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Test: Wie fährt sich der Opel Astra Sports Tourer 1.0 (2016) mit Dreizylinder-Motor?

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Opel meldet mit einem Marktanteil von 7,3 Prozent Positives. Besser stand Opel seit 2006 nicht mehr da. Für das Comeback verantwortlich ist die mit großer Kraftanstrengung renovierte Modellpalette. Im Test des Opel Astra Sports Tourer 1.0 ECOTEC Direct Injection Turbo ecoFLEX mit Dreizylinder-Motor sind wir der Frage nachgegangen, was bei Opel inzwischen anders ist.

Womit waren wir unterwegs?

Bis weit in die 1990er-Jahre war der Opel der einzige echte Herausforderer des Marktführers Volkswagen. In der Kompaktklasse begegneten der Opel Astra und sein Vorgänger Kadett dem VW Golf fast auf Augenhöhe. Doch irgendwann fuhr der Golf dem Astra mit hoher Drehzahl davon. Gleichzeitig entdeckten die Kunden auch in der Kompaktklasse immer öfter Alternativen wie der Renault Megane oder der Mazda3, um hier nur zwei der zahlreichen Herausforderer zu nennen.

Warum haben wir diesen Testwagen ausgesucht?

Auf der IAA 2015 in Frankfurt leitete Opel mit der Vorstellung fünften Generation des Opel Astra ein inzwischen bemerkenswertes Comeback ein. Wir haben den Opel Astra als Kombi getestet, weil sich mehr als 60 Prozent der Opel-Kunden für den Kombinationskraftwagen entscheiden.

Zudem benötigen wir als Familie mit zwei Hunden Laderaum. Damit fällt ein üblicher Kompakter aus. Der Kofferraum des Sports Tourer fasst im Normalfall schon 540 Liter. Bei Bedarf ist ein kräftiger Nachschlag möglich. Dann mit umgeklappten Rücksitzen passen sogar bis zu 1.630 Liter oder eine bis zu 1,87 Meter lange Last in den Kofferraum.

Was treibt den Opel Astra Sports Tourer 1.0 ecoFLEX an?

Karla und ich haben uns für den 1.0 ecoFLEX entschieden. Mit einer Liter-Leistung von 105 PS übertrifft der Astra Autos, die vor 30 Jahren als ultimatives Sportgerät galten. Der 1986 präsentierte Ford Sierra Cosworth kam mit doppelt so viel Hubraum auf eine Literleistung von 102,4 PS. Nicht falsch verstehen, der Asta ist kein Sportler. Aber die Entwicklung der Motorentechnik in den vergangenen 30 Jahren ist mehr als eindrucksvoll.

Das wird auch bei den Verbrauchsangaben deutlich. Vor 30 Jahren galt ein Verbrauch von acht oder neun Litern als sparsam. In Verbindung mit dem 5-Gang-Schaltgetriebe erzielt der Opel Astra 1.0 ecoFLEX heute einen kombinierten Normverbrauch von 4,6 Litern. Mit rollwiderstandsarmen Reifen sind es sogar nur 4,5 Liter pro 100 Kilometer. Das entspricht einer CO2-Emission von 105 beziehungsweise 103 Gramm pro Kilometer.

Wie fährt sich der Dreizylinder 1.0 ECOTEC Direct Injection Turbo?

Auf der Straße zeigt sich der Dreizylinder erfreulich dynamisch. Den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h absolviert unser Testwagen mit 15,4 Sekunden sogar etwas fixer als von Opel angegeben. Interessant ist, dass Opel zusätzlich zum Dreizylinder-Turbo auch noch einen 1,4 Liter großen Vierzylinder anbietet. Der ist mit 101 PS (74 kW) fast gleich stark. Ist aber trotzdem nicht so dynamisch. Denn der Sauger benötigt satte 21,5 Sekunden für die klassische Elastizitätsübung.

