Motorsport

Bunt, laut, stark und abwechselungsreich! Die Rennwagen der 24 Stunden von Le Mans

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85% Vollgas und Geschwindigkeiten weit jenseits der 300 km/h. Die 24 Stunden von Le Mans sind ein unvergleichlicher Mythos. Unter der Regie des AUTOMOBILE CLUB DE L’OUEST (ACO) aus Le Mans wird hier bis heute auf echten Straßen gnadenlos Tempo gemacht. Große Teile der 13,629 Kilometer langen Rennstrecke führen über öffentliche Straßen. 1300ccm.de machte sich beim Vortest für das 24 Stunden Rennen ein Bild von den Le Mans Prototypen, die die wohl faszinierendsten Rennwagen der Gegenwart sein dürften.

Beim Besuch an der Circuit de la Sarthe genannten Strecke fällt eins sofort auf. In Le Mans gibt es keinen optischen Einheitsbrei. Auf der Strecke kann man zahlreiche unterschiedliche Fahrzeugformen bewundern. Die Verantwortlichen des ACO geben vergleichsweise wenige Parameter verbindlich vor und sorgen zu für einen technischen Wettbewerb. Damit unterscheidet sich die Le Mans Szene deutlich von anderen Rennserien. Dort schreibt man, wie beispielsweise in der NASCAR ja inzwischen Einheitsfahrzeuge vor. Die Teams „pimpen” dann ihr „Car of Tomorrow” mit Aufklebern, um über markenspezifische Eigenschaften wie Lampen- oder Grill-Formen den Fans Vielfalt zu vermitteln.

Würde man in der aktuellen Formel 1 einmal die Folien, die für Farbe sorgen und Sponsoren präsentieren, abziehen, sind Unterschiede kaum noch wahrnehmbar. Selbst Hardcore-Fans würden bei der Zuordnung von Fahrzeugbezeichnungen zu denen sich dann im blanken Schwarz ihrer Kohlefaserkörper präsentierenden Formel 1 Boliden Schwierigkeiten haben. Dafür sorgt schon, dass das Regelwerk der Formel 1 einen vergleichsweise engen Rahmen vorgibt. Wenn dann ein findiger Konstrukteur mit einem Geniestreich einmal tatsächlich einen neuen Trend setzen kann, wird seine Idee so schnell wie möglich von seinen Kollegen kopiert – womit endgültig eine gewisse Monokultur zementiert wird.

In Le Mans ist das anders

Wenn man hier die Sport-Prototypen von Audi, Peugeot, Lola, Aston Martin, ORECA oder Pescarolo „entkleidet” bleiben sie klar erkennbar. Denn alle Fahrzeuge haben ihre eigene Form und weisen Besonderheiten auf. Jeder Konstrukteur hat scheinbar seinen persönlichen Weg gefunden, die Luft zu teilen, damit das eigene Fahrzeug über die Landstraßen der französischen Provinz gleiten kann.

Zur Vielfalt trägt auch bei, dass die Teams ggf. auch unterschiedliche Modelle eines Herstellers fahren. So unterscheiden sich zum Beispiel die Rennwagen von Lola in den Händen von Rebellion und Level 5 Motorsports nicht nur in der „Lackierung”. Denn während man bei Level 5 auf den B11 – erkennbar an einer senkrechten Finne auf der Motorabdeckung – vertraut, führt der von Rebellion gefahrene B10 an gleicher Stelle mit einem Luftsammler dem im Heck installierten Toyota-Motor die notwendige Atemluft zu.

Auch bei den Motoren gibt es Abwechslung

Auch die Ohren der Fans bekommen bei seinem Besuch in Le Mans sehr verschiedene Klangerlebnisse geboten. Das Ergebnis sehr unterschiedlicher Motorenkonzepte. Benziner oder Diesel, Sauger oder Turbo, Reihen- oder V-Motor, 4, 6, 8, 10 oder 12 Zylinder – dazu noch eine Priese Hybrid – in Le Mans ist alles vertreten.

