Audi Auto-Test, Fahrbericht, Probefahrt

Audi 100 2,5 TDI und Audi RS 5 TDI concept – 25 Jahre Dieselgeschichte an einem Nachmittag!

Audi RS5 TDI concept

Im vergangenen Jahr habe ich hier im Auto-Blog für echte Auto-Natives beschrieben, wie der Diesel mobil wurde. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu den heutigen Dieselfahrzeugen war der Audi 100 TDI. Mit der Limousine begann auf der IAA 1989 bei Audi das Zeitalter der Turbodiesel mit Direkteinspritzung und vollelektronischem Motormanagement. In diesem Jahr feiern die Ingolstädter das 25. TDI-Jubiläum. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht die Studie Audi RS 5 TDI concept. Ich bin beide gefahren: den klassischen Audi 100 und Audi RS5 TDI concept.

Vergleichen lassen sich beide Fahrzeuge im engeren Sinne nicht. Wer heute vor dem 25 Jahre alten Audi 100 steht, startet unwillkürlich das Kopfkino der eigenen Erinnerungen. Als Audi seinen ersten TDI vorstellte, fehlte Audi – in meinem persönlichen Wertekompass – das Sportliche. Dabei lag zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreiches Motorsport-Jahrzehnt hinter den Ingolstädtern.

1980 gewannen Willi Bergmeister und Hans-Joachim Nowak mit einem Audi 80 die Tourenwagen-Europameisterschaft. Zwei Jahre später sicherte sich Audi mit dem legendären Quattro erstmals die Markenwertung der Rallye-Weltmeisterschaft. 1983 und 1984 fuhren Hannu Mikkola und Stig Blomqvist im Gruppe-B-Boliden aus Bayern zum Titel des Rallye-Weltmeisters. Es folgten Siege beim „Race to the Clouds“ am Pikes Peak und Erfolge in der amerikanischen TransAm Serie.

1989 galt ein Audi nicht per se als sportlich

Eine Antwort darauf gibt der Audi 100 TDI vor dem Einsteigen. Beim Betrachten des Fahrzeugs gehen die Augen und die Erinnerungen nicht nur auf eine Zeitreise in das Jahr des Mauerfalls. Beim Debüt steckte der erste TDI nicht in einer neuen Karosserie. Stattdessen bot Audi den 5-Zylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung in einer sieben Jahre alten Limousine.

 

Audi 100 TDI 2,5 von 1989

Der Audi 100 TDI 2,5 von 1989 – der erste „TDI“ von Audi (Foto: Tom Schwede)

Zwei Jahre vor dem TDI verschob BMW die Bezugspunkte in der oberen Mittelklasse. Mit dem 5er der Baureihe E34 lies BMW die Herausforderer auf einen Schlag alt aussehen. Mit seiner strömungsgünstigen Karosserie führte Audi 100 die Form NSU Ro 80 fort. Wie der 5er interessanterweise ebenfalls ein Auto aus der Feder des Designers Claus Luthe.

Auch nach dem Einsteigen in den Audi 100 ändert sich die Beurteilung zunächst nicht. Die plüschigen Sitze und die Rahmenkopfstützen wirken ebenfalls nicht dynamisch, um es vorsichtig auszudrücken. Die Sitzposition ist – aus heutiger Sicht – gewöhnungsbedürftig. Die Schultern der Insassen liegen deutlich oberhalb der unteren Fensterkante. Die großen Glasflächen der strömungsgünstigen Karosserie ermöglichen einen weiten und uneingeschränkten Blick in die Umgebung. Dem Klassiker von 1989 fehlt dieser typische Charakter einer Trutzburg, den heutige Autos vermitteln.

Auch das Lenkrad sorgt für eine – aus heutiger Sicht – ungewöhnliche Sitzposition. Es war 1989 in der oberen Mittelklasse noch nicht verstellbar. Die Sitze erinnern als Kinosessel. Hilfreich ist, dass sie elektrisch verstellbar sind. Genauso wie die – aus heutiger Sicht – winzigen Außenspiegel. Ob der zweite Außenspiegel, den mein Testwagen hat, 1989 ein Extra war?

Fensterheber im Audi 100 TDI 2,5

Die Fensterheber im Audi 100 TDI 2,5 von 1989

Meine Hände greifen zum großen Kunststofflenkrad mit vier Speichen. Das lässt Erinnerungen an die Werbespots, in denen Audi mit Streichholzschachteln das Gurtstraffungssystem procon-ten erklärte, hochkommen. Ich frage mich, ob Audi 1989 einen Airbag an Bord hatte, verdränge diesen Gedanken aber schnell wieder. Wenn das ein Argument wäre, dürfte ich mit meinem klassischen Mini nicht am Straßenverkehr teilnehmen.

Mit dem Start des Audi 100 2,5 TDI ändert sich der Eindruck

Kurz vorglühen, der 2,5 Liter große Motor startet sofort. Im Vergleich zu heutigen TDI-Motoren klingt hier alles mehr nach Diesel. Der Urvater der Audi-TDI-Motoren nagelt noch „richtig“. Ich betätige die Kupplung, will endlich sehen, wie sich 1989 die obere Mittelklasse auf der Straße anfühlte. Der lange Kupplungsweg erinnert mich an den VW Golf GTD, den Christian fuhr. Das ist, wie nach Hause kommen.

