Mit dem neuen Volvo XC 40 stellt der schwedische Autobauer Volvo erstmals einen kompakten SUV vor. In Kürze steht der Neue bei den deutschen Volvo-Händlern. Ich war mit dem Volvo XC40 bereits vorab auf Probefahrt.

Volvo hat seine Modellpalette in den vergangenen Jahren mit einer beeindruckenden Konsequenz neu ausgerichtet. Mit dem großen und luxuriösen XC90 gehörten die Schweden schon 2002 zu den Trendsettern der SUV-Welle. 2008 folgte mit dem kleineren Volvo XC60 ein weiterer SUV. Mit der zweiten Generation des XC90 richtete Volvo vor zwei Jahren sein Design neu aus. Für den neuen XC90 schuf Volvo eine Plattform, die zu den flexibelsten Baukästen der Autoindustrie gehört.

Die „Skalierbare Produkt-Architektur (SPA)“ des schwedischen Autobauers ist extrem flexibel. Auf ihrer Grundlage entstehen inzwischen nicht nur die SUV XC90 und XC60, sondern mit Volvo V90 und S90 auch ein Kombi und eine Limousine. Mit der neuen kompakten Modular-Architektur (CMA) überträgt Volvo das Prinzip SPA in die Kompaktklasse. Auf der Grundlage CMA nimmt der Volvo XC40 vieles vorweg, was in Zukunft auch die Nachfolger der V40-Baureihe beflügeln soll.

Volvo XC40 und seine private Carsharing-Funktion

Dank einer privaten Carsharing-Funktion können Freunde und Familie oder die Mitarbeiter eines Unternehmens „ihren“ Volvo XC40 unkompliziert teilen. Im Laufe des nächsten Jahres strebt Volvo die Marktreife dieser Funktion an. Im Rahmen der internationalen Pressevorstellung des neuen XC40 konnte das Teilen des Volvo trotzdem bereits jetzt bereits ausprobieren. Dreh- und Angelpunkt der gemeinsamen Fahrzeugnutzung ist die Plattform „Volvo on Call“ (VoC).

Tom Schwede und der neue Volvo XC40.
Tom und der neue Volvo XC40 – zwei Schweden auf einem Bild (Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Dieses System entstand ursprünglich bereits 2001, um Hilfe bei einer Panne oder einem Unfall zu organisieren. Inzwischen ist „Volvo on Call“ ein vollständiges Telematiksystem. Über die VoC-App greifen Volvo-Kunden auf Daten aus ihrem Auto zu. Dazu gehören der aktuelle Kraftstoffstand, ein digitales Fahrtenbuch oder Wartungsmeldungen. Zudem lässt sich das Auto mit der App aus der Ferne ver- und entriegeln oder das Navigationssystem programmieren.

Volvo on Call als Grundlage für das private Carsharing!

Im neuen Volvo XC40 ist „Volvo on Call“ serienmäßig an Bord und die Grundlage für die private Carsharing-Funktion. Das Interessante daran ist, dass der klassische Auto-Schlüssel nicht an Bord sein muss, um den XC40 zu fahren. Der Schlüssel der Mitfahrer ist ebenfalls die Smartphone-App. Über diese reservieren sie das Auto. Selbstverständlich kann der Fahrzeugbesitzer entscheiden, wer wann das Auto nutzen darf.

Liegt die Zustimmung vor, weist die App dem Mitnutzer den Weg zu Volvo. Dank des eingebauten GPS-Satellitensystems weiß „Volvo on Call“ wo der Volvo XC40 steht und navigiert die Mitfahrer zum Auto. Lustig fand ich die Möglichkeit, den Volvo über die App auf einem Parkplatz hupen zu lassen. Beim Zugang zum Auto nutzt das System die Funktion, mit der auch Mitarbeiter von Lieferdiensten den SUV öffnen können, wenn sie Poststücke im Kofferraum ablegen.

