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Spyker Cars ist Pleite: Selbst für den Hartnäckigen gibt es offensichtlich unpassierbare Wege

Spyker 2003 auf der IAA in Frankfurt (Foto: Tom Schwede)

Kurz vor Weihnachten kommt aus den Niederlanden die Nachricht vom Konkurs des „Autobauers“ Spyker. Wirklich überrascht hat mich die Nachricht nicht. Denn um die Marke mit dem Wahlspruch „Nulla tenaci invia est via“ (Für den Hartnäckigen ist kein Weg unpassierbar) war es in der jüngsten Vergangenheit verdächtig still geworden.

Damit endet die Geschichte einen Autobauers mit dem Namen Spyker zum zweiten Mal. Denn als Victor R. Muller vor knapp 15 Jahren das heutige Unternehmen gründete, bezog sich der Millionär auf ein Unternehmen, das von 1880 bis 1926 bestand. Ursprünglich als Kutschenbauer gegründet, bauten die Brüder Jacobus und Hendrik-Jan Spijker ab circa 1900 in Amsterdam auch Luxusautos. Im Ersten Weltkrieg fusionierte das Unternehmen mit einem Flugzeugbauer. Aus dieser Zeit stammt auch der Propeller im Logo. Nach dem Krieg entstanden wieder Sportwagen und Luxusautos. Doch der Markt blieb schwierig. 1925 stellte das Unternehmen die Produktion ein und wurde ein Jahr später aufgelöst.

Nur durch die Goldene Kutsche, die die Niederländischen Monarchen seit 1998 am Prinsjesdag nutzen, bliebt der Name Spyker im öffentlichen Bewusstsein der Niederländer bis in die Gegenwart präsent. Möglicherweise animierte diese Präsenz Victor R. Muller Anfang dieses Jahrtausends zur Wiederbelebung des Namens. Seit 2005 fertigte das von ihm gegründete Unternehmen in Kleinserie den Sportwagen C8 Spyker. Parallel erwarben die Inhaber 2006 das Formel 1 Team Midland F1. Damit wollte Spyker Cars für seine Sportwagen werben. Doch die Formel 1 ist ein teures Geschäfts. Nach nur einer vollen Saison reichte Spyker das Formel 1 Team an Vijay Mallya weiter. Der indische Geschäftsmann benannte das ehemalige Jordan Team in Force India um.

Doch auch das Scheitern in der Formel 1 hinderte Spyker nicht daran, große Pläne zu verfolgen. 2008 stellte Spyker in Zusammenarbeit mit dem Karosseriebauer Zagato den Spyker C12 vor. Angetrieben vom W12-Motor aus dem VW-Regal entstand eine Kleinserie von 24 Spyker C12 Zagato. Weil die Nachfrage nach den Sportwagen überschaubar blieb, verlangte Spyker die Produktion 2009 aus Kostengründen zu einem Auftragsfertiger in Großbritannien. Gleichzeitig träumten die Verantwortlichen von einer Übernahme den kriselnden schwedischen Autobauers Saab. Tatsächlich unterzeichneten sie im Januar 2010 einen verbindlichen Vertrag über den Kauf von Saab. Wobei sie den Kauf im Wesentlichen mit Aktien des neugegründeten Unternehmens Saab Spyker Automobile finanzierten. General Motors wollte in der Krise Saab offensichtlich um jeden Preis loswerden.

Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnete die Übernahmen von Anfang an als zweifelhaft. Details der Übernahme klingen wie aus einem Wirtschaftskrimi. Tatsächlich kam Saab auch unter der Führung von Spyker nicht zurück in die Erfolgsspur. Knapp ein Jahr nach der Übernahme stellten die Zulieferer die Lieferung von Teilen wegen unbezahlter Rechnungen ein. Dadurch kam die Saab-Produktion in Trollhättan zum Erliegen. Saab Spyker Automobile, ein Tochterunternehmen von Spyker Cars, musste Ende 2011 Insolvenz anmelden. Im Juni 2012 übernahm das neu gegründete Unternehmen National Electric Vehicle Sweden (NEVS) die Insolvenzmasse. Die NEVS hat bisher seine Ziele nicht erreicht. Zuletzt gab es Gerüchte, Mahindra würde das Unternehmen NEVS übernehmen.

Nach dem Verlust der Beteiligung an Saab blieb Spyker nur noch der Sportwagenbau. Schon während des Saab-Abenteuers versuchten die Verantwortlichen, die Produktion der Sportwagen zu verkaufen. Doch weder die CPP Global Holdings des Russen Wladimir Antonow noch die North Street Capital übernahmen den Sportwagenbau tatsächlich. Also existiere das Unternehmen einfach weiter. Wobei es völlig unklar ist, wie viele Sportwagen Spyker Cars in den letzten Jahren baute und verkaufte. Der angekündigte Spyker B6 Venator Spyder kam über das Stadium eines Konzeptcars nicht hinaus. Am 18. Dezember 2014 meldete Spyker Cars in den Niederlanden Konkurs an. Offensichtlich war der Weg, anders der Wahlspruch des Unternehmens verkündet, doch unpassierbar.


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Spyker 2003 auf der IAA in Frankfurt (Foto: Tom Schwede)
Spyker 2003 auf der IAA in Frankfurt (Foto: Tom Schwede)
 

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