Pirelli verlängert seinen Vertrag mit der Formel 1 um weitere vier Jahre. Bis zur Saison 2023 rollen die Rennwagen der Königsklasse weiterhin exklusiv auf Reifen des italienischen Reifenherstellers. Schon das ist für einige der Fans schwer zu verdauen, weil sie sich auch bei den Reifen mehr Wettbewerb wünschen. Doch die eigentliche Sensation steckt in „Kleingedruckten“ der Pressemitteilung, die Pirelli heute Mittag verschickte. Denn ab 2021 rollt die Formel 1 auf 18″ großen Felgen. Damit verlieren die Rennwagen in meinen Augen ein Stück ihrer Identität.

Jean Todt, Präsident der FIA, Marco Tronchetti Provera, Pirelli Vice President und CEO sowie Chase Carey, Formel 1 Vorsitzender und CEO, verkündeten in Abu Dhabi die Vertragsverlängerung zwischen der Formel 1 und Pirelli bis 2023 und präsentierten den neuen 18-Zoll Slick
Jean Todt, Präsident der FIA, Marco Tronchetti Provera, Pirelli Vice President und CEO sowie Chase Carey, Formel 1 Vorsitzender und CEO, verkündeten in Abu Dhabi die Vertragsverlängerung zwischen der Formel 1 und Pirelli bis 2023 und präsentierten den neuen 18-Zoll Slick (Foto: Pirelli)

Schon 2015 gab es erste Hinweise, dass die Zeit der 13″-Felgen und den darauf aufgezogenen Ballonreifen in der Formel 1 endlich ist. Damals beschäftigten sich Pirelli und Michelin öffentlich mit der Frage, ob 18″-Reifen in der Formel 1 funktionieren. Besonders Michelin drängte darauf, mit dem Umstieg auf 18″-Reifen Seriennähe zu demonstrieren. Zudem versprach sich der Reifenbauer von dem Umstieg den direkteren Technologietransfer vom Rennsport in die Serie. Schließlich sind die 17“ und 18“-Räder mit ihrem Höhen-Breiten-Verhältnis wesentlich dichter an der Serie als die bisher eingesetzten Reifen.

Pascal Couasnon, Direktor bei Michelin Motorsport sagte 2015 dazu:

… Der Hauptgrund, warum wir auf 18-Zoll-Reifen wechseln möchten, ist, dass sie die Entwicklung neuer Technologien für Großserienreifen ermöglichen. Wir glauben, dass dieser Technologietransfer bei kleinen Reifendurchmessern mit hohen Seitenwänden unmöglich ist, Motorsport aber grundsätzlich eine bedeutende Rolle bei der Beschleunigung der Entwicklung von zukünftigen Straßenreifen haben kann. Wir brauchen Rennreifen, die einen ähnlichen Aufbau wie Serienreifen haben, um neue Technologien entwickeln zu können. …

Wobei Couasnon damals bewusst war, dass eine Umstellung auf flachere Seitenwände der Reifen den Fahrwerk-Konstrukteuren nicht gefallen wird:

13-Zoll-Reifen mit ihren hohen Seitenwänden tragen erheblich zur Dämpfung des Fahrzeugs bei. Der Wechsel auf 18-Zoll-Reifen mit kleineren Seitenwänden würde sicherlich eine umfassende Neuauslegung der Fahrwerksysteme erfordern.

Ganz neu ist die Idee „seriennaher“ Reifen in der Königsklasse des Motorsports nicht. Denn bis weit in die 1960er-Jahre ähnelten die Reifen von Formel-Rennwagen optisch ihren Serien-Geschwistern. Wer heute Bilder vom 1962er Porsche 804 F1 sieht, der kann sich dessen schmale Räder auch gut auf einem VW Käfer vorstellen. Auf der Suche nach Haftung gingen die Reifen erst Mitte der 1960er-Jahre langsam in die Breite. Trotzdem blieben die Reifen zunächst profiliert. Zudem zogen die Teams ihre Reifen lange auf Felgen auf, die sich an den Abmessungen zeitgenössischer Sportwagen orientierten. Selbst als Lotus ab 1967 den Cosworth-V8 in der Formel 1 etablierte, rollte der Rennwagen des Typs Lotus 49B noch an beiden Achsen auf 15“-Felgen.

Slicks veränderten alles!

Anfang der 1970er-Jahre entdeckten die Teams und Reifenhersteller, dass die von den Dragstern bekannten profillosen Reifen auch auf der Rundstrecke funktionieren. Nebenbei verstanden sie, dass das Volumen der Reifen ihr Schwingungsverhalten beeinflusst und damit (fast) ein eigenes Fahrwerk bildet. Das nutzen Rennwagenbauer, um die Radlastschwankungen und damit die Veränderung des Abstands des Fahrzeugs zur Fahrbahn zu minimieren. Besonders der zweite Punkt erfreute auch die Aerodynamiker.

10" große Vorderräder am Tyrrell P34
10″ große Vorderräder am Tyrrell P34 – Foto: Tom Schwede

Zeitweise experimentierten die Ingenieure, wie unter anderem beim heute legendären „Six-Wheeler“ Tyrrell P34, mit 10“ großen Vorderradfelgen. Doch das blieb letztlich eine verhältnismäßig kurze Episode. Die 13″-Felge stieg zur Standard-Felge der Königsklasse des Motorsports auf. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Selbst der aktuelle Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+ von Weltmeister Lewis Hamilton rollt auf Felgen dieser Dimension. Ähnlich war es lange auch in den Nachwuchsklassen. Denn praktisch alle Monoposto-Klassen waren bisher mit 13″ großen Felgen unterwegs.

Nur die Formel E wich von Anfang an von diesem Grundsatz ab. Ihre elektrischen Monoposto rollen auf Niederquerschnittsreifen und 18“-Felgen. Das registrierte auch Pirelli und lies daher schon drei Jahren Lotus Daten für einen möglichen Umstieg der Felgengröße sammeln. Ich fand den Test mit 18″ großen Felgen schon damals überflüssig. Mich beruhigte, dass der Test inzwischen fast vergessen war. Doch inzwischen hat sich die Königsklasse verändert. Statt in den Händen von Bernie Ecclestone liegen die kommerziellen Rechte der Weltmeisterschaft inzwischen bei Liberty Media.

Liberty Media steht für Vietnam und 18″-Felgen …

Das Medien-Unternehmen aus den USA baut die Formel 1 zurzeit mit Nachdruck um. Schon die  Nachricht von einem Rennen in Vietnam hielt ich zunächst für einen Scherz. Doch diese Nachricht war kein Scherz. Jetzt folgen Felgen und Reifen, die das Aussehen der Fahrzeuge völlig verändern dürften. Mir gefällt das nicht. Doch das ist nur meine bescheidene Meinung. Wie findet Ihr die Idee, Formel-Fahrzeuge auf 18″-Felgen zu stellen?

 

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Ab 2021 rollt die Formel 1 auf 18-Zoll Slicks

Foto: Pirelli


1 Comment

  1. Eine gute Nachricht wie ich finde!
    Seit Jahrzehnten werben Autohersteller damit Rennsporttechnologie auf die Straße zu bringen und viele Innovationen die wir heute im Straßenverkehr sehen haben Ihren Ursprung in der Suche nach mehr Geschwindigkeit und Performance auf dem Track.
    Die ist in dne letzten Jahren meiner Meinung nach leider etwas in den Hintergrund getreten. Ein Grund mehr diesen Schritt wenigstens einmal zu Probieren.
    Über die optischen Aspekte solch einer Entscheidung ließe sich natürlich lang und breit diskutieren..

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