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Test: Wie fährt sich der VW Polo GTI (2016)?

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Seit 40 Jahren gibt es bei Volkswagen den Zusatz GTI. Seit ein paar Jahren darf auch der Polo das begehrte Label tragen. Der VW Polo GTI (2016) zeigt im Test, wie dicht der 192 PS starke Kleinwagen an der Idee des ersten GTI ist.

Als Volkswagen 1976 den ersten GTI vorstellte, war ein 110 PS starker Motor in der Kompaktklasse eine Sensation. Schließlich hatte der Einspritzmotor des GTI mit dem nur 810 Kilogramm schweren Golf ein leichtes Spiel. Das Konzept war von Anfang an ein Klassenschlager. Ursprünglich wollte VW nur eine Sonderserie mit insgesamt 5.000 Exemplaren auflegen. Doch schon im ersten vollen Jahr brachte VW allein in Deutschland mehr als 21.000 GTI auf die Straße.

Das Geheimnis des Erfolgs war, dass der Ur-GTI seine Sportlichkeit mit einem hohen Alltagskomfort verband. Zur Einführung schrieb Volkswagen in einer Pressemitteilung, dass der GTI „auch zum Einkaufen in Schrittgeschwindigkeit ruckfrei zu fahren“ sei. Im Laufe der Zeit verwässerte das Konzept GTI jedoch etwas. Die Alltagstauglichkeit blieb zweifelsfrei immer an Bord, doch die Sportlichkeit ging im Laufe der Zeit etwas verloren. Beim Golf IV war GTI nur noch eine Ausstattungsversion, die sich mit unterschiedlichen Benzin- und Diesel-Motoren verbinden lies.

192 PS Leistung und 320 Newtonmeter Drehmoment

In der jüngeren Vergangenheit folgen die GTI von Volkswagen wieder der Idee des Urmodells. Im aktuellen Polo GTI treibt ein 192 PS starker Vierzylinder-Turbo-Benziner das – nach aktueller EU-Norm – 1.272 Kilogramm leichte Fahrzeug an. Das entspricht einem Leistungsgewicht von 6,625 Kilogramm pro PS. Der Ur-GTI bewegte mit jeder Pferdestärke noch 7,36 Kilogramm. So viel zum Mythos vom Speck aktueller Autos. Das Mehrgewicht, das die Sicherheitssysteme und das gestiegene Ausstattungsniveau verursachen, kompensiert der Fortschritt der Motortechnik.

Der aufgeladene 1,8-Liter-Motor des VW Polo GTI ist ein Direkteinspritzer.

Den Sprint von null auf Tempo von 100 bewältigt der VW Polo GTI des Jahrgangs 2016 in 6,7 Sekunden. Dem Polo hilft dabei, dass der aufgeladene Direkteinspritzer satte 320 Newtonmeter Drehmoment auf seine Kurbelwelle stemmt. Zumindest solange sich der Käufer für das manuelle 6-Gang-Getriebe entscheidet. Denn das aufpreispflichtige Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (1.475 Euro) verträgt nur 250 Newtonmeter. Weshalb VW im Polo GTI mit DSG die Kraft auf diesen Wert begrenzt und wir zum Test den Handschalter wählen.

Sinn und Unsinn der Digitalisierung

Ich staune bei solchen technischen Kunstgriffen immer wieder, was moderne Elektronik alles möglich macht. Schließlich habe ich noch gelernt, Motoren mit unterschiedlichen Vergasernadeln abzustimmen. Heute reichen ein paar Bits und Bytes, um die Leistungskurve eines Motors zu verändern. Auch an anderen Stellen ist der Testwagen VW Polo GTI Beleg für die fortgeschrittene Digitalisierung moderner Autos. Mein „Digitalisierungs-Highlight“ ist der Sport-Schalter auf dem Armaturenbrett des Testwagens. Er zieht zusammen mit dem Sport Select-Fahrwerk mit Sport Performance Kit in den Polo ein. Mit diesem 290 Euro teuren Extra kann der GTI-Pilot beim Fahren zwischen zwei unterschiedlichen Fahrwerksabstimmungen wählen.

Fotos vom VW Polo GTI BlueMotion Technology 1,8 l TSI

Schon die normale Abstimmung ermöglicht ein dynamisches Fahrverhalten. Hier macht sich das im Vergleich zum Standard-Polo um 15 Millimeter abgesenkte Sportfahrwerk des GTI positiv bemerkbar. Im Sport-Modus wird das Fahrwerk sofort spürbar härter, wobei der Polo nicht die Härte des Citroën DS3 Racing erreicht. Trotzdem gelangen auch im Polo jetzt Unebenheiten und Schlaglöcher fast ungefiltert bis zu den Insassen vor. Diese Sportlichkeit wird von einer strafferen Lenkung und einem Gaspedal, das die Aufträge des Fahrers direkter als im Normalbetrieb umsetzt. Trotzdem bleibt der Polo, anders als der Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V mit aktiviertem Sportprogramm, auch jetzt im Stadtverkehr fahrbar.

Karla sagt ...

Der Polo ist ein wendiger kleiner Stadtflitzer. Als GTI macht er auch auf der Landstraße und der Autobahn eine gute Figur.

