Es gibt Testfahrten, die erinnern daran, wie es ist, nach langer Zeit nach Hause zu kommen. Meine Probefahrt mit dem Mazda 6 war so ein Fall. Denn zu den Autos meiner Jugend gehören nicht nur Mercedes, Jaguar und Porsche. Irgendwie gehört auch Mazda dazu. Denn mein Vater fuhr ab 1982 ein Mazda 929 Coupé. Inzwischen sind mehr als 30 Jahre vergangen. Daher ist die Probefahrt mit dem Mazda 6 auch eine gute Gelegenheit, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Für meinen Test des Mazda6 stand mir die Limousine zur Verfügung. Privat bin ich Kombifreund. Daher lag die Versuchung nahe, den Mazda6 als Kombi zu testen. Doch schließlich habe ich mich für den 4-Türer entschieden. Ich wollte mich einmal fühlen, wie die zahlreichen Handlungsreisenden, die auf dem Weg zum Kunden keine Musterkoffer transportieren müssen.

Denn in meinen Augen ist der Mazda6 für die Zielgruppe der dynamischen Vielfahrer, die wir alle von den Autobahnen kennen, eine echte Alternative. Zumal der aktuelle Mazda6 jünger und moderner als seine Wettbewerber in der Mittelklasse ist. Schließlich stehen die aktuellen Generationen des Audi A4 (seit 2007), des Opel Insignia (seit 2008) und des VW Passat (seit 2010) alle schon etwas länger bei den Händlern. Die aktuelle Generation des Mazda6 ist erst seit Februar 2013 verfügbar.

Mazda6 oder der Vorteil der Größe

Zudem überragt der Mazda6 mit einer Länge von 4,86 Metern seine Wettbewerber deutlich. Der Opel Insignia kommt ihm mit einer Länge von 4,83 Metern noch am Nächsten. Beim VW Passat fehlen mit einer Länge von 4,76 Metern genau zehn Zentimeter. Der 4,70 Meter lange Audi A4 ist schon satte 16 Zentimetern kürzer als der Mazda. Dieser Größenvorteil ist im Innenraum des Mazda6 deutlich zu spüren.

Mazda6 SKYACTIV-G 145
Mazda6 SKYACTIV-G 145 im Schlosspark (Foto: Moitz Nolte)

Selbst hinter mir, der mit seiner Körperlänge etwas über dem Normmaß liegt, finden auch Erwachsene bequem Platz. Die Länge des Mazda6 macht sich auch im Kofferraum bemerkbar. Das Ladevolumen der Limousine, die übrigens länger als der ebenfalls angebotene Kombi ist, beträgt 489 Liter. Der flachen und geduckten Form des Fahrzeugs geschuldet, fehlt dem Kofferraum etwas an Höhe. Das Ladeabteil überzeugt eher mit der Tiefe des Raums.

Trotzdem erinnert mich besonders der große Kofferraum das Coupé des Mazda 929. Denn auch mein – zugegeben – sehr persönlicher Referenzpunkt überzeugte im Heck mit einem großen Ladebereich. Dabei war – so kann die Erinnerung täuschen – das damalige Mazda-Spitzenmodell mehr als 20 Zentimeter kürzer als der aktuelle Mazda6. Und eine Ladekante auf Hüfthöhe, wie es vor 30 Jahren beim Mazda 929 der Fall war, ist heute auch undenkbar.

Besonders deutlich wird der Fortschritt beim Antrieb

Vor 32 Jahren hatte das Top-Modell des Hauses eine Literleistung von 45 PS. Das Zwei-Liter-Aggregat des Mazda 929 verfügte über ziemlich bescheidene 90 Vergaser-PS. Heute leistet schon der Basismotor des Mazda6 bereits 145 PS – erzeugt von einem zwei Liter großen Benzinmotor mit Direkteinspritzung.

Motor im Mazda6 SKYACTIV-G 145
Motor des Mazda6 SKYACTIV-G 145

Ausgerüstet mit einem serienmäßigen 6-Gang-Schaltgetriebe ist der Motor relativ sparsam. Auch wenn ich auf meiner Probefahrt mit 6,3 Litern für 100 Kilometer den Normverbrauch von 5,5 Litern nicht bestätigen konnte. Das ist für einen Benzinmotor ein sehr guter Wert.

Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ich mit dem Mazda6 extrem viel im Stau gestanden habe. Zum Ergebnis trägt auch die Start-Stop-Automatik bei. Sie schaltet beim Halt an der Ampel oder im Stau den Motor konsequent aus. Wer es noch günstiger will, muss zum Diesel greifen.

Während der Ruhephase zeigt der Mazda6 mit einer Uhr die Zeit an, die der Motor aus war. Interessant, dass sich die Designer nicht nur für die aktuelle Stoppzeit entschieden haben. Wer will, der hat auch die gesamte Stoppzeit des Motors im Blick. Was auf mich eher frustrierend gewirkt hat. Denn während meiner rund 1.500 Test-Kilometer ist der Motor fast zwei Stunden nicht gelaufen!

Zum Fortsetzen des Motorlaufs reicht ein Tritt auf die Kupplung. Wer will, kann dann mit dem Mazda6 und diesem Motor eine Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h erreichen. Dieses Unterfangen erfordert allerdings etwas Anlauf und ein konsequentes Ausdrehen der Gänge. Denn das 6-Gang-Getriebe ist – ganz im Sinne des Benzinverbrauchs – sehr lang ausgelegt.

