Vor einigen Tagen feierte der Autobauer BMW seinen 100. Geburtstag. Das ist eine gute Gelegenheit, um auf die – durchaus unübersichtliche – Gründungsgeschichte von BMW zurückzublicken. Und natürlich auf den ersten BMW, der am 22. März 1929 als BMW 3/15 vom Band lief.

Die heutige BMW AG hat mehrere Vorläufer. Zu ihnen gehören die 1913 von Karl Rapp in München gründeten Rapp Motorenwerke. Der 1882 geborene Karl Rapp war gelernter Ingenieur. Ab 1908 arbeitete Rapp als Motorenentwickler bei Züst und der Daimler Motoren Gesellschaft. 1912 wechselte Rapp zur ursprünglich in Gelsenkirchen auf dem Gelände der heutigen Trabrennbahn beheimateten Flugwerk Deutschland GmbH.

Für Flugwerk Deutschland sollte Rapp in München eine Motorenfertigung aufbauen. Doch die Flugwerk-Inhaber beschlossen schon nach knapp einem Jahr das Ende dieser Aktivitäten. Karl Rapp machte sich daraufhin in München mit den Rapp Motorenwerken selbstständig. Als Grundlage seines Unternehmens kaufte Rapp die in München ansässige Firma Dörhöfer.

Diese wieder herum hatte kurz zuvor in Chemnitz die Firma Schneeweis erworben. Schneeweis baute Flugmotoren unter anderem für den Luftschiffbauer Albert Paul Veeh. Im Zuge der Insolvenz von Veeh war Schneeweis in Schwierigkeiten geraten. Diese waren offensichtlich so groß, dass sich auch die Firma Dörhöfer an Schneeweis verhob und Rapp das Unternehmen übernahm, um Flugmotoren zu fertigen.

Rapp Motorenwerke werden Bayerische Motorenwerke

Otto-Werke - Vorläufer der BMW AG
Otto-Werke als Vorläufer der BMW AG (Foto: BMW)

Doch Rapp war mehr Motorenbauer als Unternehmer. Der Auftrag des österreichischen Militärs, zum Bau von 224 Flugmotoren überforderte sein Unternehmen. 1917 Rapp gab die Geschäftsführung an Franz Josef Popp ab und verkaufte das Unternehmen an den Investor Camilo Castiglioni. Im Zuge dieser Übernahme benannte Castiglioni das Unternehmen in Bayerische Motorenwerke (BMW) um.

Franz Josef Popp, als Inspekteur des österreichischen Militärs zu den Rapp Motorenwerken gestoßen, holte den Ingenieur Max Friz von der Daimler-Motoren-Gesellschaft nach München. Zusammen entwickelten Popp und Friz den BMW Höhenmotor. Der BMW IIIa war ein flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder-Reihenmotor mit 19,1 Litern Hubraum, dessen Konstruktion auf dem Rapp Rp III basierte.

Aus BMW wird Südbremse

Der Bau von Flugmotoren war im Ersten Weltkrieg ein gutes Geschäft. Doch der 1919 geschlossene Versailler Vertrag verbot deutschen Unternehmen für fünf Jahre den Bau von Flugzeugen und Flugzeugmotoren. Castiglioni verkaufte BMW daher im Mai 1920 an die Knorr-Bremse AG. Aus der BMW AG wurde so die Süddeutsche Bremsen AG.

Die neuen Inhaber hatten am Bau von Flugmotoren und am Markennamen BMW kein Interesse. Auch die von Popp initiierte Fertigung von Boxermotoren für die Motorräder der Nürnberger Victoria-Werke fand im Kreise der Aktionäre keine Zustimmung. Castiglioni erwarb auf Vermittlung von Popp im Mai 1922 die Rechte an den Motoren und dem Namen BMW.

Camilo Castiglioni übernimmt den Namen BMW

Zeitgleich übernahm Castiglioni die Bayerischen Flugzeugwerke (BFW). Sie waren am 7. März 1916 – heute das offizielle BMW-Gründungsdatum – aus der Konkursmasse des 1911 gegründeten Gustav-Otto-Flugzeugwerks hervorgegangen. Auch BFW traf das Ende des Ersten Weltkriegs wirtschaftlich schwer.

