Werbung ist immer ein Spiegel der Zeit. Diese Anzeige des Jeep-Herstellers Willys-Overland von 1947 ist ein schönes Beispiels dafür. Denn die Anzeige erschien, als sich die Welt gerade neu ordnete. Das galt offensichtlich auch für den Autobauer aus Toledo in Ohio. Schließlich trieb noch kurz zuvor der Zweite Weltkrieg die Produktions des kleinen Autobauers steil nach oben. Nun schwiegen die Waffen und Willys-Overland suchte einen neuen Markt. Dabei erfand das Unternehmen den SUV!

Willys Station Wagon Anzeige von 1947
Jeep Station Wagon Anzeige von 1947

Die Manager des Unternehmens entdeckten Familien als Zielgruppe. Keine schlechte Idee. Die GIs kehrten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Feld in die Heimat zurück. In den UA steigen die Geburtenraten nach Weltwirtschaftskrise und Krieg ab 1946 stark an. Für Soziologen sind die in diesen Jahren geborenen Kinder die Generation der Baby-Boomer. Deshalb ist es sicher kein Zufall, wenn Willys-Overland in seiner Anzeige eine Familie zeigt, die einen Kinderwagen im Heck des Jeep Station Wagon verstaut.

Für Willys-Overland war die Zeitenwende eine besondere Herausforderung!

Denn hinter dem 1908 gegründeten Autobauer lag eine wechselvolle Geschichte. Kurz nach Gründung des Unternehmens zählte der Autohersteller aus Toledo in Ohio bereits zu den großen Playern auf dem US-Markt. Von 1912 bis 1918 galt Willys-Overland als der zweitgrößte Automobilhersteller der Vereinigten Staaten. Die durchaus stattlichen Erträge der frühen Jahre stecke Firmenchef John North Willys in die Übernahme von Konkurrenten. Doch diese Strategie funktionierte nicht wie geplant! Die Kreditgeber bekamen Anfang der 1920er-Jahre kalte Füsse.

Willys-Overland trennte sich von den zuvor übernommenen Marken. Das eigene Fahrzeugprogramm schrumpfte auf nur noch zwei Modelle zusammen. Der umfangreiche Immobilienbesitz wurde verkauft und zurück gemietet. Heute nennen wir das Sale-and-lease-back. Alles zusammen sicherte dem Unternehmen das Überleben und lies die Chefs in Toledo neue Pläne schmieden. Ab 1926 wandte sich das Unternehmen mit seiner Marke Whippet der Oberklasse zu. Schon wegen dieses Markennamens müssen wir hier bei 1300ccm.de den Autobauer eigentlich lieben.

Doch die Weltwirtschaftskrise beendete auch diese Ära. In den frühen 1930er-Jahren war Willys-Overland damit nur einer von vielen kleinen in den USA beheimateten Autoherstellern. Die Wende kam, als das US-Kriegsministerium Autohersteller suchte, die schnell eine Produktion für ein leichtes Nutzfahrzeug aufbauen konnten. Auch Willys-Overland bewarb sich darum, den ursprünglich von American Bantam entworfenen Prototyp in Serie zu bauen.

Der Jeep weist den Weg zum ersten SUV!

Die Bewerbung hatte Erfolg. 1941 startet der Bau des Jeep bei Willys-Overland. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verließen 359.851 Exemplare des offiziell Willys MB genannten Fahrzeugs die Fabriken des Unternehmens. Es war klar, dass das Unternehmen ohne diesen Rüstungsauftrag alleine mit dem Bau des zivile Jeep CJ-2A  sein Überleben nicht sichern kann. Daher stellte der Autobauer seinem kleinen Geländewagen bereits 1946 den größeren Jeep Station Wagon zur Seite.

Spätestens als Willys-Overland zwei Jahre später den Station Wagon auch mit Allradantrieb anbot, entstand der vermutlich erste SUV der Autogeschichte. Mutter ‚rein, Kinder ‚rein, Gepäck ‚rein – Platz genug ist ja vorhanden. Nur warum der Autobau seinem Station Wagon eine Holzanmutung verpasste, wirkt heute befremdlich. Doch zumindest musste der Patriarch das Hundschuhfach nicht mehr mit Holzpolitur und Termitentod blockieren.

 

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