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Umparken von Detroit nach Paris? Verkauft General Motors Opel an Peugeot?

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Das war gestern eine böse Überraschung. Zur Mittagszeit hörte ich das erste Mal davon, dass General Motors und die Groupe PSA über einen Verkauf von Opel verhandeln. Später folgten Pressemitteilungen mit offiziellen Bestätigungen. Natürlich wusste ich, dass beider Partner bereits 2012 eine umfangreiche Kooperation vereinbarten. Trotzdem schien bisher undenkbar, dass General Motors sein Europa-Geschäft verkauft.

Denn Opel gehört seit 1929 zu General Motors. Damals retteten die Amerikaner das Unternehmen in der Weltwirtschaftskrise vor der sicheren Pleite. Dank des Gelds aus Übersee konnte Opel einige Jahre später in Rüsselsheim das damals größte europäische Karosseriewerk bauen. Mit Produkten wie dem Opel Olympia (1935) und Kadett (1936) stieg Opel zu einem wichtigen Spieler auf dem Automarkt auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Opel lange auf Augenhöhe mit Volkswagen. Mit Modellen wie dem Admiral, Rekord oder dem Commodore forderten die Rüsselsheimer zeitweilig sogar Marken wie Audi, BMW oder Mercedes heraus. Doch vor gut 20 Jahren reduzierte Konzernmutter General Motors das Entwicklungsbudget. Das hatte dramatische Folgen, wie nicht nur das Crash-Test-Desaster des Vans Opel Sintra offenbarte.

In diesem Jahrtausend war Opel erneut ein Sanierungsfall!

Im Jahr 2000 rutschte Opel in die Verlustzone – bis  heute! Schon 2008/2009 sah es zeitweilig so aus, dass General Motors sich von Opel trennt könnte. Denn es gab Pläne, Opel und seine britische Schwester Vauxhall an den österreichischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank zu verkaufen. Die Bundesregierung unter Führung an Angela Merkel war nicht abgeneigt, dieses Geschäft mit staatlichen Garantien zu stützen.

Vielleicht hätte die Bundesrepublik damals besser eine wesentliche Beteiligung an Opel erworben. Ähnlich wie es Frankreich vor ein paar Jahren bei PSA machte. Doch das ist Geschichte. Denn 2009 sagte General Motors den Opel-Verkauf kurzfristig ab, installierte in Rüsselsheim ein neues Management und schob die Entwicklung neuer Produkte an. Der Opel Astra Kombi, den wir kürzlich testen konnten, zeigte eindrucksvoll, wie gut ein Opel inzwischen wieder sein kann.

Parallel dazu vereinbarte General Motors 2012 für Opel eine weitreichende Kooperation mit der Groupe PSA und ihren Marken Peugeot, Citroën und DS. Der neue Opel Combo wird auf den PSA-Modellen Peugeot Partner und der Citroën Berlingo basieren. Dazu sollen die Nachfolger des Opel Zafira und des Peugeot 3008 in der Peugeot-Fabrik im französischen Sochaux vom Band laufen. Gleichzeitig soll Opel in Saragossa die Nachfolger der Minivans Meriva und Citroën C3 Picasso bauen.

Ein Vorgehen, das in der Autoindustrie nicht ungewöhnlich ist. Wohl auch deshalb sind jetzt die Mehrzahl der Beobachter erstaunt, dass mehr passieren könnte. Doch gestern bestätigte General Motors die Möglichkeit, seine Töchter Opel und Vauxhall vollständig an die Groupe PSA zu verkaufen. Offenbar laufen diese Gespräche schon etwas länger. Beide Seiten betonen, dass die Gespräche auch noch platzen können. Gleichzeitig schließen sie jedoch auch nicht aus, dass die Gespräche innerhalb weniger Tage zum Abschluss kommen könnten.

Trotzdem irritiert das Vorgehen der Amerikaner!

Der Opel-Gesamtbetriebsrat zeigte sich – nach eigenen Angaben – von der Nachricht überrascht. Die IG Metall wies deshalb daraufhin, dass dies eine „beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte“ sei. Schließlich sitzen Vertreter dieser Organistionen im Aufsichtsrat der Opel AG. Auch Brigitte Zypries (SPD) kritisierte als Bundeswirtschaftsministerin gestern das Verhalten von General Motors.

Doch bei aller Kritik, Opel hat auch im vergangenen Jahr das Ziel einer schwarzen Null verfehlt. Nach einem Verlust von mehr als 800 Millionen im Jahr 2015, fehlten Ende 2016 erneut rund 257 Millionen in der Kasse. Gut möglich, dass General Motors zwischen der Glaube an eine Besserung fehlt. Schließlich verdiente der US-Konkurrent Ford in Europa alleine im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden.

Gut möglich, dass auch die neue US-Regierung auf ein Ende des europäischen Abenteuers dringt. US-Präsident Donald Trump hat in der Vergangenheit mehrfach erklärt, wie wenig er von einem Engagement amerikanischer Unternehmen im Ausland hält. Insofern klingt gerade vieles nach einem Ende mit Schrecken in der langen Ehe zwischen General Motors und Opel. Das Bekenntnis zu Opel, das General Motors Chefin Mary Barra 2014 abgab, scheint Geschichte.

Das macht nachdenklich!

Die Opel-Werke in Kaiserslautern und Eisenach plagen seit Jahren Überkapazitäten. PSA geht es nicht besser. Und so könnten unter der Regie von PSA alle deutschen Opel-Werken passieren, was Antwerpen und Bochum schon hinter sich haben. Auch für den Entwicklungsstandort Rüsselsheim sind Einschnitte zu befürchten. Insbesondere, wenn am Ende der laufenden Gespräche keine Überkreuzbeteiligung zwischen PSA und GM steht. Ein Schritt, der auch deshalb schwierig scheint, weil die chinesische Dongfeng Motor Corporation bisher 14,1% des Kapitals von PSA hält.

Es ist nicht anzunehmen, dass sich ein amerikanisches Unternehmen im Moment mit einem chinesischen Partner ins Bett legt. Deshalb fehlt mir der Glaube an eine erfolgreiche Ménage-à-trois! Trennt sich General Motors allerdings tatsächlich von Opel, dann ist auch eine Europa-aRückkehr von GM Daewoo, dem südkoreanischen Ableger der Amerikaner, nicht ausgeschlossen. Und dann heißt der Mokka, der eigentlich aus Südkorea stammt, vielleicht bald auch bei uns Buick Encore oder Chevrolet Trat. Egal was passiert, im Moment spricht nur wenig für gute Zeiten für Opel.



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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Opel GT auf der Techno Classica 2016
 

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