Typ 997 des Porsche 911 kehrt der Targa jetzt als „echter“ Targa zurück.

Seit 1993 hat es das bei Porsche so nicht mehr gegeben. Irgendwie waren der breite Überrollbügel und das herausnehmbare Dach nach fast 30 Jahren wohl aus der Mode gekommen. Wer Anfang der 1990er-Jahre offen fahren wollte, der wollte auch ein Cabrio. Für den Targa, der 1965 als Antwort auf Diskussionen zur Verkehrssicherheit in den USA entstand, war kein Platz mehr.

911 Carrera 3.0 Targa, 1976

911 Carrera 3.0 Targa (Mj. 1976) – wie ihn auch meine Tante hatte. (Foto: Porsche)

Inzwischen hat Porsche seine Modellpalette erheblich erweitert. Vor rund 20 Jahren konnte Porsche weltweit pro Jahr weniger als 25.000 Autos verkaufen. Im Geschäftsjahr 1991/92 lag der Verlust bei rund 240 Millionen DM. Wendelin Wiedeking führte das Unternehmen ab September 1992 als Vorstandschef wieder zurück in die Gewinnzone. Dabei trimmte Wiedeking das Unternehmen aus Effizienz und killte wohl auch den klassischen Targa.

Heute verkauft Porsche mehr als 100.000 Autos pro Jahr. Und verfügt über eine hohe Flexibilität in der Produktion. Damit sind für den Premiumhersteller, der längst mehr als Sportwagen anbietet, auch die Nischen abseits des Mainstreams wieder interessant. Auf der Suche nach neuen Kunden muss so in Zuffenhausen die Idee zur Rückkehr des Porsche 911 Targa gereift sein.

Mit dem auf der „North American International Auto Show“ (NAIAS) in Detroit jetzt vorgestellten Porsche 911 Targa hat Porsche das Prinzip-Targa erfolgreich in die Gegenwart übertragen – ohne etwas Angestaubtes auf die Räder zu stellen. (Fast) alles ist wieder da: der breite Überrollbügel, die gebogene Heckscheibe aus Glas und das heute elektrisch zu öffnende Dach.

 911 Targa 4 / 911 Targa 4S

911 Targa 4 / 911 Targa 4S (Foto: Porsche)

Ab dem 10. Mai wird der Porsche Targa bei den Porsche-Händlern stehen. Zwei Motoren werden zur Auswahl stehen. Basismodell ist der 911 Targa 4, der über den 3,4-Liter-Boxermotor mit 350 PS (257 kW) verfügt. Im Spitzenmodell 911 Targa 4S schlägt ein 400 PS starkes Boxerherz mit 3,8 Litern Hubraum.

Der Zusatz „4“ in den Modellbezeichnungen macht deutlich, dass der Targa (zunächst) ausschließlich mit Allradantrieb angeboten wird. In Deutschland wird der 911 Targa mit 109.338 Euro in den Preislisten stehen. Für den 911 Targa S muss die persönliche Autokasse bereits 124.094 Euro bereithalten.

Es gibt nicht viele von einem Klassiker inspirierte Autos, die so modern wirken wie der Porsche. Die Idee „Targa“ erweist sich damit als zeitlos. In Detroit steht ein ganz junges Auto, das trotzdem ein alter Bekannter ist. Fast scheint es, als ob der Porsche 911 Targa nie weggewesen wäre – auch wenn ich bei dieser Aussage vermutlich befangen bin.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *