Toyota zeigte in Toyko den GR Super Sport Concept. Bei diesem Konzeptfahrzeug handelt es sich um einen Le Mans Prototypen für die Straße. Ganz neu ist diese Idee nicht. Aber sie fasziniert.

Denn scheinbar übt es auf einige Auto-Freunde eine besondere Faszination aus, mit einem Rennwagen im Alltag unterwegs zu sein. Damit meine ich jetzt nicht die, die ihren BMW der E30-Serie aussehen lassen, als ob dieser einst in der seligen DTM der 1990er-Jahre unterwegs war. Ich spiele auf die Fans mit einer so dicken Geldbörse an, dass sie sich mit einem echten Rennwagen der Herausforderung des Alltags stellen können.

Einen besonderen Reiz auf diese Auto-Fans üben Sportprototypen aus. Eben noch auf der Ligne Droite des Hunaudières in Le Mans unterwegs führt der Weg nun über den Kurfürstendamm oder die Königsallee. Vermutlich direkt vor die Linsen der Carspotter, die dort regelmäßig ihre Kameras bauen. Unabhängig davon wird hier, statt Bremsschikanen, der nächste Ampelstopp zur ultimativen Herausforderung. Denn das, was bei diesem Stopp passieren könnte, erfordert ein gesundes Maß an Zurückhaltung.

Schließlich kann heute jeder AMG mit 6,3-Liter-Motor auch gut beschleunigen. Zudem lässt dessen elektronische Traktionskontrolle den Fahrzeuglenker möglicherweise denken, dass er im Sprint bis zur nächsten Ampel eine Chance hätte. Hey’ willst Du n’ Race … fragt der AMG-Treter mit einem fragenden Blick … Nein besser nicht! Denn wenn sich die Hinterreifen im Format 350/680-415 wie beim Sportprototypen Porsche 956 mit dem Asphalt verzahnen, dann ist das Jüngste Gericht für den AMG-Fahrer nah.

Trotzdem rockten gerade Sportprototypen von Porsche in der Vergangenheit immer mal wieder den Alltag. Wobei ihre Eigentümer dazu mitunter tief in die Trickkiste des Zulassungsgeschäfts greifen mussten. Denn als Graf Rossi 1975 den ausrangierten Porsche 917 mit der Chassisnummer 30 als Alltagsauto kaufte, gelang es Porsche nicht, eine Straßenzulassung zu organisieren. In Europa war da nichts zu machen.

Von Le Mans auf die Straße – das ging früher mit dem ganzen Auto!

Selbst Großbritannien, traditionell ein Ort liberaler Zulassungsvorschriften, oder Zwergstaaten wie Andorra wollten den Ex-Rennwagen nicht zulassen. Doch der damalige Eigentümer des Alkoholherstellers Martini & Rossi fand schließlich jenseits des großen Teichs eine Lösung. Denn der US-Bundesstaat Alabama stattete den silbernen Porsche 917 des Grafen mit einem Kennzeichen 61-27737 aus. Laut „auto motor und sport“ (Heft 10 / 1975) allerdings unter der Auflage, niemals mit dem Rennwagen in Alabama aufzukreuzen.

Zwei Jahre später gelang es dem Deutschen Achim Großmann, seinen Porsche 917 durch den TÜV zu bekommen. Großmann kaufte einen verunfallten Rennwagen und machte diesen beim Wiederaufbau fit für den Straßenverkehr. Auf der Liste der Teile, die Großmann in seinem 917 verbaute, standen ein Schalldämpfer, eine Warnblinkanlage, eine Handbremse und ein Lenkradschloß. Zudem sorgte der Porsche-Freund mit einer Standheizung für etwas Komfort.

1994, Dauer 962
Dauer 962 – Rennwagen mit Straßenzulassung – Porsche nutzte damit eine Reglement-Lücke in Le Mans geschickt aus.

Ein paar Jahre fuhr Großmann mit seinem CW-K 917 durch die Gegend, dann verkaufte der Gastwirt seinen Porsche. Dessen neuer Besitzer baute den 917 wieder zum Rennwagen um. Nach einem Abstecher in die USA gehört das Auto heute einem Sammler in der Schweiz, der damit von Zeit zu Zeit im historischen Motorsport antritt. Auch von den Gruppe C Sportwagen Porsche 956 und 962 gab es – sogar in Europa – Exemplare mit Straßenzulassung.

Vor gut 15 Jahren fuhr regelmäßig ein Porsche 962 durch München. Aus Wien gibt es Bilder eines weiteren 962 mit Straßenzulassung. Zudem gab es 962-Derivate von Jochen Dauer, Vern Schuppan, Koenig, DP und Signature. Doch all diese Fahrzeuge wollten deutlich mehr Supersportwagen als Rennwagen sein. Sie sind damit ein guter Link zudem, was die Autobauer heute anbieten.

Heute stammen „nur“ noch die Motoren aus dem Rennsport!

Mercedes zeigte bereits auf der IAA sein Hypercar Mercedes-AMG Project One. Ein Supersportwagen, dessen Motor auf dem aktuellen Formel-1-Motor der Sternenkrieger basiert. (Bis zu) 1086 PS soll der Motor im Sportwagen leisten. Wer 2,275 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer für ein Spielzeug übrig hat, der kann mit diesem Mercedes bis zu 350 Kilometer pro Stunde schnell sein.

Mercedes AMG Project ONE auf der IAA 2017
Mercedes AMG Project ONE auf der IAA 2017 (Foto Denny Grewe)

Noch vor Mercedes kündigten der Formel-1-Rennstall Red Bull und Aston Martin gemeinsam ihren AM-RB 001 vor. An diesem Hypercar wirkt Konstruktions-Genie Adrian Newey mit. Weshalb dieser Super-Sportler mit einer ausgefeilten Aerodynamik glänzt. Auch hier das Portemonnaie genügend Inhalt benötigt. Denn der Preis des AM-RB 001 lag bei 3.000.000 US-Dollar. Trotzdem waren die 175 geplanten Exemplare ausverkauft, bevor der Preis in den Medien die Runde machte.

Toyota lässt auf den Toyota GR Super Sport Concept hoffen!

Die nächste Chance auf einen Sportwagen mit viel Renntechnik gibt es (vielleicht bald) bei Toyota. Denn auf dem Tokyo Auto Salon stellte Japans Nummer 1 Anfang Januar den GR Super Sport Concept vor. Das Konzeptfahrzeug basiert auf dem Langstrecken-Rennwagen TS050 Hybrid aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Den Antrieb der Studie übernehmen ein V6-Twinturbo-Motor und ein Toyota Hybrid System-Racing (THS-R), die im Prinzip aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft stammen. Auch bei Toyota gibt es damit eine Systemleistung von freundlichen 1.000 PS. Auch die Karosserie stammt in vielen Punkten vom Rennwagen ab.

Toyota GR Super Sport Concept
Toyota GR Super Sport Concept – Studie auf dem Tokyo Auto Salon 2018

Und obwohl es sich bei Toyota im Moment offiziell „nur“ um eine Konzeptstudie handelt. Die Chancen stehen gut. Denn der Markt für solche Hypercars ist da. Das beweisen die Projekte von Mercedes und Aston Martin. Deshalb ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, dass auch Toyota diesem Trend folgt. Denn an der Spitze des Unternehmens steht mit Akio Toyoda ein echter Petrolhead. Der hat nicht das nötige Portemonnaie, sondern auch den Einfluss das Fahrzeug durchzusetzen.

 

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Toyota GR Super Sport Concept

Foto Toyota


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