Mit einer gewohnt aufwendigen Inszenierung präsentierte Audi vor wenigen Minuten in San Francisco den neuen Audi e-tron. Der luxuriöse SUV ist das erste in Großserie gebaute Elektroauto von Audi. Direkt vor der Haustür des Elektropioniers Tesla zeigt Audi damit, dass die Energiewende auch in Ingolstadt stattfindet.

Vieles am Audi e-tron war keine Überraschung mehr. Schon seit Präsentation der Studie e-tron Quattro concept war die Richtung klar. Zudem sickerten in den letzten Wochen neben den Fakten zum Bau des Fahrzeugs, der kürzlich in Brüssel anlief, auch bereits einige technische Fakten durch. So war klar, dass die beiden Elektromotoren über eine Systemleistung von bis 408 PS (300 Kilowatt) verfügen. Wobei diese Spitzenleistung nur im bis zu acht Sekunden lang aktivierbaren Sportmodus zur Verfügung steht.

Im Normalbetrieb leisten die an der Vorder- und Hinterachse positionierten Elektromotoren zusammen „nur“ 360 PS (265 Kilowatt). Das reicht, um den rund zwei Tonnen schweren e-tron auf bis zu 200 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Mehr lässt das Energiemanagements des Autos nicht zu. Doch angesichts der Dauerstaus auf den Zielmärkten des SUV zählen längst andere Werte. Denn der e-tron spricht urbane Großstädter aus Metropolen wie San Francisco, London oder Berlin an.

Die Kunden legen Wert auf Komfort, Konnektivität und Sicherheit. Oft ist das Auto für sie auch ein rollendes Statussymbol, das gleichzeitig das ökologische Gewissen beruhigt. Lokal emissionsfrei soll das eigene Auto helfen, den Ballungsraum zu entlasten. Tesla sprach diese Kunden geschickt an und sorgte damit praktisch im Alleingang dafür, dass das Elektroauto heute salonfähig ist. Denn vor Tesla war das Elektroauto über Jahrzehnte so etwas wie der Untote der Automobilindustrie.

Das Elektroauto selbst ist nicht neu!

Denn seit den Anfangstagen des Autos kämpfen auch Elektroautos um Kunden und Marktanteile. Bei aller momentaner Begeisterung, das Elektroauto ist inzwischen seit rund 130 Jahren Gegenstand der Forschung. Natürlich eignen sich Elektromotoren, um Autos anzutreiben. Mit einem Wirkungsgrad von 90% setzen Elektromotoren die zugeführte Energie sogar wesentlich effizienter in Vortrieb um als Verbrennungsmotoren.

Doch die Frage ist einfach, wie die Energie zum Motor kommt. Bei Eisen- oder Straßenbahnen und teilweise auch Bussen ist die Antwort einfach. Sie zapfen eine Oberleitung an, was jedoch gleichzeitig ihren Aktionsradius erheblich einschränkt. Es ist wohl nicht einmal in Ballungsräumen vorstellbar, alle Straßen mit Oberleitungen oder Induktionsschleifen auszurüsten. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft des Elektroautos liegt daher in der Batterietechnik.

Die Batterieeinheit des Audi e-tron ist das Herzstück des Autos

Im Fall des Audi e-tron speichert ein 95 kWh großes Akkupack des zum Fahren notwendigen Strom. Die Entwickler platzieren diese Batterien im Sandwich-Boden zwischen den Achsen. Das senkt den Schwerpunkt und trägt damit seinen Teil zur angestrebten Fahrdynamik bei. Zudem ist hier Platz. Denn der e-tron ist 4,90 Meter lang. Die kurzen knackigen Überhänge der Karosserie ermöglichen es, im Wagenboden eine 2,28 Meter lange und 34 Zentimeter hohe Batterieeinheit zu verstauen.

Wobei Audi auf die Reparaturfreundlichkeit des Batterie-Systems wert legt. Denn die Batterie lässt sich vom Wagenboden lösen. Jedes einzelne der 36 Module mit je 12 Batteriezellen lässt sich austauschen. Übrigens selbst dann, wenn die Batterie unter Spannung steht. Eine massive Rahmenstruktur schützt die Batterie bei Unfällen. Die Kühl- bzw. Heizanlage sorgt dafür, dass die Batteriezellen im Sommer wie im Winter ihren Wohlfühlbereich zwischen 25 und 35 Grad Celsius vorfinden.

Das alles sorgt für Gewicht. Die komplette Batterie-Einheit bringt 699 Kilogramm auf die Waage. Dafür übertrumpft die Batterie des e-tron mit einer Kapazität von 95 kWh die seines britischen Wettbewerber Jaguar I-Pace um gleich fünf Kilowattstunden. Der Mercedes-Benz EQC speichert sogar nur 80 kWh. Auch die Mehrzahl der Tesla X verfügen nur über eine Kapazität von 75 oder 90 kWh und lassen den Nutzer zum Teil sogar nur 60 kWh nutzen. Allerdings gibt es bei Tesla auf Wunsch auch eine 100-kWh-Batterie.

Audi spricht davon, dass der e-tron mit einer Batterieladung rund 400 Kilometer weit fahren kann. Zumindest solange das eigene Fahrverhalten zum Testverfahren des WLTP paßt. Wer dynamischer unterwegs ist, der WLTP annimmt, reduziert die Reichweite. Doch dies ist kein reines E-Auto-Problem. Denn auch bei Verbrennern spielt das Fahrverhalten beim Verbrauch eine große Rolle. Das vergessen Elektroskeptiker bei ihrer Kritik am Elektroauto übrigens gern.

