Die Frage, was unsere Autos in Zukunft antreibt, beschäftigt weltweit alle Autobauer. Mazda bereichert die Diskussion jetzt mit der Ankündigung, schon 2020 ein Elektroauto mit Wankel als Range-Extender anzubieten.

Wankel-Motoren haben bei Mazda eine lange Tradition. Kein anderer Hersteller brachte bisher so viele Fahrzeuge mit Kreiskolben-Motor auf die Straße, wie der Autobauer aus Hiroshima. Wankel glänzen mit einer kompakten Bauweise und einem ruhigen Lauf. Doch auf der Straße machten zuletzt Abgasvorschriften und teilweise hohe Verbrauchswerte dem Kreiskolbenmotor den Garaus. Beides scheint jedoch beherrschbar, wenn der Wankel als Range-Extender nicht das Auto, sondern „nur“ einen Generator antreibt.

Denn dabei lässt sich der Kreiskolbenmotor konstant im Optimum betreiben. Das reduziert den Verbrauch. Zudem ist der Motor praktischerweise ein „Allesverbrenner“. Neben herkömmlichen Otto-Kraftstoff ist der Wankel auch mit gasförmigen Kraftstoffen kompatibel. Das ermöglicht beispielsweise den Betrieb mit Wasserstoff oder synthetisch erzeugtem Flüssiggas. Womit auch das Abgasthema an Schärfe verliert.

Wie fahren wir 2030?

Bei aller Euphorie für das Elektroauto, auch in zwölf Jahren wird es noch Verbrennungsmotoren geben. Die Aufgabe ist, ihren CO2-Ausstoß in den kommenden Jahren deutlich zu reduzieren. Denn in der aktuellen Diesel-Diskussion übersehen viele, für den Klimawandel ist COverantwortlich. Stickoxide und Feinstaub sind – bei allem Verständnis – dagegen fast ein Luxus-Problem. Sie rauben anders als der Klimawandel nicht gleich der ganzen Menschheit die Lebensgrundlage. Insofern bleibt hinter dem Batterie-elektrischen Fahrzeug ein ganz großes Fragezeichen.

Schließlich produzieren große Teile der Welt ihren Strom durch Wärmekraftwerke, die ebenfalls jede Menge CO2 ausstoßen. Deshalb springt die Betrachtung der lokalen Emissionen zu kurz. Unter Berücksichtigung der gesamten Kette von der Strom-Erzeugung bis zum Verbrauch („Well-to-Wheel“) verliert das E-Auto viel von seinem Heilsbringer-Potenzial. Wer ehrlich ist, der weiß, dass der Auspuff seines Elektroautos das Braunkohlekraftwerk um die Ecke ist.

Der Verbrenner ist kein Auslaufmodell!

Mazda geht davon aus, dass auch 2030 nur fünf Prozent der eigenen Produktion batterieelektrische Fahrzeuge sind. 95 Prozent der dann auf die Straße gebrachten Mazda haben weiter einen Verbrenner an Bord. Wobei dieser in der Regel im Kampf gegen den Klimawandel auf die eine oder andere Art mit einem Elektromotor zusammenwirkt. Wobei Mazda an dieser Stelle natürlich auf seinen für 2019 angekündigten Benzinmotor mit Kompressionszündung setzt. Denn die Technik des teilweise selbstzündenden Benzinmotors verspricht eine deutliche Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und des damit verbundenen CO2.

Unabhängig davon sind die Spielarten des Hybrid-Antriebs vielfältig. Die Kunden von morgen stehen mehr als bisher vor der Qual der Wahl des Antriebskonzepts. Mild-Hybrid, Plug-in-Hybrid oder Elektroauto mit Range-Extender? Oder doch eine rein-elektrische Alternative mit Batterien oder Brennstoffzelle? Oder gar einen Verbrenner, der Wasserstoff oder einen Bio-Kraftstoff tankt? Alles ist möglich!

Das Elektroauto von Mazda hat einen Wankel als Range-Extender

Mit seinem jetzt angekündigten Elektro-Auto macht Mazda einen ersten Schritt, sein Angebot entsprechend zu diversifizieren. Offiziell halten sich die Verantwortlichen des Autobauers mit Details zu Fahrzeug noch bedeckt. Wir gehen davon aus, dass es sich bei dem Elektroauto um eine elektrische Version des Kleinwagens Mazda2 handelt. Denn der Kleinwagen ist dann fünf Jahre auf dem Markt und steht zur Ablösung an. Ein Elektroauto ist perfekt, um den Generationswechsel einzuläuten.

Der optionale Range-Extender verwandelt das Elektroauto auf Wunsch in ein lokales Kraftwerk, das seinen Strom selbst erzeugen kann. Denn der Wankel treibt einen Generator an und lädt damit entweder die Fahrzeugbatterie auf oder versorgt direkt den Elektromotor mit Strom. Das nimmt den Kunden die Angst vor weiten Strecken und ermöglicht trotzdem – mit geladener Batterie – ein Fahren ohne lokale Emissionen.

Dabei kann der Wankel als Range-Extender seine Vorteile perfekt ausspielen. Denn der Wankel ist kompakt, leicht und leise. Deshalb ist die Idee, den Wankel als Reichweiten-Verlängerer zu nutzen, auch nicht ganz neu. Audi zeigte vor ein paar Jahren eine Studie mit einer vergleichbaren Konfiguration. Doch in Ingolstadt fehlt bisher ein öffentliches Bekenntnis zur Pflege des Erbes von NSU. Die Studie verwand in der Versenkung. Offensichtlich hat Mazda in dieser Frage mehr Mut als der deutsche Autobauer.

 

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Der Wankel hat bei Mazda eine lange Tradition. Schon 1991 stellte Mazda einen Kreiskolbenmotor vor, der Wasserstoff verbrennt. Jetzt feiert der Wankel als Range-Extender ein Comeback bei Mazda.

Foto: Mazda