Mit der Volvo on Call App können mehrere Nutzer den XC40 teilen.
Mit der Volvo on Call App können mehrere Nutzer den XC40 teilen.
Der Fahrzeugeigner gibt den Leihvorgang frei.
Der Fahrzeugeigner gibt den Leihvorgang frei.
Die App wird dabei zum Universalschlüssel des XC40 und sagt, wo der Volvo steht.
Die App wird dabei zum Universalschlüssel des XC40 und sagt, wo der Volvo steht.
Über die App lässt sich auch das Navi des XC40 programmieren.
Über die App lässt sich auch das Navi des XC40 programmieren.

Doch anders als Post- oder Paketboten bekommen die Mitglieder der privaten Carsharing-Gemeinschaft auch Zugang zum Innenraum und dürfen den XC40 starten. Ich habe das System zusammen mit Lisa Schwarz, in deren Blog hyyperlic.com ihr eine umfangreiche Bildergalerie zum Volvo XC40 findet, ausprobiert. Lisa übernahm die Rolle der Eigentümerin des Fahrzeugs. Ich forderte zunächst die Leihe des Volvo bei ihr an.

Erst nach ihrer Zustimmung konnte ich den Volvo nutzen. Nach dem Ende der Fahrt stelle ich ab und verriegle den Volvo wieder über die App. Abgesehen von kleineren Schwächen bei der Lokalisierung des Autos funktionierte das Ganze im Test bereits problemlos. Die beim Test anwesenden Entwickler zeigten sich jedoch zuversichtlich, diese Probleme bis zum Marktstart des Systems im Jahr 2018 vollständig zu lösen.

Was kostet der neue Volvo XC40?

Zur Markteinführung ist der D4 AWD mit einem Preis von 44.800 Euro das Einstiegsmodell. Der von mir gefahrene Benziner kostet in der hochwertigen R-Design-Version mindestens 48.050 Euro. Wer sich bei der Ausstattung etwas beschränken kann, der ordert beim Benziner für 46.100 Euro die Ausstattungslinie Momentum. Mit dem für 2018 angekündigten Volvo XC40 T3 sinkt der Einstiegspreis auf 31.350 Euro. Für den ebenfalls angekündigten Plug-in-Hybrid sowie die in Aussicht gestellte reinelektrische Version des XC40 nennt Volvo noch keine Preise.

Wie fährt sich der neue Volvo XC40 T5 AWD?

Ich war auf meiner Probefahrt mit dem Volvo XC40 T5 AWD im R-Design unterwegs. T5 steht im Fall des XC40 für einen 247 PS (182 kW) kräftigen Zweiliter-Benzinmotor. Daneben ist zum Marktstart auch ein 190 PS starker Diesel lieferbar. Beide Motoren liefert Volvo ausschließlich mit Allradantrieb und einer Achtgang-Automatik aus. Der für 2018 angekündigte 156 PS starke XC40 T3 mit Dreizylinder-Benzinmotor treibt „nur“ die Vorderräder an und lässt sich manuell schalten.


Übersicht der im Volvo XC40 angebotenen Motoren (Stand 2017)

Benziner

  • Volvo XC40 T5 AWD, 182 kW / 247 PS, Vierzylinder, zwei Liter Hubraum, Achtgang-Automatik
  • Volvo XC40 T3, 115 kW / 156 PS, Dreizylinder, 1,5 Liter Hubraum, 6-Gang-Getriebe (ab 2018)

Diesel

  • Volvo XC40 D4 AWD, 140 kW / 190 PS, Vierzylinder, zwei Liter Hubraum, Achtgang-Automatik

Mit 247 PS ist der kompakte Volvo XC40 mehr als reichend motorisiert. Der Antrieb macht den 4,43 langen kompakten SUV zu einem agilen Stadtauto. Der Sprint auf das Landstraßentempo absolviert der Volvo in guten 6,5 Sekunden. Dank des serienmäßigen Allradantriebs macht der Volvo bei Bedarf trotz des eher straffen Fahrwerks auch abseits befestigter Wege oder als Zugfahrzeug eine gute Figur. Mit 2.100 Kilogram darf der XC40 auch etwas größere Boote ziehen.

