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Fahrbericht: Audi TT RS Roadster – Mehr Sportwagen wagen

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Langsam könnte ich mich daran gewöhnen. Im neuen Audi TT RS Roadster war ich schon wieder ohne festes Dach unterwegs. Wie fährt sich der 400 PS starke Roadster mit dem Fünfzylinder-Motor?

Gelegentlich amüsiere ich mich über den Drang der Cabrio- und Roadster-Fahrer, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit offenem Dach unterwegs zu sein. Auch wenn das manchmal etwas anstrengend ist. Für meinen besten Freund ist alleine die Tatsache, seinen Roadster zu bewegen, schon eine sich bietende Gelegenheit. Das sorgt bei mir nicht immer für Begeisterungstürme. Kein Wunder, dass ich deshalb nicht unbedingt als Freund offener Autos gelte.

Audi TT RS Roadster – Startpreis 69.200 Euro

Doch langsam begreife ich, was andere an dieser Fahrzeuggattung fasziniert. Beim Audi A3 Cabriolet design 2.0 TDI fragte ich vor ein paar Monaten noch zurückhaltend „It’s no better live, then a cabrio drive?“. Im Audi R8 V10 Spyder sprach ich kürzlich schon von offener Fahrspaß-Garantie. Doch der Supersportwagen kostet mindestens 179.000 Euro. Für die Mehrzahl der Autofahrer ist das unerschwinglich. Mit einem Listenpreis von 69.200 Euro liegt der Audi TT RS Roadster in einer anderen Region. Damit ist ein Kauf für viele sicherlich realistischer.

Tom Schwede am Audi TT RS Roadster

Dazu kommt, dass der TT RS mit seinem Fünfzylinder klangtechnisch über eine gewisse Eigenständigkeit verfügt. Denn Audi hat Mut und vertraut im neuen Audi TT RS weiter auf einen Fünfzylinder. Auch im neukonstruierten Aggregat zünden abwechselnd direkt benachbarte und weit voneinander entfernte Zylinder. Das sorgt für den typischen Fünfzylinder-Sound.

Fabian Hoberg hat in der Welt kürzlich eine fast schon ultimative Liebeserklärung zum Sound der Audi-Fünfzylinder geschrieben. Hohberg schreibt, dass dieser Klang süchtig mache. Ja, das stimmt und gilt besonders im offenen Auto! Sicher, auch im Audi TT RS Coupé weiß der Klang des Fünfzylinders zu gefallen. Doch so richtig zur Geltung kommt der Sound erst im Roadster.

Denn im geöffneten Roadster dringt der Klang des Motors weitestgehend ungefiltert an die Ohren der Insassen vor. Mit den Abgasklappen im Auspuffstrang, die sich mit einem Schalter auf der Mittelkonsole öffnen lassen, lässt sich das Erlebnis intensivieren. Die Kurzanbindung in der Auspuffanlage macht den Klang noch tiefer und direkter. Das Sounderlebnis ist dann gar nicht mehr weit vom Sounderlebnis eines größeren V-Motors entfernt.

In 3,9 Sekunden von null auf 100

Doch der Sound ist nur eine Seite der Medaille. Die Fahrleistungen des Audi TT RS Roadster steht dem Klang in nichts nach. In 3,9 Sekunden sprintet der Roadster aus dem Stand auf ein Tempo 100 Kilometern pro Stunde. Dank Unterstützung der Launch Control bekommen auch normale Sportfahrer diesen Sprint hin. Denn die justiert beim Sprintstart die Traktion, damit der Roadster sein volles Beschleunigungspotenzial auch ausnutzt.

Auf dem Weg zu höheren Geschwindigkeiten schaltet das serienmäßige 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schnell und im Prinzip ohne Zugkraftunterbrechung. Wobei dieser Audi, denn der Sportmodus aktiviert ist, seine Gänge weit ausdreht. Dabei geht es dank des Turbomotors zügig vorwärts. Denn der Fünfzylinder – man kann es gar nicht oft genug wiederholen – stellt zwischen 1.700 und 5.800 Umdrehungen pro Minute konstant das volle Drehmoment von 480 Newtonmeter bereitsteht.

Tom unterwegs im Audi TT RS Roadster – Foto Audi AG

Davon beflügelt klettert die Nadel des Tachometers im virtuellen Cockpit des Roadsters zügig nach oben. Bei 250 Kilometern pro Stunde begrenzt Audi die Höchstgeschwindigkeit elektrisch. Doch der Audi TT RS Roadster kann mehr. Auf Wunsch gibt Audi auch im Roadster ein Tempo von 280 Kilometern pro Stunde frei. Dann liegt der TT RS Roadster auf dem Niveau des bis zu 285 Kilometer pro Stunde schnellen Porsche 718 Boxster. Kein Wunder, dass auch Thomas Majchrzak von Autogefühl den Sportwagen aus Zuffenhausen als wichtigsten Wettbewerber des TT RS versteht.