Die Platzhirsche Audi und Peugeot vertrauen auf Diesel-Motoren, die ohne Diesel-typisches Nageln auskommen. Die Renndiesel klingen auch 2011 ein bisschen wie dumpfe Luftpumpen. Das Diesel-Herz des Peugeot 908 verbrennt das „Heizöl” mit 8 Zylindern. Dabei setzen zwei von Garrett gelieferte Turbolader den Block unter Druck. Im Heck des auch optisch sehr auffälligen Audi R18 TDI ist hingegen ein 3,7 Liter großer V6 für den Sound verantwortlich.

Der in diesem Jahr neue Motor soll über eine sogenannte „hot side inside” Konfiguration verfügen. Dabei liegen – anders als bei den meisten anderen V-Motor-Konstruktionen – die Ansaugrohre des Motors auf der Außenseite. Zwischen den Zylinderbänken befindet sich ein Turbolader aus dem Hause Garrett, der über kurze Auspuffrohre auf Drehzahl gehalten wird. Beobachter schätzen, dass das neue Triebwerk des R18 rund 75 Kilogramm leichter als der V10 Turbo-Diesel seines Vorgängers R15 ist.

Neben diesen Selbstzündern gibt es in Le Mans natürlich auch jede Menge Benziner. Toyota stellt Rebellion den rund 500 PS starken RV8KLM zur Verfügung. Der klassische Rennsport V8 mit 90 Grad Zylinderabstand basiert auf einem Formula Nippon Motor, das die Japaner für den Einsatz in Le Mans modifiziert haben. Der V10 von JUDD, den das Team von Henri Pescarolo einsetzt, basiert auf einem ursprünglich für die Formel 1 entwickelten Triebwerk. Gefahren werden auch Motoren von Nissan, Honda sowie von BMW, die von unabhängigen Motorenbauern für den Einsatz in den Prototypen getrimmt wurden.

Besonders nach Rennwagen klingt der Motor des Aston Martin AMR-ONE – wenn dieser denn fährt. In diesem offenen Sport-Prototypen brüllt ein 2-Liter großer 6 Zylinder Reihenmotor mit Turbolader im Stile eines echten Sportwagens durch die Landschaft. Das ist nicht nur im Vergleich zum kreischenden „IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiiiiiiiiiii” der modernen Formel 1 ein angenehmes Klangerlebnis. Leider hat das Team von Prodrive im Moment noch große Probleme, den Motor und den Rennwagen zum Laufen zu bringen. Beim Vortest packte man bereits in der Mittagszeit zusammen und wird auch auf das nächste Rennen der Le Mans Series verzichten, um sich daheim in England ganz für den Auftritt in Le Mans vorzubereiten.

Das große Rennen und eine kleine Alternative

Auf der Strecke ist Le Mans eine Reise wert. 250.000 Zuschauer, die während des Starts des Rennens am 11. Juni 2011 an der Strecke sein werden, sind vielleicht nicht ganz jedermanns Geschmack. Trotzdem ist der Besuch des 24 Stunden Rennen von Le Mans ein echtes Erlebnis, das Rennfans einmal gemacht haben sollten. Da Hotels in Le Mans während des Rennens unverschämt teuer – und auf Jahre vorher gebucht – sind, sollte man sich auf einem der Camping-Plätze im Umfeld der Strecke einquartieren. Je nach Entfernung (und Zustand der Anlage) bewegen sich die Übernachtungspreise hier zwischen 25 und rund 100 €.

Wer nur die faszinierenden Le Mans Sportwagen einmal live erleben will, der hat bereits am nächsten Wochenende in Spa-Francorchamps die Gelegenheit. Am Samstag, den 7. Mai 2011 steht auf der Ardennen-Achterbahn im Rahmen der Le Mans Series das 1.000 Kilometer Rennen auf dem Programm. Bis auf Aston Martin werden alle wichtigen Teams diesen Termin nutzen, um sich im Wettbewerb auf das große Rennen in sechs Wochen vorzubereiten.



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