Bei der L.A. Autoshow stellte Porsche vor wenigen Minuten die achte Generation seines Sportwagens vor. Wir haben die Bilder und die wichtigsten Infos zum neuen Porsche 911 (Typ 992).

Porsche selbst nennt seinen neuen 911 „stärker, schneller und digitaler“. Der Autobauer aus Zuffenhausen spricht in der Pressemitteilung zur Weltpremiere des neuen Porsche 911 davon, „die überlegen kompromisslose Dynamik des klassischen Heckmotor-Sportwagens mit den Ansprüchen der digitalen Welt“ zu verbinden. Nun sind solche Marketing-Aussagen nur mit ein paar Bildern und einer kurzen Pressemitteilung natürlich nicht zu überprüfen.

Aber zumindest optisch gefällt mir der neue 911 besser als sein Vorgänger. Denn zur DNA der Marke Porsche gehörte über Jahrzehnte, mit vergleichsweise kleinen Sportwagen die Großen zu ärgern. Doch im Laufe der Jahrzehnte wurde aus dem optisch immer zurückhaltenden 911 ein bulliger Protzer. Besonders die bisher angebotene siebte Generation mit ihren (teilweise) sehr breiten und ausladenden Kotflügeln brach mit der Tradition.

Ein Vergleich zwischen dem legendären Porsche 911 S von 1970, den Steve McQueen in der Anfangsszene seines Spielfilms Le Mans fährt, und dem jetzt auslaufenden 911 zeigt deutlich, was ich meine. Vor 50 Jahren trat ein Porsche 911 fast unscheinbar und zurückhaltend auf, um mit seinen Fahrleistungen zu überzeugen. Diese Bescheidenheit ging im Laufe der Jahre verloren. Die seit 2011 gebaute Modellreihe 997 legte die Zurückhaltung völlig ab.

Weniger ist mehr

Die neue, die in der vergangenen Nacht in Los Angeles präsentierte achte Generation des Porsche 911 wirkt insgesamt zurückhaltender und damit deutlich eleganter als ihr unmittelbarer Vorgänger. Besonders gut gefallen mir die Seitenlinie und ihr Auslauf am Heck. Auch wenn der eine oder andere Purist unter den Porsche-Fans besonders aus dieser Perspektive sicher an den kleineren Porsche 718 Cayman des Typs 982 denkt.

Der neue Porsche 911 wirkt vertraut. Die Front erinnert an eine Mischung aus dem ersten 911, dem letzte Luftgekühlten und den jüngeren GT2-Modellen.
Der neue Porsche 911 wirkt vertraut. Die Front erinnert an eine Mischung aus dem ersten 911 (Motorhaube), dem letzten Luftgekühlten (Lampen) und den jüngeren GT2-Modellen (Kühleröffnungen). (Foto: Porsche)

Weniger bescheiden, doch dafür nicht minder attraktiv, gestaltete Porsche die Front des neuen Porsche 911. Mit den großen Kühleröffnungen, um hier nicht respektlos von einem großen Maul zu schreiben, erinnert an die GT2-Rennwagen wie den kürzlich präsentierten „Wiedergänger“ des Porsche 935. Zusammen mit den offensichtlich vom Porsche 911 der von 1997 bis 2006 gebauten Generation 993 inspirieren Lampen sorgt alles zusammen dafür, dass der neue Porsche 911 sofort vertraut wirkt.

Wie schon zuletzt der Vorgänger gibt es auch den neuen Porsche 911 nur noch mit aufgeladenen Motoren. Das „Basismodell“ des Sportwagens bestückt Porsche mit einem 450 PS starken Sechszylinder-Boxermotor. Wobei die Kunden wählen können, ob sie die Kraft des Motors traditionell über die Hinterräder auf die Straße bringen oder auf einen Allradantrieb vertrauen möchten. Interessant ist, dass der neue Porsche 911 in beiden Fällen auf unterschiedlich große Reifen rollt.

