Als heute vor 39 Jahren der letzte in Emden gebaute VW Käfer vom Band läuft, endet eine Epoche. Jetzt baut Volkswagen das Symbol des Wirtschaftswunders nur noch in Übersee. Auch wenn damals noch 25 Jahre Produktionsjahre vor dem Käfer liegen, ist das Produktionsende in Europa ein Meilenstein.

Denn der Käfer und Volkswagen waren bis zu diesem Zeitpunkt untrennbar verbunden. Das Volkswagen genannte erste Modell des Hauses gab dem Autobauer sogar den Namen. Inzwischen ist das Unternehmen zu einem Konzern mit zahlreichen Marken gereift. Diese Entwicklung war im Januar 1978 nicht vorhersehbar. Denn Volkswagen hat lange gezögert, den Käfer in Rente zu schicken. Anfang der 1970er-Jahre fährt VW deshalb mit Volldampf in die Krise.

1950 feiert VW den 100.000 Käfer. Es folgen noch 20.000.000
1950 feiert VW den 100.000 Käfer. Es folgen noch 20.000.000 (Foto: Volkswagen)

Seit gut 20 Jahren sorgt der Käfer regelmäßig für neue Absatzrekorde. Nur Mitte der 1960er-Jahre liegt die Absatzmenge einmal unter der des Vorjahrs. Ansonsten geht es seit 1945, als die ersten Tausend Käfer nach dem Zweiten Weltkrieg vom Band laufen, nur aufwärts. 1947 verlassen 8.987 Käfer die Werkshallen. Ein Jahr später sind es schon 19.244 Einheiten. Mit dem Wirtschaftswunder wird der VW Käfer endgültig zu einem weltweiten Exportschlager.

Der Käfer läuft und läuft und läuft …

Bereits 1955 blickt Volkswagen auf die erste Million zurück. Gut zehn Jahre später laufen eine Million Käfer pro Jahr vom Band. Mit geschicktem Marketing versteht es Volkswagen, den Absatz des Käfers in ungeahnte Höhen zu treiben. Der wichtigste Absatzmarkt außerhalb Deutschlands sind die USA. In den 1960er-Jahren ist der VW Käfer jenseits des großen Teichs die Verkörperung einer Gegenkultur zu den monströsen Straßenkreuzern der heimischen Autobauer.

1953 verschwindet das charmante Brezel. (Foto Volkswagen)
1953 verschwindet das charmante Brezel. (Foto Volkswagen)

Daheim in Wolfsburg beschränken sich die Techniker all die Jahre auf eine zwar kontinuierliche aber letztlich immer moderate Modellpflege. Ab 1953 gibt es eine einteilige Heckscheibe. Vier Jahre später wird die Heckscheibe etwas größer. 1964 vergrößert Volkswagen auch die anderen Fenster. Ab 1967 gibt es senkrecht stehende Scheinwerfer. Zudem bekommen die Modelle mit größeren Motoren ein Bordnetz mit zwölf Volt Spannung sowie teilweise eine andere Hinterachse.

Im August 1970 verlängert Volkswagen den Vorderwagen des Käfers. Damit schaffen die Techniker Platz für eine neue Vorderachse. Statt der guten alten Pendelachse gibt es jetzt MacPherson-Federbeine. Der Umbau schafft den Raum, um das Reserverad im Kofferraumboden zu verbergen. Die Kunden freuen sich über mehr Platz im Kofferraum. Zudem wird die Schräglenkerhinterachse, die es zuvor nur bei den Automatikmodellen gab, Standard.

1971 ist der Höhepunkt erreicht!

1.291.612 Käfer verlassen 1971 die Produktionsstätten. Längst baut VW den Käfer nicht nur in Wolfsburg. Auf der Suche nach zusätzlichen Fertigungskapazitäten kaufen die Wolfsburger in den 1960er-Jahren Auto Union und NSU. Dazu entsteht auf Druck des Miteigentümers Niedersachsen 1964 ein Werk im strukturschwachen Emden. Wegen der Nähe zum Emdener-Überseehafen laufen an der Nordseeküste zunächst nur die Käfer für den US-Markt vom Band.

Der letzte VW Käfer aus Wolfsburg wird gefeiert. (Foto VW)
Schon 1974 läuft der letzte VW Käfer in Wolfsburg vom Band. (Foto VW)

Doch das Ende naht. Obwohl „auto motor und sport“ 1969 einen Test mit dem Fazit „Einen wirklichen, echten Anti-Käfer wird und kann es nie geben.“ abschließt. Denn moderne Kleinwagen wie der Fiat 127 zeigen, wohin sich der Autobau entwickelt. Frontantrieb und Wasserkühlung gehören die Zukunft. Die luftgekühlten Boxermotoren von Volkswagen erfüllen immer weniger die gestiegenen Komfortbedürfnisse der Kunden.

Das gilt auch für den 1961 präsentierten Typ 3 in der Mittelklasse. Trotzdem feiert Volkswagen zunächst weitere Erfolge. Im Februar 1972 löst der Käfer die Tin Lizzy – Fords Modell T – als bisher meistgebautes Auto ab. Doch die Produktion des Käfers ist ein teures Vergnügen. Die Fertigung ist an vielen Stellen auf dem Stand der 1930er-Jahre. Die modernen Wettbewerber nehmen Volkswagen zunehmend Marktanteile ab. VW reagiert und leitet die Wende ein.

Das lange Ende des VW Käfers

Den Typ 3 löst 1973 mit dem VW Passat eine Variante des Audi 80 ab. Es ist der Versuchsballon. Ein Jahr später läuft der letzte Wolfsburger Käfer vom Band. Im Stammwerk entsteht jetzt der VW Golf, der das ganze Unternehmen aus der Krise fährt. Trotzdem kann sich Volkswagen noch nicht ganz vom Käfer trennen. Seit 1967 baut VW den Käfer auch in Mexico. Zudem läuft auch die Produktion in Emden zunächst weiter.

Nach dem Produktionsende in Deutschland bietet VW auch in der Heimat den Mexico-Käfer an. (Foto Volkswagen)
Nach dem Produktionsende in Deutschland bietet VW auch in der Heimat den Mexico-Käfer an. (Foto Volkswagen)

Doch es ist nur eine Frage der Zeit. Passat und Golf verkaufen sich gut. Deshalb fährt der Käfer in Europa endgültig aufs Abstellgleis. Am 19. Januar 1978 verlässt der letzte europäische Käfer die Werkshallen in Emden. VW braucht die Kapazitäten für den Passat. Emden spielt trotzdem noch einige Jahre eine tragende Rolle, wenn es um den Käfer geht. Denn über den Hafen der friesischen Kleinstadt importiert Volkswagen fortan den Mexiko-Käfer.

Bis zum Sommer 1985 bietet Volkswagen den Käfer noch in Deutschland an. In den letzten Jahren ist der Käfer zumindest in der alten Heimat nur noch ein Auto für Liebhaber. Längst sind auch bei Volkswagen Frontantrieb und Wasserkühlung der Standard. Trotzdem gibt es auf einigen Überseemärkten den Käfer noch bis 2003 an. Erst dann, 25 Jahre nach dem Produktionsende in Deutschland, endet die Produktion nach 21.529.464 VW Käfer endgültig.

 

1300ccm.de - Auto-Blog für Auto-Natives ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.




Ähnliche Artikel


Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

VW Käfer Produktion in Mexiko (Foto: Volkswagen)