Audi Fahrberichte

Test Audi A1 1.4 TFSI COD – die Quadratur des Kreises

Audi A1 1.4 TFSI COD

Audi frischt seinen Kleinsten auf. Nach vier Jahren Laufzeit und mehr als 500.000 Kunden aktualisiert Audi sein Einstiegsmodell. Neue Farben, die Audi jetzt im A1 anbietet, sowie einige geänderte Ausstattungsdetails sind die übliche Anpassung an den Zeitgeist. Die größten Veränderungen gibt es unter der Motorhaube. Erstmals, seit zu den vier Ringen auch vier Takte schlagen, bietet Audi im A1 Dreizylinder-Motoren an. Dazu gibt es einen Vierzylinder, der bei Bedarf als Zweizylinder arbeitet.

„cylinder on demand“ nennt Audi das

Die Bezeichnung erinnert an Bücher, die nur auf Bestellung den Weg aufs Papier finden. Oder an TV-Unterhaltung, die der Kunde unabhängig von einer seriellen Programmplanung sehen kann. Dieser Logik folgt der 1,4 Liter große Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung. Beim Gleiten reichen dem Audi A1 1,4 COD („cylinder on demand“) zwei der vier Zylinder für den Vortrieb locker aus. Audi macht das an technischen Indikatoren fest. Wenn der Fahrzustand weniger als 100 Newtonmeter Drehmoment verlangt, schaltet die Technik zwischen 1.400 und 4000 Umdrehungen pro Minute die Zylinder zwei und drei ab.

Die Regelung übernimmt die elektromagnetische Nockenwellenverstellung. Zur Abschaltung der Zylinder schiebt sie spezielle Nullhubnocken über die Ventile. Das sorgt dafür, dass die Ventile geschlossen bleiben. Zudem werden Einspritzung und Zündung der inneren Zylinder deaktiviert. Die Maschine läuft als Zweizylinder. Wenn mehr Kraft gefordert ist, weil Audis Kleinster zum Überholen ansetzt, schalten sich die beiden Verbrennungseinheiten innerhalb von Millisekunden wieder zu. Die Nockenwellenverstellung aktiviert wieder die Standardnocken. Der Bedarf ist da und die Maschine liefert: „cylinder on demand“. 150 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment leistet das 1,4 Liter große Aggregat mit vier Zylindern dann.

Neu ist die Idee der Zylinderabschaltung nicht. In größeren Fahrzeugklassen und – vor allem – bei größeren Motoren mit sechs oder gar mehr Zylindern ist die Abschaltung von Zylindern bereits gängige Praxis. Bei Vierzylindern ist das Prinzip bislang selten. Zu groß war wohl bisher die Angst der Konstrukteure vor einem unruhigen Lauf. Denn der stellt sich unweigerlich ein, wenn der Abstand zwischen den Zündungen größer wird. Gegenläufige Ausgleichswellen sind ein probates Mittel zur Wiederherstellung der Ruhe. Doch deren Antrieb frisst einen Teil des Vorteils der Zylinderabschaltung wieder auf. Denn Ziel der Bemühungen ist das Sparen von Kraftstoff. Insofern erinnert die Abschaltung von Zylindern bei einem Vierzylindermotor fast an die Quadratur des Kreises.

Audi ist sie mit dem Audi A1 1,4 TFSI COD scheinbar gelungen. Denn auf meiner Testfahrt in den Seealpen habe ich den A1 COD zumindest akustisch als einen extrem ruhigen Gefährten kennengelernt. Weder das Abschalten noch das spontane Zuschalten von Zylindern ist wirklich wahrnehmbar. Audi hat auf eine Anzeige, wie viele Zylinder gerade laufen, verzichtet. Wer wissen will, wie viele Zylinder gerade laufen, muss ganz genau hinhören. Der ungewöhnliche Zündabstand von 360 Grad ist nur für geübte Ohren zu erkennen.

Audi A1 1.4 TFSI COD

Neue Stoßstangen machen den aktualisierten A1 circa zwei Zentimeter länger. (Foto: Audi)

Ziel der Bemühungen ist natürlich das Sparen von Kraftstoff. Wer mit einem besonders leichten Gasfuss unterwegs ist, kann dank COD bis zu 20 Prozent Kraftstoff sparen. Der Normverbrauch bestätigt das nicht ganz. Audi spricht hier davon, dass das COD-System den NEFZ-Verbrauch um etwa 0,4 Liter pro 100 Kilometer senkt. Der offizielle NEFZ-Wert des Audi A1 1,4 TFSI COD beträgt 4,7 Liter Benzin. Das freut den Kunden nicht nur an der Tankstelle, sondern auch bei der Steuereinstufung. Denn mit dem Verbrauch reduziert sich auch der für die Steuer inzwischen maßgebliche Co2-Ausstoß. 109 Gramm pro Kilometer sind es jetzt.

