Heute vor 50 Jahren verunglückte in Hockenheim Jim Clark tödlich. Der Schotte gilt bis heute als einer der besten Rennfahrer aller Zeiten. Denn der Ausnahmekönner sicherte sich in nur 72 Formel-1-Rennen 25 Grand-Prix-Siege, 33 Trainingsbestzeiten, 28 schnellste Runden und zwei WM-Titel.

Für die heutige Generation, die die Karriere von Michael Schumacher verfolgte, klingen diese Zahlen zunächst nicht beeindruckend. Trotzdem sollte niemand über die Karriere des Schotten lächeln. Denn als Jim Clark in der Formel-1-Weltmeisterschaft fuhr, gehörten zum WM-Kalender teilweise nur acht Läufe pro Jahr. Zudem waren Motoren und Fahrzeuge damals nicht so „perfekt“ wie heute. Deshalb fielen die Piloten viel öfter als heute mit technischen Defekten aus. Um zu verstehen, warum Jim Clark der beste Pilot (seiner Zeit) war, reicht ein Blick auf die Jahre, wo Clark zum WM-Titel fuhr.

Jim Clark siegte nicht – Jim Clark dominierte

Denn in seinen WM-Jahren 1963 und 1965 dominierte der Lotus-Pilot die Weltmeisterschaft fast nach Belieben. 1963 führte Jim Clark in 71,47% der Rennrunden der gesamten Formel-1-Weltmeisterschafts-Saison! Dabei gewann der Schotte sieben der zehn Saisonläufe. Bei zwei weiteren Rennen stand Clark auf dem Podium. Nur beim Saisonauftakt in Monaco fiel Clark in Führung liegend aus, wurde aufgrund der zurückgelegten Distanz jedoch noch als Achter bewertet. Wie dominant der Schotte war, unterstreichen auch die Rundenzeiten. Denn in die Rennen 1963 ging Jim Clark siebenmal vom besten Startplatz. Dazu drehte der Schotte sechsmal die schnellste Runde des Rennens.

Zwei Jahre später sah es ähnlich aus. Jim Clark fuhr mit sechs Siegen zum zweiten WM-Titel. Sechs Starts von der Pole Position und sechs schnellste Rennrunden unterstreichen erneut die Überlegenheit des Schotten. Zumal Clark 1965 nur bei neun der zehn WM-Läufe antrat. Denn auf den Saisonauftakt in Monaco verzichteten Clark und sein Arbeitgeber Lotus, um am gleichen Wochenende in Indianapolis ums ganz große Geld zu fahren. Selbstredend gewann Clark 1965 auch das Great-American-Race im Nudeltopf von Indianapolis.

Jim Clark beeindruckt die Szene von Anfang an

Bereits kurz nach dem Ablegen der Führerscheinprüfung tritt Clark mit einem Sunbeam-Talbot bei lokalen Rallyes und Bergrennen an. Zunächst fährt der Sohn eines erfolgreichen Schafzüchters nur, um etwas Spaß mit Freunden zu haben. Doch das Talent des Schotten spricht sich in der lokalen Rennszene schnell herum. Als Clark mit 20 Jahren mit einer DKW Sonderklasse das erstmals auf der Rundstrecke startet, ist der „Point of no Return“ erreicht. Auf den DKW folgen schnell Rennwagen von Porsche,  Jaguar und Lotus. Schon mit 22 Jahren gewinnt Clark 1958 in einem Jaguar D-Type der Renngemeinschaft Border Reivers die „Scottish Speed Championship“.

Jim Clark, 1963 beim Grand Prix in Zandvoort
Jim Clark, 1963 beim Grand Prix in Zandvoort – Foto: Harry Pot

Bei einem Rennen in Brand Hatch tritt Clark am zweiten Weihnachtstag 1958 mit einem Lotus Elite an. Bei diesem Event lernt der Schotte Colin Chapman kennen. Chapman ist von Clark sofort beeindruckt. Auch der Lotus-Chef erkennt sofort das Talent des Ausnahmekönners und bietet Clark ein Cockpit an. Doch der Schotte ist vertraglich noch ein Jahr an Border Reivers gebunden. Statt mit einem Werkswagen tritt Clark 1959 in einem Lotus Elite Mk. 14 von Border Reivers in Le Mans an. Clark teilt sich das Cockpit mit Sir John Whitmore. Die beiden Nachwuchsfahrer kommen als Zehnte ins Ziel.

