Beim Stöbern habe ich (mal wieder) Fotos eines ungewöhnlichen Rennwagens gefunden. Der Sache musste ich nachgehen. Das hat sich gelohnt, schließlich ist die Geschichte des Lenham GT spannend.

Inzwischen beschäftige ich mich seit gut 30 Jahren mit Oldtimern. Seit mehr als 15 Jahren fotografiere ich sie regelmäßig bei großen Oldtimer-Veranstaltungen. Diese Bilder zu veröffentlichen, war der Beginn meiner „Karriere“ als Blogger. Weil es damals noch kein Instagram gab, stellte ich die Bilder auf eine eigene Homepage.

Das funktioniere ein paar Jahre und entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. Aus der losen Abfolge von Bildern wurde ein „richtiges“ Auto-Blog. Das betreiben Karla und ich jetzt seit elf Jahren. Und die eigene Homepage lief einfach nur noch so mit. Immer dann, wenn ein Server-Umzug anstand, übertrug ich die Homepage, ohne an ihr substanziell zu ändern.

Lenham GT - gesehen 2005 bei einem Rennen im Kampf der Zwerge
Lenham GT – gesehen 2005 bei einem Rennen im Kampf der Zwerge am Nürburgring

Vor ein paar Tagen stand wieder einmal ein Umzug an. Diesmal sah ich mir die „alte“ Homepage genauer an. Dabei entdeckte ich das Foto eines Sportwagens, das mein Interesse weckte. Zum Glück hatte ich die die Bilder des Autos damals mit „A.H. Lenham 1300“ beschriftet. Lenham sagte mir zunächst wenig!

Also begab ich mich auf Spurensuche, was sich diesmal für einen Fotoschatz hinter dem Bild verbarg. Ich konnte mich dunkel an einen offenen Sportwagen von Lenham bei den Silverstone Classics 2010 erinnern. Doch das kleine Coupé, dessen Foto ich jetzt fand, hatte nicht mit dem offenen Lenham P69 gemeinsam. Auch wenn beide Rennwagen vom gleichen Hersteller stammen.

Lenham P69 - gesehen bei den Silverstone Classics 2010
Lenham P69 – gesehen bei den Silverstone Classics 2010 – Foto: Tom Schwede

Ich vertiefte meine Spurensuche!

Die Geschichte beginnt im Februar 1962 als Julian Booty und David Miall-Smith eine Oldtimer-Werkstatt gründen. Die „Vintage Sports Car Garage“ macht sich schnell mit dem Umbau von „Spridgets“ einen Namen. Die Initialzündung gab ein Kunde, der sich eine geschlossene Karosserie für seinen Austin-Healy Sprite Mk. 1 wünschte. Auch wenn die Motivation des Kunden nicht mehr nachvollziehbar ist, vermutlich fand dieser Gefallen am Austin-Healey Sebring Sprite.

Doch beim Karosseriebauer Williams & Pritchard entstehen acht Exemplare, die die Donald Healey Motor Company Limited als Werks-Rennwagen einsetzt. Donald Healey hat kein Interesse Kunden mit dem Sebring Sprite zu bedienen. Möglicherweise verhindern die Verträge mit der British Motor Corporation (BMC), den Sebring Sprite in größeren Stückzahlen anzubieten.

Freie Werkstätten wie die „Vintage Sports Car Garage“ bedienen die Nachfrage gerne. Die Webseite sebringsprite.com gibt einen guten Überblick davon, wie umfangreich diese Szene war. Auch Julian Booty und David Miall-Smith bedienen diesen Markt. Ihre Umbauten vermarkten sie unter dem Markennamen Lenham. Denn so heißt der Ort südwestlich von London, in dem ihre Werkstatt ansässig ist.

Hauptwerkstoff ist Aluminium. Doch das Formen von Alu ist ein zeitaufwändiger Prozess. Julian Booty stellt die Produktion auf glasfaserverstärkten Kunststoff (GfK) um. Damit steigen die Produktionszahlen. Zudem bietet das Unternehmen als Ergänzung Umbauten für den MG Widget an. Neben Hardtops entwickeln sich Motorhauben, die die Aerodynamik des Austin-Healy Sprite verbessern, zum Verkaufsschlager.

Meisterstück: Lenham GT

Daneben gibt es weiter ganze Fahrzeuge. Zunächst heißt der Sportwagen Lenham GT. Ein Exemplar davon war das Auto, dessen Foto ich seit Jahren auf der Homepage stehen hatte. Ab 1964 nennt Lenham den Sportwagen Le Mans GT. Unter der GfK-Karosserie steckt die Technik eines Austin-Healey Sprite. Die Buchstaben A.H. in der Typenbezeichnung, die ich damals notierte, weist darauf hin. Der Name „Le Mans“ zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein, auch oder gerade weil dieser Lenham dort nie rennen wird.

Denn erst 1970 geht mit dem offenen Prototypen Lenham P70 erstmals ein Rennwagen der Firma in Le Mans ins Rennen. Auch vom kleinen Sportwagen gibt es einen Roadster. Lenham nennt diesen Roadster GTO. In den ersten Jahren funktioniert das Geschäft offensichtlich. Denn 1967 wurde aus der „Vintage Sports Car Garage“ die Lenham Motor Company Limited. Zudem bezog das Unternehmen neue Räume im Nachbarort Harrietsham. Zwei Jahre später stellte Lenham den Sportprototypen vor, den ich in Silverstone sah. Doch dessen Geschichte und Entwicklung ist einen eigenen Blogbeitrag wert.

Noch ein Foto des Lenham GT bei einem Rennen im Kampf der Zwerge
Noch ein Foto des Lenham GT bei einem Rennen im Kampf der Zwerge – Foto: Tom Schwede

Das Hauptgeschäft bleiben GfK-Teile für die zahlreichen britischen Roadster. Mitgründer David Miall-Smith verlässt 1970 das Unternehmen. Mit Peter Rix steigt ein neuer Teilhaber in das Unternehmen ein. Doch steigende Sicherheitsanforderungen fühten dazu, dass der britische Roadster in den 1970er-Jahren langsam ausstirbt. 1984 gehen in Harrietsham die Lichter aus. Booty und Rix schließen ihr Unternehmen.

Ende der 1990er-Jahre erwirbt David Coplowe Markenrechte. Parallel ersteht Coplowe alte Formen und Werkzeuge von Lenham. Diese waren zwischenzeitlich im Besitz des ehemaligen Rennfahrers Dave Matthews. Freunde des Boulevards horchen an dieser Stelle auf, denn dessen Sohn James Matthews ist der Schwager des zukünftigen Königs von England. David Coplowe baut ab 1998 in Uckfield, gut eine Stunde Fahrtzeit vom ursprünglichen Firmensitz entfernt, die neue Lenham Motor Company auf.

Ein paar Jahre läuft das Geschäft. Besonders zum 50. Geburtstag des Sprite 2008 gab es genügend Fans, die sich für die Sprite-Umbau Lenham GT, GTO und Le Mans GT interessieren. Doch inzwischen scheint dem Unternehmen wieder die Luft ausgegangen zu sein. Denn die Webseite des Unternehmens ist seit einiger Zeit nur noch im Wayback-Archive verfügbar.

 

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Lenham GT - gesehen 2005 bei einem Rennen im Kampf der Zwerge

Foto: Tom Schwede