Tempo 308 km/h sind möglich

Denn an der Vorderachse verwendet Porsche Räder mit 20 Zoll Durchmesser. An der Hinterachse setzt Porsche 21 Zoll große Felgen ein. Das gab es bisher nur bei den strammen Sportlern GT2 RS und GT3 RS. Wobei die Pressemitteilung von Porsche nebenbei betont, dass die das Heck alle 911er jetzt einheitlich breit sei. Offensichtlich bin ich nicht der Einzige, der das Heck der bisherigen Generation nicht gelungen fand.

Wer will, der kann mit dem neuen Porsche 911 Carrera S übrigens bis zu 308 Kilometer pro Stunde schnell sein. Der Allrader Carrara 4S „bescheidet“ sich mit einer Spitzengeschwindigkeit von 306 Kilometern pro Stunde. Ähnlich sieht es übrigens beim Verbrauch aus. Auch hier fährt der Kunde mit dem Hecktriebler besser, wenn denn Daten aus dem NEFZ beim Kauf eines Sportwagens überhaupt eine Rolle spielen.

Der Innenraum nimmt Bezüge bei den Elfern der 1970er-Jahre. Trotzdem ist natürlich eine aktuelle Hightech-Ausstattung an Bord.
Der Innenraum nimmt Bezüge bei den Elfern der 1970er-Jahre. Trotzdem ist natürlich eine aktuelle Hightech-Ausstattung an Bord. (Foto: Porsche)

Neu ist der integrierte Ablasshandel

Wobei Porsche offensichtlich darauf bedacht ist, seinen Sportwagen gesellschaftlich zu rechtfertigen. Denn neu im Porsche 911 des Typs 992 ist ein elektronischer Emissions-Kalkulator. „Porsche Impact“ heißt dieser Quatsch. Beim Fahren rechnet der Computer automatisch den „Preis“ des dabei verursachten CO2-Fingerabdruck aus. Bei diesem elektronischen Ablasshandel kann der Kunde also seinen Fahrspaß mit Zahlungen an international zertifizierte Klimaprojekte kompensieren. Mir klingt das viel zu katholisch.

Doch zurück zum Auto: Während die Karosserie des neuen Sportwagens mit Hightech wie elektrisch ausfahrenden Türgriffen glänzt und in weiten Teilen aus Aluminium besteht, orientiert sich Porsche im Innenraum an den Elfern der 1970er-Jahre. Denn wie einst prägt den Innenraum eine gerade, klare und weit zurückversetzte Instrumentenebene. Typisch Porsche ist, der zentral positionierte Drehzahlmesser. Ein Detail, das daran erinnert, dass Porsche einst ausschließlich für Sportwagen stand. Und ein Detail, das mir jedesmal ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn wir mit unserem 1986er Porsche unterwegs sind.

Mehr Bilder vom neuen Porsche 911

Ganz auf der Höhe der Zeit sind die Sicherheits- und Assistenzsysteme des neuen Sportwagens. Als Weltneuheit präsentiert Porsche den serienmäßigen „Wet Mode“. Wenn der aktuelle Elfer eine feuchte Fahrbahn erkennt, bietet der Sportwagen dem Fahrer eine besonders sicherheitsbewusste Abstimmung an. Als Option ist erstmals im 911 ein Nachtsichtassistent mit Wärmebildkamera lieferbar. Der 911 Carrera S kostet in Deutschland mindestens 120.125 Euro. Für den 911 Carrera 4S mit Allradantrieb liegt der Einstiegspreis bei 127.979 Euro.

Technische Daten zum neuen Porsche 911 S der achten Generation

  • Wassergekühlter Sechszylinder-Boxermotor in Hecklage; 450 PS (331 kW)
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 3,7 Sekunden – mit dem optionalen Sport Chrono-Paket 3,5 Sekunden
  • Kraftstoffverbrauch kombiniert 8,9 l/100 km (NEFZ)
  • CO2-Emissionen kombiniert 205 g/km
  • Grundpreis in Deutschland 120.125 Euro

 

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Der Porsche 911 der achte Generation ist da – Porsche stellte den Neuen in der vergangenen Nacht in Los Angeles vor.

Foto: Porsche


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