Zum Ende des Jahres startet Clark in Brand Hatch erstmals im Monoposto. Der Test mit dem Gemini-B.M.C. ist auch Vorbereitung für das Abenteuer Lotus-Werksfahrer, in das Clark Anfang 1960 startet. Das Engagement ist sofort erfolgreich. Denn Clark gewinnt im März mit einem Formel Junior in Goodwood bereits beim ersten Rennen für Lotus. Dabei verweist Clark den großen John Surtees, der als amtierender Motorrad-Weltmeister in der Formel Junior seinen Umstieg ins Auto beginnt, auf Platz zwei. Vermutlich ahnt von den Anwesenden an diesem Tag niemand, dass hier gerade zwei der besten Rennfahrer der 1960er-Jahre am Lenkrad drehen.

Noch 1960 wird Jim Clark Grand-Prix-Pilot

Im Juni 1960 feiert Jim Clark beim Großen Preis der Niederlande in Zandvoort sein Formel-1-Debüt. Clark geht vom elften Startplatz ins Rennen und fällt bei Rennmitte mit einem Schaden an der Kraftübertragung aus. Doch schon beim zweiten Versuch, 14 Tage später in Spa-Francorchamps, sichert sich Clark als Fünfter zwei WM-Punkte. Kurz danach steht Clark beim Grand Prix von Portugal erstmals auf dem Podest. Es ist das fünfte Rennen des Schotten in der Königsklasse des Motorsports. Spätestens jetzt weiß jeder, dass hier ein Pilot der Extraklasse unterwegs ist.

Schon 1962 gewinnt Jim Clark beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps erstmals einen Grand Prix. Bis zu diesem ersten Formel-1-Sieg benötigt Clark gerade einmal 17 Rennen in der Königsklasse. Und der Erfolg in Spa ist der Start zu einer bemerkenswerten Serie. Denn bis zum Unfall 1968 folgen weitere 24 Siege bei WM-Läufen. Dazu sichert sich Jim Clark 33 Trainingsbestzeiten, 28 schnellste Runden. 13-mal gelingt Clark der Hattrick aus Pole Position, Sieg und schnellster Rennrunde. Michael Schumacher gelingt dieses Kunststück später zwar öfter, doch der Deutsche benötigt dafür rund die dreifache Anzahl von Starts.

Zusammen mit den Erfolgen bei Formel-1-Rennen ohne WM-Prädikat gewinnt Jim Clark mehr als 50 Grand Prix. Doch als Allrounder greift der Schotte auch in Indianapolis sowie regelmäßig in Sport- und Tourenwagen von Lotus ins Lenkrad. Clark kann sich wie kaum ein Anderer auf die unterschiedlichsten Fahrzeuge einstellen und ist mit jedem Auto schnell. Dabei hilft dem Schotten auch sein schonender Fahrstil, der defekt zu den teilweise zerbrechlichen Autos der 1960er-Jahre paßt. Typisch für Clark ist, sich am Anfang des Rennens mit schnellen Runden vom Feld abzusetzen, um dann das Rennen zu verwalten.

Lotus heißt fragile Technik!

Bald ist allen klar, wenn Jimmy will UND die Technik hält, dann ist der Schotte nicht zu schlagen. Legendär ist der Auftritt 1962 beim 1.000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring. Im Eifelregen dominiert Clark mit dem kleinen Lotus 23 das Rennen. Obwohl der Lotus nur über eine Leistung von 110 PS verfügt, setzt sich der Schotte im Feld von Sportwagen wie dem Maserati Tipo 61 „Birdcage“ oder dem 390PS starken Ferrari 330 GTO an die Spitze. Ein gebrochener Auspuff reißt Clark schließlich aus dem Rennen und lässt die großartige Fahrt, von der Augenzeugen noch heute schwärmen, ohne den verdienten Lohn.

Ein Schicksal, das Clark immer wieder ereilt. Denn die Rennwagen von Lotus sind genauso zerbrechlich wie schnell. Trotzdem hält Clark, den mit Lotus-Chef Colin Chapman eine enge Freundschaft verbindet, dem Team die Treue. Daran ändert sich auch nichts, als das Team 1966 nach der Erweiterung des Hubraums auf drei Liter ohne passenden Motor dasteht. Denn Clark weiß, dass Chapman zusammen mit Fordmanager Walter Hayes bei Cosworth den ultimativen Rennmotor bauen lässt.