Interessant ist, dass sich auch der Motor-Sound im Sport-Modus leicht verändert. Zumindest im Innenraum. Denn der Polo GTI verfügt serienmäßig über einen elektronischen Soundaktor. Er bringt den typischen GTI-Sound in den Innenraum. Die Frontscheibe dient dabei als Resonanzkörper. Denn im Sport-Modus verändert sich der digital erzeugte „Motor-Klang“. Im Internet gibt es zahlreiche Anleitungen zur Deaktivierung des Soundaktors. Mich wundert das nicht. Denn in meinen Augen ist das eine überflüssige Spielerei, die der kleine Sportler gar nicht nötig hat.

Der VW Polo GTI ist alles andere als ein Blender!

Das Fahren mit diesem GTI macht Spaß und hat einen hohen Suchtfaktor. Karla stellt Ähnliches fest und kennt mich offenbar gut. Wohl auch deshalb betont sie während des Tests mehrfach, dass der Polo GTI selbst als Viertürer (+ 800 Euro) für uns zu klein sei. Offensichtlich befürchtete Karla, dass ich den Kleinwagen sonst adoptieren könnte. Eine Idee, die dem Sportfahrer in mir tatsächlich munden könnte. Denn der VW Polo GTI weiß zu gefallen, besonders wenn die Verbindungen zwischen zwei Punkten keine Gerade ist.

Die Abstimmung der elektronischen Differenzialsperre, die die kurveninneren Räder abbremst, um dem VW Polo GTI ein weitgehend neutrales Fahrverhalten anzuerziehen, ist gelungen. Wenn der Polo doch einmal mit der typischen Untersteuerneigung eines Fronttrieblers zum Kurvenaußenrand zieht, reicht ein ganz leichter Lupfer des Gaspedals. Denn das löst einen Lastwechsel aus und unterstützt so gut kontrollierbar das Einlenken des Hecks. Auf kurvigen Landstraßen ist der Polo GTI definitiv in seinem Element.

Genauso gut gefällt mir die Bremsanlage, obwohl ich mich bei der Übergabe des Testwagens zunächst über die relativ kleinen Bremsscheiben an der Hinterachse wundere. Doch im Test erweist sich die Bremse als erfreulich standfest. Auch mehrere in kurzer Folge ausgeführte Bremsvorgänge aus höherer Geschwindigkeit sorgen nicht für ein spürbares Nachlassen der Bremsleistung.

Das absolute Highlight des kleinen GTI ist sein Motor!

Verantwortlich dafür ist die Leistungsentfaltung des 1,8-Liter-Motors. Bereits bei bescheidenen 1.450 Umdrehungen pro Minute stellt der Vierzylinder sein maximales Drehmoment bereit. Anschließend bewegt sich die Drehmoment-Kurve des Motors lange parallel zur x-Achse, um erst bei 4.200 Touren wieder abzusinken. Damit ist es mit dem VW Polo GTI jederzeit und in jedem Gang möglich, einen kurzen Zwischenspurt einzulegen. Den Sprint von 100 auf 160 Kilometer pro Stunde legt der Testwagen im fünften Gang in wenig mehr 10 Sekunden zurück. Im deutlich länger übersetzten sechsten Gang sind es schon 13,5 Sekunden.

Tom sagt ...

Mit einer Leistung von 192 PS und einem Gewicht von weniger als 1,3 Tonnen ist der VW Polo GTI ein würdiger Nachfahre des Ur-GTI.

Wer das Beschleunigungsvergnügen und die Höchstgeschwindigkeit von 236 Kilometern pro Stunde regelmäßig genießt, zahlt an der Tankstelle allerdings einen Spaßzuschlag. Unser Test-Verbrauch liegt dank üppiger Vollgasetappen und der Freude an der ungehemmten Beschleunigung schließlich bei 8,7 Litern. Erst als ich mich auf dem Weg zur Arbeit bewusst diszipliniere und energiesparend fahre, gelingt es mir, den Verbrauch deutlich zu reduzieren. Der VW Polo GTI und ich erreichen einen Bestwert von 6,9 Litern. Womit ich weniger als einen Liter über dem kombinierten Normverbrauch von 6,0 Litern liege.

Daten zum Testwagen:

  • Typ: VW Polo GTI BlueMotion Technology 1,8 l TSI
  • Grundpreis / Testwagenpreis: 22.275 / 29.520 (11/2016)
  • Motor: Reihen-Vierzylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Abgasturboaufladung
  • Emissionsklasse: EU6
  • Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Hubraum: 1.798 ccm
  • max. Leistung: 192 PS von 4.200 bis 6.200 1/min
  • max. Drehmoment: 320 Nm von 1.450 bis 4.200 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 236 km/h
  • Versicherungstypklassen: 15, 19, 24 (Haftpflicht, Voll-, Teilkasko)

Zusammengefasst: Der VW Polo ist als Kleinwagen über jeden Zweifel erhaben. Mit seiner Wendigkeit und seiner Übersichtlichkeit ist er ein typischer Stadtflitzer. Als GTI ist der Polo zusätzlich auch ein echter Sportler. Wer will, kann den kleinen „Hot Hatch“ jederzeit richtig fliegen lassen. Mit dieser Kombination aus Sportlichkeit und Alltagsfähigkeit ist der VW Polo GTI ziemlich dicht dran an der Idee des Ur-GTI.

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:
Tom unterwegs im VW Polo GTI

Foto: Karla Schwede 2016, all rights reserved
 

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