Wobei die Übersetzungen der Gänge gut gespreizt sind. Es gibt beim Schalten kein plötzliches Loch, das den Vortrieb bremst. Der Anschluss der Gänge passt eigentlich immer, auch wenn die Führung der Gänge besser ausfallen könnte. Zusammen mit der gelungenen Abstimmung des Fahrwerks das zum positiven Fahreindruck bei. Wer will kann mit dem großen Mazda erstaunlich leichtfüssig unterwegs sein.

Umfangreiche Ausstattung auch für den Basismotor verfügbar

Besonders angenehm ist die Geräuschkulisse. Der Mazda6 ist selbst bei höheren Geschwindigkeiten von mehr als 160 km/h angenehm leise. Auch in dieser Disziplin wird deutlich, der Mazda6 hat das Zeug zum Kilometerfresser für Handlungsreisende. Zumal der Japaner dabei viel Komfort bietet. Schon die für 24.990 Euro angebotene Mazda6-Basisversion „Prime-Line“ verfügt über eine Klimaanlage, die Start-Stop-Automatik sowie einen Transponderschlüssel mit integrierter Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung.

Ich war mit der sogenannten „Center-Line“ unterwegs. Dieses Ausstattungspaket kostet einen Aufpreis 2.200 Euro und stellt die Sicherheit in den Mittelpunkt. Denn zum Paket gehören unter anderem:

  • City-Notbremsassistent (den ich nicht testen musste)
  • Lichtsensor mit automatischer Lichtsteuerung
  • Nebelscheinwerfer
  • Regensensor für die vorderen Scheibenwischer
  • Automatisch abblendenden Innenspiegel
  • Geschwindigkeitsbegrenzer mit frei wählbarer Höchstgeschwindigkeit

Für das Komfortgefühl umfasst das Paket zudem unter anderem:

Lenkrad Mazda6 SKYACTIV-G 145
Das Cockpit des Mazda6 SKYACTIV-G 145
  • Klimatisierungsautomatik mit getrennter Temperatureinstellung links und rechts
  • Geschwindigkeitsregelanlage
  • 14,7 cm (5,8 Zoll) Farb-Touchscreen mit Multi Commander
  • Freisprecheinrichtung mit Sprachsteuerung und mit Audio-Streaming über Bluetooth
  • 3-Speichen-Sport-Lederlenkrad mit Lenkradbedientasten für das Soundsystem, den Bordcomputer und die Geschwindigkeitsregelanlage
  • Lederschaltknauf und -handbremsgriff
  • elektrisch anklappbare Außenspiegel

Dabei hat mir besonders die Klimaautomatik gefallen. Denn sie arbeitet im Mazda6 weitestgehend zugfrei und unauffällig. Die Bedienung des Bordcomputers ist im Wesentlichen intuitiv. Die Kopplung des Soundsystems gelang sowohl mit dem iphone von Apple als auch einem Andriod-Smartphone über Bluetooth sofort.

Weitere Extras bietet Mazda mit dem „höchsten“ Ausstattungspaket „Sports-Line“, das nicht mit dem 145PS-Motor kombiniert werden kann. Doch dank des optionalen Touring- und des Technik-Pakets lässt sich auch die Center-Line des Mazda6 in Vollausstattung fahren. Zum Touring-Paket gehören dann die sinnvolle Einparkhilfe (vorne und hinten) sowie ein Spurwechselassistent und die Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer.

Mazda6 SKYACTIV-G 145
Mazda6 SKYACTIV-G 145 Center-Line mit der Zusatzausstattung Technik-Paket

Das Technik-Paket umfasst Bi-Xenon Hauptscheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht, automatischer Leuchtweitenregulierung und LED-Tagfahrlicht. Dazu kommen noch eine Scheinwerferreinigungsanlage und ein Spurhalteassistent, der beim Verlassen der Fahrspur mit einem Brummgeräusch warnt. Insgesamt schlägt der Mazda6, wenn er so ausgestattet sein soll wie mein Testwagen, dann mit rund 30.500 Euro zu Buche.

Das ist zwar kein Schnäppchen, aber durchaus angemessen!

Denn der Mazda6 bietet für das Geld einen sehr souveränen Gegenwert. Angenehm, dass Mazda auch den Basismotor mit einer vollständigen Ausstattung kombiniert. Da muss es nicht, wie bei anderen Herstellern, das stärkere Aggregat sein, wenn Vollausstattung gefragt ist.  Sicherlich überzeugt der Mazda6 nicht mit einem besonders extravaganten Auftreten.

Dafür stimmen die inneren Werte. So sieht ein Auto aus, dessen Erbauer ihre Kunden verstanden haben. Wer solche Autos auf die Räder stellt, muss von den Kunden auch kein Umdenken verlangen. Diese Limousine ist ganz klar mehr als nur eine weitere Alternative in der Mittelklasse. Eigentlich schade, dass der Test des Mazda6 schon vorbei ist.

 

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Mazda6 SKYACTIV-G 145

Mazda6 SKYACTIV-G 145 - für die Strecke gemacht (Foto: Karla Schwede)