Seitenansicht des neuen Volvo XC40 (2017)
Seitenansicht des neuen Volvo XC40 (2017) – Foto: Wolfgang Groeger-Meier

Der neue XC40 beherrscht bis zu einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde das teilautonome Fahren. Bei den Sicherheits- und Assistenzsystemen greift die CMA-Plattform offensichtlich auf die Ressourcen des größeren SPA-Baukastens zurück. Sichtbares Anzeigen ist das wie bei den großen Modellen senkrecht stehende Display. Auch die Armaturentafel ist vollständig digital. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Denn im Innenraum zeigt der XC40 mehr Mut zur Farbe als die gediegenen Fahrzeuge der oberen Mittelklasse.

Das wird bei vielen Details deutlich. Denn wer will, der bekommt die Teppiche des Autos in Orange. Sie bestehen im Testwagen übrigens aus Filz. Wobei Volvo ungewöhnlicherweise auch die Türen von innen mit Teppich auskleidet. Wo in den Modellen XC60 und XC90 edle Holz-Dekore für ein gediegenes Ambiente sorgen, setzt der XC40 zudem auf Aluminium oder Kunststoff. Lustig fand ich die Dekoreinlagen mit einem geprägten Stadtplan von Göteborg. Mit solchen Spielereien zeigt sich Volvo wie mit der kleinen schwedische Flagge auf dem linken Kotflügel heimatverbunden.

Fazit zum neuen Volvo XC40 (2017)

Von außen ist der neue Volvo XC40 ganz klar ein Volvo. Die Frontscheinwerfer lassen markentypisch „Thors Hammer“ erstrahlen. Das bullige Heck ähnelt dem größeren Volvo XC60. Trotzdem ist der kleinere XC40 für Volvo eher einen Cousin als ein kleiner Bruder der größeren Modelle. Denn wo die Großen Volvo auf gediegenen Luxus setzen, ist der „Kleinere“ eher ein Lifestyler.

Frontansicht des Volvo XC40
Frontansicht des Volvo XC40
Heckansicht des Volvo XC40
Heckansicht des Volvo XC40
Innenraum des Volvo XC40
Innenraum des Volvo XC40
Cockpit des Volvo XC40
Cockpit des Volvo XC40

Das sieht nach einem guten Weg aus, um sich in der hartumkämpften Kompaktklasse zu behaupten. Denn in der Kompaktklasse trifft der Volvo SUV auf starke Konkurrenz. Audi Q2, Skoda Karoq und VW T-ROC kenne ich von eigenen Probefahrten. Daneben trifft der XC40 aus Wettbewerber wie Mercedes GLA, BMW X1 oder den Mini Countryman. Volvo setzt dabei auf die eigene Stärke. Nach meinem ersten Eindruck positioniert Volvo den kompakten SUV genauso selbstbewusst wie souverän an der Spitze seines Marktsegments.

Mit der integrierten privaten Carsharing-Funktion spricht Volvo nicht nur Familien, sondern auch Unternehmen an. Das Ganze unterstützt ein innovatives Vertriebskonzept. Denn Volvo vertreibt den XC40 auch über einen Online-Shop. In diesem Shop lässt sich der SUV zum Pauschalpreis inklusive Steuern und Versicherung für 24 Monate mieten. Das ist ein Fingerzeig, wie sich Autohersteller zum Mobilitätsanbieter verändern.

Technische Daten des Volvo XC40 T5 AWD

  • Typ: Volvo XC40 T5 AWD
  • Motor: 4-Zylinder-Ottomotor
  • Emissionsklasse: Euro 6d
  • Getriebe: 8-Stufen Automatikgetriebe
  • Hubraum: 1.969 ccm
  • max. Leistung: 247 PS (182 kW) bei 5.500 1/min
  • max. Drehmoment: 350 Nm zwischen 1.800 und 4.800 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h

Gesamtwertung

Volvo XC40 T5 AWD (2017)

Volvo XC40 T5 AWD (2017)
9.7

Fahrspaß und Dynamik

10.0 /10

Preis-Leistung

9.8 /10

Sicherheits- und Assistenzsysteme

10.0 /10

Drivers Choice

9.0 /10

Gefällt mir

  • Integrierte Carsharing-Funktion
  • Hübsch

Gefällt mir nicht

  • Volvo hat selbstbewusste Preise

 

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Tom unterwegs im Volvo XC40 (2017)

Foto: Wolfgang Groeger-Meier