Der Audi A1 1.4 TFSI COD ist also ein Benzinsparer.

Freilich keiner, der dauerhaft einen Verzicht auf Sportlichkeit erfordert. Denn die Leistungsentfaltung des 1,4 Liter großen Triebwerks macht – unter Berücksichtigung der Motorengröße – Spaß. Die Sportfahrer unter den Lesern können sich beruhigt zurücklegen. Aber bei der Testfahrt erwies sich der COD in allen Verkehrssituationen als völlig ausreichend motorisiert. Ganz wichtig war, dass das Abschalten der Zylinder keine Verzögerung verursacht.

Ich habe das während des Tests des Audi A1 1,4 TFSI COD mehrfach ausprobiert. Dazu bin ich mit einer konstanten Drehzahl von 1.800 Umdrehungen dahingerollt und habe plötzlich beschleunigt. Das Kommando des Gaspedals wird einfach umgesetzt. Die zwei zuvor abgeschalteten Zylinder schalten sich automatisch dazu. Das passiert ohne, dass der Fahrer das spürt. Die Zylinder beziehungsweise ihre Leistung ist beim Beschleunigen einfach da. Es gibt kein – gefühltes – „Turboloch“ „Zylinderloch“.

Die Karosserie seines Einstiegsmodells hat Audi nur gering modifiziert. Hier und da haben die Ingolstädter einen Akzent anders gesetzt. Dazu gibt es neue Farben für den Lack oder die Polster sowie ein paar neue Felgen. Den Trend zur Individualisierung bedient Audi mit dem Angebot, den Dachbogen oder beim Sportback das ganze Dach in einer Kontrastfarben zu lackieren. Mit Schwarz, Silber, Grau und Weiß (nur A1, nicht Sportback) stehen dabei vier Farben ur Auswahl. Modellaufwertung heißen diese Auffrischungen heute. Den Begriff „Facelift“, der dafür früher die übliche Vokabel war, vermeiden die Hersteller inzwischen.

Nicht geändert hat sich, dass ich trotz meiner überdurchschnittlichen Körpermaße auch im kleinsten Audi bequem Platz finde. Hinter mir kann zwar niemand mehr sitzen. Aber das ist bei einem Kleinwagen auch nicht zu erwarten, schließlich wollen meine knapp zwei Meter auch in einem 3,98 Meter langen Auto verstaut werden. Mit jedem Meter, den ich mit dem A1 zurücklege, festigt sich meine Meinung: So geht Mini heute!

Vier von fünf Kunden des Audi A1 sind vorher nicht Audi gefahren. Ich wäre dann eher der Fünfte. Denn angesichts des dichten Verkehrs im Ruhrgebiet ist der COD ein attraktives Angebot. Er spricht mich gedanklich einfach mehr an als ein Dreizylinder. Ich widerstehe im Fall des Audi A1 auch der sportlichen 192 PS-Variante des Kleinwagens. Audi bietet diesen Motor, anders als Volkswagen im Polo GTI, nicht als Handschalter an. Das nimmt der 192-PS-Variante etwas vom Reiz und macht den Widerstand einfach. Wer sein Auto rational auswählt, der ist mit dem Audi A1 1.4 TFSI COD gut beraten.


Audi A1 1.4 TFSI CODInfos zum Titelbild:
Audi A1 1.4 TFSI COD (Foto: Audi)
Audi A1 1.4 TFSI COD
 

3 Kommentare

  1. Ich wüsste ja gerne mal ob diese ganze Rechnung für den Kunden wirklich aufgeht…man knallt immer mehr Technik in den Motorraum, gefühlt eine Ausgleichswelle für die Ausgleichswelle damit die Ausgleichswelle ausgeglichen ist…
    Zwar ist der Wankelmotor schon lange Tot, aber hier würde ich gerne Felix Wankel zu rate ziehen der schon damals wusste das viele bewegliche Teile auch viel Verschleiß bedeuten.
    Und trotz neuer Materialien und Verfahren, die den Verschleiß mindern mögen, möchte ich beinahe wetten, dass man einen Schaden im System hat und alles jemals gesparte Geld durch diese Technik steckt dann auf einen Schlag in der Reparatur…
    Aber auf dem Papier siehts ja nett aus…

    • Die Gedanken zur Anzahl der Teile spielen heute immer mit. Mein Opa sagte auch, was nicht da ist, das verursacht auch keinen Defekt. Auf der anderen Seite fand ich beim Fahren wirklich interessant, wie gut das funktioniert hat. Denn wenn ich bei meinem historischen Mini mal einen (!) Zündkerzenstecker ziehe, dann wird es schon ziemlich unruhig. Möchte mir nicht vorstellen, wie der mit zwei gezogenen Zündkerzensteckern klingt. Auch wenn das natürlich hinkt, weil die Zylinder dann immer noch Gemisch ansaugen.

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