Unter dem Namen Helios bot BFW nach Kriegsende ein Motorrad an – mit einem Motor von BMW bzw. Südbremse. Das machte BFW für Castiglioni und Popp interessant. Denn auch sie sahen die Zukunft im Markt der Massenmobilität. Castiglioni erwarb BFW und nannte auch dieses Unternehmen nach dem Kauf um. Der neue Name: Bayerische Motorenwerke.

Produktion der BMW R 32
Produktion der BMW R 32 (Foto: BMW)

1923 stellte BMW auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin die BMW R 32 vor. Die Konstruktion von Max Friz und Martin Stolle verfügte über einen Boxermotor und einen Kardanantrieb. Konstruktionsmerkmale, die auch fast 100 Jahre später immer noch typisch für Motorräder von BMW sind. Der Rest ist Geschichte. Das Motorrad BMW R 32 war sofort ein Erfolgsmodell.

Dazu nahm BMW ab 1923 auch den Bau von Flugmotoren wieder auf. Das sorgte in den kommenden Jahren für das notwendige Kapital, um 1928 die Fahrzeugfabrik Eisenach zu übernehmen. Damit wurde BMW zum Autobauer. Denn mit der Fahrzeugfabrik übernahm BMW auch den Lizenzvertrag mit der Austin Motor Company. Aus dem auf dieser Grundlage gebauten Kleinwagen Dixi 3/15 wurde der BMW 3/15.

Seit dem 22. März 1929 ist BMW ein Autobauer

Daten zum BMW 3/15

  • Motor: 4-Zylinder-Ottomotor – seitengesteuert
  • Getriebe: 3-Gang-Schaltgetriebe
  • Hubraum: 749 ccm
  • max. Leistung: 15 PS – 18 PS als Typ Wartburg
  • Grundpreis: 2.175 Reichs-Mark (1930)

Am 22. März 1929, heute vor 87 Jahren, lief das erste Auto von BMW vom Band. Und was kaum jemand weiß, die Produktionsanlage des ersten BMW stand in Berlin Johannisthal. In München und der bayrischen Heimat baut BMW erst ab 1951 Autos. Grundlage des ersten BMW war ein im BMW-Werk in Eisenach produziertes Fahrgestell. Auf dieses Fahrgestell montierte BMW in Berlin eine Ganzstahl-Karosserie. Bei dieser fortschrittlichen Lösung orientierte sich BMW am französischen Austin-Lizenznehmer Automobiles L. Rosengart. Der bot bereits ab 1928 seinen Austin-Lizenzbau Rosengart LR 2 mit einer Ganzstahl-Karosserie an.

Der deutsch-amerikanische Karosseriehersteller Ambi-Budd presste die notwendigen Teile in seinem Werk in Berlin auf dem Gelände der ehemaligen Rumpler-Werke. BMW mietete sich auf dem Gelände ein, um in einer Halle direkt neben dem Ambi-Budd-Werk die Endmontage des BMW 3/15 aufzubauen. Das macht den BMW 3/15 mit Ganzstahl-Karosserie heute zum ersten echten BMW. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise überführte die Produktion nach einem Jahr vollständig nach Eisenach, wo ohnehin parallel der BMW 3/15 auch mit einer Weymann-Karosserie aus Holzgerippe und Kunstlederüberzug entstand.

Bis zum Februar 1932 entstanden mehr als 12.000 Exemplare des BMW 3/15. Darunter auch 150 BMW 3/15 PS DA 3 Typ Wartburg. Der Roadster auf Basis des 3/15 gilt heute als Urvater der BMW-Sportwagen. Sportfahrer standen Schlange, um einen Wartburg kaufen zu dürfen. Doch die Nachfrage war größer als das Angebot. Abhilfe gab es bei den Gebrüdern Ihle in Bruchsal. Ihr Roadster-Umbau war bis Mitte der 1930er-Jahren zu einem Umbaupreis von 1.450 Reichs-Mark verfügbar, was mehr als der Hälfte des Neupreis des 3/15 entsprach.

Bilder des BMW 3/15

BMW 3/15 in Berlin Johannisthal
BMW 3/15 in Berlin Johannisthal
Produktion in Berlin
Produktion in Berlin
BMW Verkaufsraum in Berlin 1929
BMW Verkaufsraum in Berlin 1929
BMW Werk Eisenach, 1929
BMW Werk Eisenach, 1929
Ihle-BMW 3/15
Ihle-BMW 3/15
BMW 3/15 PS DA 3 Typ Wartburg
BMW 3/15 PS DA 3 Typ Wartburg

 

 

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