Der Audi TT RS verlangt nach Kurven

Denn schnelles Geradeausfahren ist keine artgerechte Haltung für einen Sportwagen wie den Audi TT RS Roadster. Mit seinem serienmäßigen Allradantrieb ist der TT RS ein wahrer Kurvenkünstler. Die stärker als in der Vergangenheit das Heck betonende Auslegung des Fahrwerks und des Antriebsstrangs tut auch dem Roadster gut. Das hat mir bereits im auf der Rennstrecke gefahrenen Audi TT RS Coupé gut gefallen. Doch im offenen Roadster ist das Fahrerlebnis noch intensiver.

Auf den kurvigen Landstraßen, wo Audi mich den Roadster testen lässt, krallt sich der TT RS geradezu auf der Straße fest. Schlupfverlust oder ein Haftungsabriss ist im Trockenen praktisch nicht zu provozieren. Selbst ein paar lose Asphaltstücke oder etwas Sand, der auf den staubigen Bergstraßen der Teststrecken liegt, bringen den Sportwagen nicht aus der Ruhe.

Der Grenzbereich beginnt hinter den Grenzen der StVo

In diesen Situationen zeigt sich, wie schnell der Allradantrieb mit der elektrohydraulischen Lamellenkupplung am Hinterachsdifferential reagiert. Droht das, wie Sebastian Bauer von Passiondriving es nennt, zum Tanz bittende Heck über das gewünschte Maß hinaus auszubrechen, verstärkt die Technik den Krafteinsatz an der Vorderachse. Das zieht den TT RS schließlich sicher durch die Kurve.

Dabei unterstützt eine radselektive Momentensteuerung. Sie bremst bei Bedarf die kurveninneren Räder ganz leicht ab, womit sie mehr Seitenkraft übertragen können. Das Ergebnis überzeugt, denn obwohl ich den Audi TT RS Roadster immer wieder provoziere, wirkt das Handling flüssig und glänzt mit hoher Stabilität. Das ist eine Parallele zum großen Bruder Audi R8 V10 Spyder. Denn genauso wie im Supersportwagen gilt auch im TT RS, dass der Grenzbereich des Sportwagens weiter hinter den Beschränkungen der Straßenverkehrsordnung beginnt.

Jeder Meter, den ich auf der Straße zurücklege, unterstreicht, dass der neue Audi TT RS eine echte Fahrmaschine ist. Dazu kommt ein Motor, der mit Klang und Leistungsabgabe überzeugt. Es scheint fast so, als ob die Maxime der Techniker bei der Entwicklung „mehr Sportwagen wagen“ lautete. Denn dieses Motto beschreibt den Audi TT RS Roadster mit nur drei Worten ziemlich treffend.

Daten zum Testwagen:

  • Typ: Audi TT RS Roadster 2.5 TFSI
  • Grundpreis: 69.200 (11/2016)
  • Motor: Reihen-Fünfzylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung, Abgasturboaufladung mit Ladeluftkühlung (max. Ladedruck absolut 2,35 bar), Vierventil-Technik, zwei oben liegende Nockenwellen (DOHC)
  • Emissionsklasse: EU6
  • Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Hubraum: 2.480 ccm
  • max. Leistung: 400 PS von 5.850 bis 7.000 1/min
  • max. Drehmoment: 480 Nm von 1.700 bis 5.850 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, optional 280 km/h
  • Versicherungstypklassen: 14, 27, 25 (Haftpflicht, Voll-, Teilkasko)

Zusammengefasst: Der neue Audi TT RS Roadster ist ein Sportwagen, der mit eindrucksvollen Fahrleistungen glänzt. Selbst im sogenannten Comfort-Modus bleibt sich der Roadster treu und bollert auch schon mal etwas härter über Unebenheiten weg. Dazu kommt ein Klang, den es in dieser Intensität in dieser Fahrzeugklasse nur bei Audi gibt. Das alles sorgt dafür, dass sich der TT RS zweifelsfrei in einer kleinen Marktnische bewegt. In der tut dann auch nicht weh, dass der Bordcomputer nach meiner Testfahrt einen Verbrauch von gut zwölf Litern ausweist.


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Infos zum Titelbild:
Unterwegs im Audi TT RS Roadster
Foto: Audi AG
 

2 Kommentare

  1. Ich finde den Audi TT sehr schön! Jedoch würde ich lieber den Audi R8 fahren. Ich denke mal werde in Zukunft mal einen mieten.

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