Jim Clark gewinnt 1967 den Großen Preis der Niederland. Hier setzt sich Clark in der Anfangsphase des Rennens von Jo Siffert, Jack Brabham und Jackie Stewart ab.
Jim Clark gewinnt 1967 den Großen Preis der Niederland. Hier setzt sich Clark in der Anfangsphase des Rennens von Jo Siffert, Jack Brabham und Jackie Stewart ab. Foto: Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 – negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 920-3784

Und es ist schließlich Jim Clark, der 1967 beim Grand Prix der Niederlande den ersten Sieg mit dem damals neuen Ford Cosworth DFV einfährt. Bis zum Saisonende folgen drei weitere Erfolge – niemand gewann 1967 mehr Formel-1-Rennen. Trotzdem wird Clark hinter den Brabham-Repco-Piloten Denis Hulme und Jack Brabham nur Dritter in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Alle sind sich sicher, 1968 wird Clark zum dritten WM-Titel fahren. Der Schotte startet als haushoher Favorit in die Saison und gewinnt den Saisonauftakt in Südafrika.

1968 soll der dritte Titel her – doch es kommt anders!

Denn schon im April 1968 beendet ein Ausflug in die Formel 2 schließlich die Karriere des Schotten vorzeitig. Eigentlich will Clark an diesem Wochenende gar nicht in Hockenheim fahren. Doch Sponsor Gold Leaf drängt auf einen Einsatz des Schotten, der schließlich nachgibt. Dabei mag Clark den Lotus 48 nicht besonders. Schon das Training läuft nicht gut. Clark muss seinen Lotus zweimal vorzeitig mit Motorschaden parken. Clark qualifiziert den Lotus schließlich auf dem siebten Startplatz.

Am Vorabend des Rennens tritt Jim Clark noch zusammen mit Kurt Ahrens im Aktuellen Sportstudio auf. Auf der Rückfahrt gibt es ein Problem mit dem Mercedes mit dem Eckhard Schimpf die Rennfahrer von Mainz nach Hockenheim bringt. Erst gegen 2:30 Uhr ist das Trio wieder im Hotel. Gut zehn Stunden später verunglückt Jim Clark tödlich. Denn um 12:39 kommt der Schott auf der Anfahrt zur damaligen Ostkurve von der Fahrbahn ab. Der Lotus zerschellt im Wald von Hockenheim. Jim Clark hat keine Chance und stirbt auf der Stelle.

Über die Unfallursache gibt es viele Spekulationen. Clark fuhr alleine, an der Strecke gab es an dieser Stelle keine Zuschauer. Nur zwei Streckenposten stehen in diesem Bereich. Vermutlich reißt ein Reifenschaden Clark aus dem Leben. Denn bei der Untersuchung des Wracks finden Experten einen Schnitt in der Lauffläche des rechten Hinterreifens. Trotzdem bleibt die genaue Unfallursache ungeklärt. Auch ein Aufhängungsbruch, ein Lenkungsdefekt oder Aquaplaning sind als Ursache des Unglücks möglich.

Der Unfall schockt die Szene. Die Anteilnahme am Unglück war groß. Chris Amon, der ebenfalls bei dem Unglücksrennen in Hockenheim am Start war, sagte nach dem Rennen: „Wenn es Jimmy erwischt, dann ist keiner von uns sicher.“ Altmeister Juan Manuel Fangio schreibt in einem Nachruf: „Er war besser als ich.“ Bis zu seinem Tod im Jahr 1995 wiederholt Fango regelmäßig, dass Jim Clark der mit Abstand größte Fahrer aller Zeiten sei.

Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

1300ccm.de - Auto-Blog für Auto-Natives ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.




Ähnliche Artikel


Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Jim Clark beim Grand Prix der Niederland 1967 – Im Vordergrund schiebt Lotus-Chef Colin Chapman den Lotus 49

Foro: Koch, Eric / Anefo / neg. stroken, 1945-1989, 2.24.01.05, item number 920-3792 – Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Netherlands license