Audi fertigt die Motoren des e-tron selbst

Die Motoren des e-tron stammen übrigens aus dem Audi-Werk im ungarischen Győr. Rund 150 Mitarbeiter fertigen im größten Motorenwerk des Volkswagen-Konzerns zurzeit 400 der für den SUV benötigten Elektromotoren pro Tag. Da jeder e-tron über zwei Elektromotoren verfügt, gibt das einen Fingerzeig darauf, mit welchen Stückzahlen Audi bei dem SUV zurzeit plant. Spannend übrigens, dass die Motoren des e-tron kürzlich im I.D. R Pikes Peak ihre Leistungsfähigkeit.

Elektromotor des Audi e-tron (2018) für die Hinterachse
Der Motor an der Hinterachse des Audi e-tron leistet 140 kW. Im Boost-Modus stehen zusätzliche 25 kW zur Verfügung.

Mit einer aufwendigen Rekuperationstechnik versucht Audi, den Stromverbrauch des e-tron zu zügeln. Mit bis zu 220 kW erzeugt der e-tron beim Bremsen Strom. Das ist zurzeit der Bestwert im Markt. Sofern der SUV an einer der derzeit noch sehr seltenen Schnellladestationen (150 kW) hängt, lässt sich die Batterieeinheit des e-tron in einer halben Stunde voll aufladen. Mit 11 kW Haushaltstrom benötigt der e-tron zum Beispiel über Nacht in der heimischen Garage 8,5 Stunden für eine vollständige Ladung.

Ansonsten ist der e-tron ein ganz normaler SUV der gehobenen Preisklasse. Zum Konzept des e-tron von Audi gehören ein variabler Laderaum. Zwischen 615 bis 1.725 Liter Stauraum stehen zur Verfügung. Die adaptive Luftfederung sorgt in allen Varianten auch auf schlechten Straßen für angenehmen Komfort. Doch das größte Highlight sind die erstmals bei einem Großserienfahrzeug verfügbaren kamerabasierten Außenspiegel. Sie bleiben jedoch zunächst ein aufpreispflichtiges Extra.

Was kostet der Audi e-tron?

Überhaupt ist das liebe Geld bei einem SUV wie dem Audi e-tron natürlich ein Thema. Mit einem Grundpreis knapp unter 80.000 Euro in Deutschland ist der SUV kein billiges Vergnügen. Wer dann in der Ausstattungsliste das eine oder andere Kreuz setzt, der landet schnell auch bei 100.000 Euro. Das ist ein ordentlicher Schluck aus der Pulle, wie es im Ruhrgebiet in solchen Fällen heißt. Ob das schon für eine Energiewende reicht, ist zweifelhaft.

Wahrscheinlich ist der e-tron nach dem von Ludwig Kraus einst im Geheimen gebauten ersten Audi 100 das wichtigste Auto in der Geschichte des Unternehmens. Denn hinter Audi liegen wilde Zeiten. Die Inhaftierung des Chefs im Zuge der Diesel-Krise versetzte Mitarbeiter und Fans der Marke gleichsam in Unruhe. Mit zahlreichen überarbeiteten Modellen (TT, Q3 und Q8 …) versucht Audi seitdem, den Fokus auf die Produkte zu legen. Trotzdem hängt viel vom Audi e-tron ab.

Denn der Audi definiert den Weg in die elektrische Zukunft des gesamten VW-Konzerns. In den nächsten vier Jahren laufen in Wolfsburg, Ingolstadt, Mladá Boleslav, Martorell und Stuttgart-Zuffenhausen 27 Elektrofahrzeuge an. Das Erste aus diesem Reigen ausgerechnet vor der Haustür des größten Wettbewerbers zu präsentieren, ist eine klare Kampfansage. Davon zeugen auch die zahlreichen Plakate von Audi, die zurzeit in San Francisco – direkt vor der Haustür von Tesla – hängen.


Technische Daten:

  • Typ: Audi e-tron
  • Grundpreis: 79.900 Euro (9/2018)
  • Motor: Zwei Elektromotoren an der Vorderachse (125 kW  + 10 kW im Boost-Mode) und der Hinterachse (140 kW + 25 kW im Boost-Mode)
  • max. Leistung: 360 PS (265 kW) – 408 PS (300 kW) im Boost-Mode
  • max. Drehmoment: 561 Nm – 664 Nm im Boost-Mode
  • 0-100 km/h: 6,6 Sekunden – 5,7 Sekunden im Boost-Mode

Zusammengefasst: Audi nimmt die Herausforderung von Tesla offensichtlich an und punktet dabei mit den klassischen Werten Technik, Qualität und Fahrspaß. Batteriesystem, Aerodynamik und Antrieb setzen Maßstäbe in der Klasse, zeigte sich Audi in San Francisco selbstbewusst. Daneben dürfen e-tron-Fahrer jede öffentliche Ladesäule nutzen und rechnen das anschließend über Audi ab. Besonders dieses Angebot zeigt, Vorsprung durch Technik schließt heute auch digitale Geschäftsmodelle ein.

Insofern ist der Audi e-tron fast schon ein Befreiungsschlag! Denn der elektrische SUV von Audi verschiebt die Maßstäbe im Bereich der Elektroautos. Der Audi e-tron ist das Auto, das Elon Musk vermutlich den letzten Schlaf raubt.

 

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Grauer Audi e-tron mit klassischen Seitenspiegeln

Foto: Tom Schwede


1 Comment

  1. Wirklich mag das e-tron. Ich denke, es ist eines der besten Autos, die Audi jemals entworfen hat.

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