Unterwegs im Opel Astra in der Kombiversion Sports Tourer (Foto: Karla Schwede)

Die Dynamik des Turbos macht den Opel Astra mit dem kleinen Dreizylinder-Motor zu einem angenehmen Reisebegleiter. Auch auf längeren Autobahn-Etappen schlägt sich der Opel ausgesprochen gut. Insbesondere, wenn der Fahrer gern und häufig zum Schalthebel des Fünfgang-Getriebes greift. Ein „Trick“, um die Drehzahl des Dreizylinders in der Nähe seines Drehmoment-Maximums von 170 Newtonmetern zu halten und das Fahrvergnügen zu maximieren.

Sportlich oder sagen wir besser aktiv gefahren, schwimmt der Opel Astra auch im Dschungel der Großstadt locker mit. Er schlägt sich besser, als es die Nennung seiner Zylinderzahl erwarten lässt. Nach Ford, deren vergleichbarer EcoBoost-Motor 2012 schon als „Internationaler Motor des Jahres“ ausgezeichnet, beweist auch Opel, daß Dreizylinder besser als ihr Ruf sein können. Ich bin beide Motoren gefahren. Wobei ich bei Dreizylinder von Ford nur im größeren Mondeo ausprobieren konnte.

Deshalb ist der Quervergleich nicht ganz fair. Denn der Opel Astra wiegt weniger als der Ford Mondeo. Das sorgt dafür, dass sich der Rüsselsheimer anders als der Kölner nie angestrengt fühlt. Und das macht sich auch beim Verbrauch bemerkbar. Unser Testverbrauch mit dem Astra von durchschnittlich 6,5 Litern pro 100 Kilometern sehen lassen kann. Mit einer nur etwas kontrollierten Fahrweise erreiche ich auf Teilstrecken auch einen Verbrauch von 6,1 Litern.

Leichtbau hilft der Fahrdynamik!

Der neue Opel Astra basiert auf einer völlig neu entwickelten Leichtbau-Fahrzeugarchitektur. Im Vergleich zum Vorgänger hat der neue Astra um bis zu 190 Kilogramm abgespeckt. Der Opel Astra bringt als Sports Tourer offiziell ein Leergewicht von 1.273 Kilogramm auf die Waage. Selbst wenn auf den Rädern unseres reichhaltig ausgestatteten Testwagen etwas mehr Gewicht lastet, macht der Leichtbau positiv bemerkbar. Denn der Kombi fährt sich vergleichsweise leichtfüßig.

Beim Fotoshooting mit Karla drehe ich auf einem Parkplatz tatsächlich Runden, bis ein dynamisches Fahrbild im Kasten ist. Dabei schlägt sich der Kombi gut. Denn bei diesem Fahrwerktest erreiche ich mit dem Opel höhere Geschwindigkeiten als vor einiger Zeit mit einem zumindest von der Fahrzeugklasse her vergleichbaren VW Golf Variant. Zudem gefällt mir, dass der Opel direkter auf Lenkkorrekturen reagiert, als ich das vom Wolfsburger in Erinnerung habe.

Wie kann ich sitzen?

Trotz meines mehr als zwei Meter langen Körpers finde ich im Opel Astra eine angenehme Sitzposition. Die paßt auch auf längeren Strecken, wie ich auf zwei längeren Touren feststelle. Angenehm ist auch, dass ich alle Instrumente selbst mit einem ganz nach oben und ganz herausgezogenen Lenkrad sehen kann. Kompaktklasse kann 2017 ganz schön weitläufig sein!

Das gilt übrigens auch für die zweite Reihe. Denn dort gibt es nicht nur mehr Kopffreiheit als im Vorgänger. Nein, dort wuchs auch der Knieraum – in der Normmessung – um 28 Millimeter an. Damit finde selbst ich bei Bedarf in der zweiten Reihe Platz. Allerdings darf dann kein anderer Riese vor mir sitzen. Aber das ist in der Kompaktklasse auch nicht zu erwarten.

Was hat mir gefallen?