Motor im Audi 100 TDI 2,5

Der Motor im Audi 100 TDI 2,5, der erste TDI bei Audi (Foto: Tom Schwede)

Die 120 PS leistet der Direkteinspritzer, stellt bei 2.250 Umdrehungen pro Minute ein Drehmoment von 265 Nm zur Verfügung. Das war 1989 für einen Diesel ein Quantensprung. Die Fahrt im Klassiker fühlt sich nicht nach einer so weiten Zeitreise an, wie das Äußere und die Sitzposition es zuvor vermuten ließen. Erinnerungen an die Creme 21 werden wach. Ich stelle mir vorstellen, dass der Audi 100 2,5 TDI dort eine gute Figur machen würde. Frage mich, ob ich noch diesen Cordanzug aus meiner Lehrzeit habe. Der wäre das perfekte zeitgenössische Outfit für einen Ausflug mit dem TDI bei diesem automobilen Kindergeburtstag.

Beim Fotostopp in der Weite Südschwedens spricht mich ein älterer Herr an. Beim Erblicken des Audis hatte er seinen wenige Wochen alten Volvo XC60 hektisch am Straßenrand geparkt. Fast 400.000 Kilometer sei er als Außendienst-Mitarbeiter eines Bauunternehmens mit dem Audi 100 auf Schwedens Straßen unterwegs gewesen. Sein Fazit ist eindeutig: „Das waren noch Autos!“ – dem ist wenig hinzuzusetzen. Nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt meiner kurzen Testfahrt überkommt mich eine gewisse Wehmut. Ich parke den Audi 100 2,5 TDI und wechsle aus der Vergangenheit in die Zukunft Gegenwart.

Wie fühlt sich der Fortschritt des Audi RS5 TDI concept an?

Audi hat mich eingeladen, auch den Audi RS 5 TDI concept auszuprobieren. Schon die äußere Form verdeutlicht die Entwicklung der Marke Audi. Das Coupé ist, da gibt es keinen Zweifel, sportlich attraktiv. Nach dem Einsteigen stellt sich unmittelbar das Gefühl ein, in einem Kokon zu sitzen. Der direkte Umstieg aus dem Audi 100 macht deutlich, wie viel tiefer wir heute in unseren Autos sitzen. Wir sitzen nicht mehr auf dem „Bock“, wir sind ein Teil von ihm, sind mit unseren Autos verwachsen.

Parallel sind in den vergangenen 25 Jahren die Leistungen förmlich „explodiert“. Statt 120 PS stehen im Audi RS 5 TDI concept 385 PS zur Verfügung. Die Kurbelwelle des drei Liter großen V6 stemmt zwischen 1.250 und 2.000 Umdrehungen pro Minuten satte 750 Nm Drehmoment. Dabei hilft alles, was den Dieselmotor in den vergangenen 25 Jahren weiterentwicklet hat.

Audi RS 5 TDI concept

Aufbau des Audi RS 5 TDI concept (Skizze: Audi)

Den vorläufigen Schlusspunkt dieser Entwicklung setzt Audi mit einem zusätzlichen elektrischen Verdichter. Neben zwei Abgasturboladern verfügt der RS 5 TDI concept über einen zusätzlichen Lader, dessen Antrieb ein Elektromotor übernimmt. Das sorgt dafür, dass dieser Turbodiesel kein Turboloch mehr kennt. Denn beim Anfahren setzt der elektrische Verdichter den V6 unter Druck – unabhängig vom Druck der Abgase. Damit das funktioniert, hat Audi dem RS 5 TDI ein Teilstromnetz mit 48 Volt verpasst. Mit 12 Volt wäre die zusätzliche Turbine nicht realisierbar.

Wer mit dem Audi RS 5 TDI concept beschleunigt, kann in rund vier Sekunden Tempo 100 erreichen. Das reicht, um einem 560PS starken Audi RS 6 beim Anfahren ein paar Meter abzunehmen. Der RS 6 benötigt tatsächlich etwas Anlauf, um den Diesel abzuhängen, wie unser kurzes Video schön zeigt.

Der Elektromotor beschleunigt den zusätzlichen Lader innerhalb von 250 Millisekunden auf die volle Drehzahl. Das ist nicht nur beim Kavalierstart an der Ampel hilfreich. Auch nach einem Schaltvorgang, wenn die Drehzahl des Motors naturgemäß absinkt, sorgt der Elektroturbo für zusätzlichen Druck und verbessert die Elastizitätswerte.

Audi hat auch den Monoturbo des Audi A6 TDI mit einem elektrischen Zusatzlader bestückt. Das Serienmodell benötigt im sechsten Gang für den Sprint von 60 auf 120 Kilometer pro Stunde gute 13,7 Sekunden. Im Konzeptfahrzeug vergehen dank des Zusatzladers nur 8,3 Sekunden. Das ist fast schon waffenscheinpflichtig, macht aber eine Menge Spaß.

1 Kommentar

  1. Pinkback: Audi SQ7 TDI – Der Star ist der Motor: 435 PS Leistung, 900 Nm Drehmoment - 1300ccm.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *