Passend zu den aktuell kalten Temperaturen war ich mit dem Volvo XC40 D4 AWD in den Alpen unterwegs. Beim Test des kompakten SUV aus Schweden feierte auf der Rossfeldpanoramastraße und einem Winter-Testgelände im österreichischen Faistenau meine persönlichen Winterspiele.

SUV sind weltweit eine Erfolgsgeschichte. Längst gilt das nicht nur in der Oberklasse. Mit dem neuen Volvo XC40 erweitert des auch der schwedische Autobauer Volvo sein Programm. Im vergangenen November konnte ich den neuen Schweden bereits ausführlich in südlicher Sonne fahren. Doch wie schlägt sich der SUV abseits befestigter Straßen? Was kann der Volvo XC40 auf Eis und Schnee. Am Lenkrad des Volvo XC40 D4 AWD probierte ich das intensiv aus.

Kürzlich probierten Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May in der Amazon TV-Serie „The Grand Tour“ einige SUV aus. Zum Testprogramm gehörte ein Ausflug auf eine Reitbahn. Als die Moderatoren mit den SUV zum Slalom antreten, geht das kräftig in die Hose. Denn im tiefen Geläuf schalteten mehrere SUV auf ein Notlaufprogramm um. Offensichtlich war der Allradantrieb dieser Testwagen den Herausforderungen dieser Geländefahrt nicht gewachsen.

Deshalb war ich gespannt, als Volvo anbot, den neuen Volvo XC 40 auf dem Winter-Testgelände im österreichischen Faistenau zu testen. Denn ich kenne das in der Nähe von Salzburg gelegene Testgelände bereits von anderen Wintertests. Zur weitläufigen Anlage gehören mehrere Handling-Strecken und große Dynamikflächen. Zudem gibt auf der von Lechner Racing betreuten Anlage steile Anstiege und Abfahrten.

Womit war ich bei dieser Testfahrt unterwegs?

Als Testwagen suche ich mir den Volvo XC40 D4 AWD aus. Beim spätsommerlichen Kennenlernen war ich bereits ausführlich mit dem 247 PS starken Benziner Volvo XC40 T5 AWD unterwegs. Insofern war der Alpen-Ausflug jetzt eine gute Gelegenheit, um den 190 PS starken Diesel kennenzulernen. Schließlich sind in dieser Fahrzeugklasse in Deutschland immer noch die Mehrzahl der verkauften Autos Selbstzünder. Daran hat auch das Negativimage, das der Diesel in meinen Augen fälschlicherweise hat, nichts geändert.

Zwei Schweden: Der Volvo XC40 D4 AWD und unser Autor Tom Schwede
Zwei „Schweden“: Der Volvo XC40 D4 AWD und unser Autor Tom Schwede

Volvo hat sein Modellprogramm in der jüngeren Vergangenheit intelligent modernisiert. Grundlage dabei war bisher die Volvo Scalable Product Architecture (SPA). Auf SPA basieren die großen SUV Volvo XC90 und Volvo XC60 sowie die Limousinen und Kombis der 90er und 60er-Baureihe. Mit der neuen CMA-Plattform (Compact Modular Architecture) übertragen die Schweden das Konzept jetzt auch in die Kompaktklasse. Der Volvo XC40 ist das erste in Europa verfügbare CMA-Fahrzeug. Im kommenden Jahr stellt Volvo die Modellreihen V40 und S40 auf CMA um.

Unter der Motorhaube des XC40 setzt Volvo bisher auf aus den größeren Brüdern bekannte Motoren. Die Motoren, die ich bisher im Volvo XC40 testen konnte, verfügen über zwei Liter Hubraum und vier Zylinder. Das ist inzwischen Standard bei Volvo. Der Umstieg war ein mutiger Schritt. Schließlich hatten die Fünfzylinder, die Volvo zuvor anbot, viele treue Fans. Doch der Mut zur Veränderung hat sich gelohnt, denn der schwedische Autobauer eilt von Rekord zu Rekord.

Hinter Volvo liegt das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte! So viele Autos wie 2017 haben noch nie die Volvo-Fabriken verlassen. Auch in Deutschland kommen die neuen Modelle gut an. Mehr als 40.000 Fahrzeuge brachten die deutschen Volvo-Händler im vergangenen Jahr auf die Straße. Bestseller war der Mittelklasse-SUV Volvo XC60. Der neue Volvo XC40 hat gute Chancen, um den positiven Lauf erfolgreich fortzusetzen. Zumal der Volvo offensichtlich auch jüngere Kunden für die Marke begeistern kann.

Wobei Volvo selbstbewusst das obere Ende der Klasse besetzt. Der XC40 glänzt mit einer hervorragend Verarbeitung. Serienmäßig sind markentypisch zahlreiche Assistenten und Sicherheitsfeatures an Bord. Dazu punktet Volvo zum Start des neuen kompakten SUV beim Antrieb. Denn sowohl der Benziner als auch der Diesel bringt seine Kraft über eine Achtgang-Automatik und alle vier Räder auf den Untergrund. Zumindest im Moment, denn der angekündigte Dreizylinder und ein „kleiner“ Diesel mit Vorderradantrieb stehen zum Start im März noch nicht bei den Händlern.

Bei den Allradern vertraut Volvo auf eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, um bei Bedarf auch die Hinterräder in die Antriebsarbeit einzubinden. Diese Kupplung basiert auf den Entwicklungen des schwedischen Autozulieferers Haldex. Doch der verkaufte das Geschäftsfeld rund um seine legendäre „Haldex-Kupplung“ an den Autozulieferer BorgWarner. Die Amerikaner haben das Geschäftsfeld erfolgreich ausgebaut. So stammt beispielsweise das Sperrdifferential im wunderbaren VW Golf GTI Performance von BorgWarner.

Wie schlägt sich der Volvo XC40 D4 AWD im Winter?

Ich übernehme den Volvo XC40 D4 AWD am Flughafen München. Über Landstraßen fahre ich zum Chiemsee. Bereits dort sind die Felder und Wiesen neben der Strecke mit einer dichten Schneedecke überzogen. Vom Chiemsee aus fahre ich weiter in Richtung Kitzbühl. In den Kitzbühler Alpen sind auch die Straßen teilweise mit Schneematsch bedeckt. Doch den kompakten Volvo interessiert das nicht besonders. Der XC40 erweist sich als angenehmer Reisebegleiter.

Die Achtgang-Automatik schaltet früh hoch. Dank der 400 Newtonmeter Drehmoment gleite ich angenehm entspannt durch den Chiemgau und durch Tirol. Selbst in den engen Serpentinen der Pass-Thurn-Straße schaltet die Automatik nicht zurück. Ich gleite durch die Landschaft. Ab Mittersill folgte ich dem Verlauf der Salzach. Auf einer leeren Landstraße probiere ich den serienmäßigen Spurhalteassistenten aus. Der heißt bei Volvo „Road Edge Detection“ und führt den XC40 wieder sanft in die Straßenmitte zurück.

Bei Zell am See orientiere ich mich wieder nach Norden, um über Lofer nach Berchtesgaden zu fahren. Dort gibt es die wunderbare die Rossfeldpanoramastraße. Ich ziehe ein Ticket und folge der etwas 16 Kilometer langen Strecke. Das ist zwar nicht die direkte Strecke. Doch heute ist primär der Weg das Ziel. Zudem ist das Rossfeld ein ideales Testgebiet. Mit maximal 1.570 Metern über Normalnull ist sie die höchste durchgehende Straße Deutschlands. Bei meinem Besuch ist die Straße ab circa 1.200 Höhenmetern mit einer dichten Schneedecke überzogen.

Mit dem Volvo XC40 D4 AWD unterwegs auf winterlichen Pisten
Mit dem Volvo XC40 D4 AWD unterwegs auf winterlichen Pisten

Doch weder die geschlossene Schneedecke noch die engen Kurven und die bis zu 13 Prozent Steigung der Strecke bringen den Volvo XC40 aus der Ruhe. Deswegen muss ich mich stark zusammennehmen, um nicht bereits hier den Grenzbereich des Volvos auszuloten. Denn natürlich weiß ich, dass hier einst das Salzbergrennen stattfand. Bei diesem Bergrennen traten bereits in den 1920er-Jahren Größen wie Rudolf Caracciola und Hans Stuck an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Rossfeldpanoramastraße Schauplatz eines bekannten Bergrennens. Als Rossfeldrennen zählte es viele Jahre zur Europa-Bergmeisterschaft. Trauriger Tiefpunkt war der tödliche Unfall des Italieners Ludovico Scarfiotti. Der Neffe des langjährigen FIAT-Präsidenten Gianni Agnelli verunglückte 1968 am Steuer eines Porsche 910 Bergspyder bei einem Trainingslauf. Mit Respekt passiere ich die Unfallstelle des Bergspezialisten.

Das Driften hebe ich mir für den nächsten Tag und das Winter-Testgelände in Faistenau auf. Im Hotel ziehe ich eine Zwischenbilanz. Insgesamt war ich mehr als 200 Kilometer mit dem Volvo unterwegs. Am Ende zeigt der Bordcomputer einen Spritverbrauch von rund sieben Litern an. Das ist angesichts des Leergewichts von 1.824 Kilogramm ein guter Wert. Zumal ich, wie immer auf solchen Testfahrten, auf dem Weg ziemlich häufig stoppe.

Und was kann der Volvo XC40 D4 AWD auf Eis und Schnee?

Am nächsten Morgen fahre ich vom Hotel in Berchtesgaden durch die winterliche Klamm hinüber nach Österreich. Schon beim Ausparken bewährt sich der Cross Traffic Alert. Denn der elektronische Helfer warnt mich vor einem Kleinbus mit Wintertouristen aus China, den ich aufgrund einer Unachtsamkeit fast übersehen hätte. In der Nacht hat es kräftig geschneit. Hinüber nach Österreich geht es teilweise über kleine noch nicht geräumte Straßen und Wege. Wie bereits am Vortrag erweist sich der Volvo XC40 dabei als souveränes Reiseauto, das alle Herausforderungen der Strecke ohne Probleme meistert.

Auch die Teststrecke bedeckt eine dichte Neuschneedecke. Doch der Neuschnee ist locker. Entsprechend schnell verdrängen die Räder den Schnee an den Rand der Strecke. Dabei wird deutlich, unter dem Schnee lauert das Eis. Im Wald lässt mich der Instruktor auf einer steilen Rampe stoppen. Er sieht von außen, dass ich mit allen vier Rädern auf blankem Eis stehe. Trotz den aktivierten Off-Road-Modus drehen die Räder beim Anfahren durch.

Dank des Off-Road-Mous meistert der Volvo XC40 D4 AWD auch das Anfahren am Berg.
Mit dem Off-Road-Mous gelingt im Volvo XC40 D4 AWD auch das Anfahren am verschneiten und vereisten Berg.

So komme ich nicht vorwärts. Also lasse ich den Volvo zurückrollen, damit der SUV etwas tiefer wieder Halt findet. Dank des Off-Road-Modus, der die Antriebskraft starr im Verhältnis 50:50 auf Vorder- und Hinterachse verteilt, gelingt diesmal das Anfahren. Sanft zieht sich der Volvo den verschneiten und vereisten Berg hinauf. Doch Bergfreunde wissen, nach dem Aufstieg folgt die Abfahrt. Auch die meistert der Volvo XC40 dank seiner Bergabfahrhilfe ohne Probleme.

Anschließend geht es in einen Slalomparcours. Auch hier wechseln sich Eis und Schnee ab. Über ein Funkgerät bin ich mit Walter Lechner Junior verbunden. Der ehemalige Rennprofi beobachtet die Fahrt von außen und gibt über das Funkgerät Tipps. „Da musst Du etwas eher aufs Gas steigen, dann schwenkt das Heck aus.“ Schon am nächsten Tor beherzige ich den Tipp. Diesmal zirkle ich den Volvo XC40 mit einem sanften Drift-Schwung durch das Slalom-Tor. Auch der Gegenschwung vor dem nächsten Tor sitzt.

Deshalb beschließe ich, den Testwagen fortan Ingemar Stenmark zu nennen. Denn bevor die „Legende aus Tärnaby“ den alpinen Ski-Zirkus aufmischte, galten Wintersportler aus Schweden als nur in den nordischen Disziplinen stark. Doch Stenmark widerlegte das Vorurteil nachhaltig. Beim Volvo XC40 ist es ähnlich. Vor dem Test in Faistenau hätte ich nicht erwartet, dass ich mit einem SUV so driften kann, wie mir das mit dem Volvo gelingt.

Fazit zum Volvo XC40 D4 AWD

Auf dem Winter-Testgelände widerlegt der kompakte SUV von Volvo viele Vorurteile. Denn dank des Off-Road-Modus meistere ich auch steile vereiste Passagen. Zudem lässt es sich mit dem Volvo XC40 überraschend gut driften. Das hätte ich so nicht erwartet. Doch seine wahre Stärke hat der SUV bereits am Vortag ausgespielt. Denn trotz der langen Fahrt komme ich entspannt und vergleichsweise ausgeruht am Ziel an. Der kompakte SUV ist ein angenehmer Reisebegleiter.

Insofern ist das Fazit einfach: Der Volvo XC40 D4 AWD ist komfortabel, dank vieler Ablagen praktisch und lässt sich durchaus sparsam bewegen. Dazu bleibt sich Volvo auch in der Kompaktklasse mit einer markentypischen umfangreichen Sicherheitsausstattung treu. Dass der XC40 dann auch noch driften kann, ist nur der Tüpfel auf dem i.


Technische Daten zum Testwagen:

  • Typ: Volvo XC40 D4 AWD (Ausstattungslinie Momentum)
  • Grundpreis: 44.800 Euro (2/2018)
  • Motor: Reihen-Vierzylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung und Bi-Abgasturbolader
  • Emissionsklasse: EU6d-TEMP
  • Getriebe: 8-Gang-Automatikgetriebe (Geartronic)
  • Hubraum: 1.969 ccm
  • max. Leistung: 190 PS (140 kW) bei 4.000 1/min
  • max. Drehmoment: 400 Nm bei 1.750 bis 2.500 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
  • Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert): 5,1 l Diesel (Reifenklasse B)
  • CO2-Emission (kombiniert): 135 g/km (Reifenklasse B)

 

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Tom Schwede unterwegs mit dem Volvo XC40 D4 AWD auf Eis und Schnee

Alle Fotos auf dieser Seite: Bernhard Limburger für Volvo