Der Testwagen glänzt dank der Ausstattungslinie INNOVATION mit einer umfangreichen Ausstattung. Der Grundpreis dieses Modells liegt in Verbindung mit dem von uns getesteten 1.0-Liter-Motor bei 23.330 Euro. Zusätzlich fügt der Testwagen auch über die optionalen Matrix-LED-Scheinwerfer und einige weitere Extras. Als ich den Testwagen im Kalkulator auf der Opel-Webseite nachrechne, lande ich bei einem Preis von etwa 26.000 Euro.

Der Opel Astra fährt sich auch mit dem Dreizylinder angenehm (Foto: Karla Schwede)

Auf der Straße gefällt mir, wie ruhig der Astra Kombi im Test ist. Opel hat dem Motor störende Vibrationen weitgehend aberzogen. Das Gleiche gilt für das Fahrwerk. Nur auf sehr schlechten Straßen dringen Fahrgeräusche über das übliche Maß in den Innenraum vor. Der geringe Luftwiderstand (cW-Wert 0,272) sorgt dafür, dass nennenswerte Windgeräusche erst bei einem Tempo von mehr als 160 Kilometern pro Stunde im Innenraum ankommen.

Im Familientest bewährt sich auch die dreigeteilte Rückbank (40:20:40). Max und ich nutzen den Laderaum, um im bekannten unmöglichen Möbelhaus aus Schweden einzukaufen. Der Astra schluckt die Last ohne Probleme. Mit den serienmäßigen Ösen zureden wir die Pakte fest, um die Möbelpakete sicher zu verstauen. Das – ebenfalls optionale – Navigationssystem Navi 900 IntelliLink 840 weist im Alltag zuverlässig den Weg.

Was hat mir nicht gefallen?

Wenig! Von außen betrachtet, kann ich der durchgehenden Chrome-Leiste des Testwagens nichts abgewinnen. Dieses Gestaltungselement gefiel mir schon bei der Premiere des Opel Adam nicht. Zudem verdienen Details der Opel-Preispolitik Kritik. Denn es ist etwas unverständlich, dass es „Royal Blau“ nur eine Farbe gibt, die ohne Aufpreis verfügbar ist. Das „Schnee Weiß“ des Testwagens kostet schon 290 Euro Aufpreis.

Daten zum Testwagen

  • Typ: Opel Astra Sports Tourer 1.0 ECOTEC Direct Injection Turbo ecoFLEX
  • Grundpreis: 26.325 Euro (01/2017)
  • Motor: 3-Zylinder-Turbo-Ottomotor
  • Emissionsklasse: Euro 6
  • Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe
  • Hubraum: 999 ccm
  • max. Leistung: 105 PS bei 5.500 1/min
  • max. Drehmoment: 170 Nm / 1.800 bis 4.250 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
  • Hersteller-Nummer / Typ: 0035 / BHJ
  • Versicherungstypklassen: 19, 20, 18 (Haftpflicht, Voll-, Teilkasko)
  • Testverbrauch: 6,5 Liter pro 100 Kilometer

Zusammengefasst: Der Opel Astra Sports Tourer 1.0 mit Dreizylinder-Turbomotor zeigt eindrucksvoll, warum bei Opel die Verkaufszahlen steigen. Der Astra ist ein gut gemachtes Auto. Der Dreizylinder erfüllt die Ansprüche der Fahrzeugklasse ohne Probleme. Auch wenn es beim Astra nur eine Grundfarbe gibt, in Rüsselsheim gibt es wieder viel Auto fürs Geld. Damit war Opel schon in der Vergangenheit erfolgreich. Sieht fast aus so, als ob das auch in der Gegenwart wieder funktioniert.



Unser Tipp für Käufer des Opel Astra: Wer das Matrix-LED-Licht und das Navigationssystem im Innovations-Paket Intellilux mit der Wärmeschutzverglasung ordert, kann – je nach Ausstattungslinie – kräftig sparen.
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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:
Opel Astra

Opel Astra Sports Tourer mit Matrix-LED-Licht. Foto: Karla Schwede 2017, all rights reserved
 

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