Motorsport

Formel 1: Die Langeweile killt den Sport!

Rene Arnoux 1980 beim Großen preis der Niederlande

Die Formel 1 und der Motorsport haben viele Krisen und Anfeindungen überstanden. Weder das Drama von Le Mans, noch die Ölkrise der 1970er oder die Jahrzehnte lange Umweltdiskussionen konnten stoppen, dass Menschen mit ihren Rennwagen im Kreis herumfuhren – wie Niki Lauda es 1979 bei seinem ersten Rücktritt einst nannte. Doch jetzt steht der Szene das Wasser bis zum Hals.

Ich verfolge das Geschehen in der Formel 1 seit Mitte der 1970er Jahre. Der Blick über so eine lange Zeitspanne offenbart, woran die Königsklasse heute krankt. Es ist in meinen Augen nicht grundsätzlich der Ansatz einer „Grünen Formel 1“, wie Don Dahlmann in einem Kommentar in seinem Racingblog schreibt. Das Problem ist, dass der Formel 1 seit mehr als 25 Jahren meist die Spannung fehlt.

Natürlich spielt die aktuelle Technik dabei eine Rolle. In der Königsklasse sind seit der Saison 2014 nur noch V6-Ottomotoren mit 1,6 Liter Hubraum, vier Ventilen pro Zylinder und einem Zylinderbankwinkel von 90° erlaubt. Die Bohrung liegt einheitlich bei 80 mm, der Hub darf 53 mm betragen. Die zulässige Höchstdrehzahl liegt bei 15.000 Umdrehungen pro Minute. Die Aufladung darf nur mit einem Turbolader und einem maximalen Ladedruck von 3,5 bar erfolgen. Der maximale Benzindurchfluss liegt bei 100 kg/h. Pro Rennen stehen nur 100 kg zur Verfügung.

Dazu kommt, dass der Elektromotor der Hybridfahrzeuge 163 PS stark sein darf. Und so wird die Energierückgewinnung zum Erfolgsgeheimnis. Mercedes begann als erster Hersteller mit der Konstruktion eines Motors. Im Laufe der Entwicklung entstanden angeblich mehr als 22.000 unterschiedliche Laderkonfigurationen. Kein Wunder, dass die Kosten explodieren. Reichten den Teams in der V8-Ära noch sechs Millionen pro Jahr für die Motoren, benötigen sie jetzt mindestens 20 Millionen.

Ein ordentlicher Schluck aus der Pulle – ohne, dass die Show besser wurde.

Einige Fans zeigen in der aktuellen Situation auf die Langstreckenszene. Dort sorgt technische „Vielfalt“ für Spannung. Die drei im vergangenen Jahr in der WEC beteiligten Marken treten mit drei völlig unterschiedlichen Motor-Konzepten an. Ich glaube ja, dass es dem Fan an der Strecke oder dem TV-Schirm am Ende vermutlich völlig egal ist, ob ein großer Sauger, ein kleinerer Turbo oder ein Diesel – jeweils mit Unterstützung von Elektromotoren – den Vortrieb übernimmt.

Doch der Unterschied sorgt immer wieder für Spannung, weil die Konzepte je nach Strecke und den äußeren Bedingungen unterschiedlich funktionieren. Das begeistert die Fans. Trotzdem ist der Vergleich mit der Formel 1 in meinen Augen schwierig. Die WEC fährt – mit Ausnahme von Le Mans – im Prinzip vor leerem Haus. Bei der Formel 1 ziehen teilweise die offiziellen Gemeinschafts-Testfahrten mehr Zuschauer an als ein WEC-Rennen. Schon das Risiko des Scheiterns in Le Mans erfordert bei einem geschätzten WEC-Budget von 80 bis 100 Millionen pro Jahr viel Mut von den Werken.

Die Formel 1 ist einfach eine andere Hausnummer!

Die Königsklasse des Motorsports ist an der Spitze mindestens doppelt so teuer wie die WEC. Ich glaube, dass Audi und Volkswagen auch deshalb auf einen Einstieg verzichten. Zumal Mercedes fast nicht einzuholen ist. Im vergangenen Jahr gewannen die Stuttgarter 16 der 19 Saisonrennen. In diesem Jahr wird es vermutlich ähnlich ausgehen. Trotzdem ist es unfair, jetzt Mercedes allein für die schlechte Stimmung der Fans verantwortlich zu machen.

Ich glaube, dass die aktuellen Akzeptanz-Probleme das Ergebnis eines langen Prozesses sind. In den Tagen von James Hunt und Niki Lauda gewannen regelmäßig mindestens sieben unterschiedliche Piloten pro Jahr einen Grand Prix. Immer wieder gewannen Außenseiter völlig überraschend einzelne Rennen. In der modernen Formel 1 sind solche Erfolge selten. Olivier Panis 1996 in Monaco fällt mir ein. Oder der Erfolg von Pastor Maldonado 2012 in Spanien. Alles etwas wenig Salz in der Suppe.

2014 gewannen nur drei Piloten einen Grand Prix

Selbst 1978, als – das echte Team – Lotus überlegen war, gewannen die Briten „nur“ die Hälfte der Rennen. Gleichzeitig trugen sich immerhin noch sechs unterschiedliche Piloten in die Siegerlisten ein. In den 1980er-Jahren veränderte sich das. Schon 1984 gewann McLaren dank des überlegenen TAG-Porsche-Motors 75 Prozent der Rennen. Nur der Zweikampf zwischen den McLaren-Piloten Alain Prost und Niki Lauda sorgte wenigstens etwas für Spannung.

Vier Jahre später siegte McLaren bei 15 der 16 Saisonrennen. Aus Sicht des Sports und des Wettbewerbs ein Tiefpunkt der Formel 1 Geschichte. Doch bis in die 1990er-Jahre galt, dass die Phasen der Überlegenheit eines Teams meist nur von kurzer Dauer waren. Teilweise war der Vorsprung eines Teams schon noch zwei oder drei Monaten Geschichte. Die anderen Teams hatten die Möglichkeit zum Aufschließen. Und da die Überlegenheit selten wie 1984 oder 1988 vom Motor ausging, konnten die Teams Chassistricks meistens schnell kopieren.

Nur Kopieren funktioniert nicht mehr

Alles Vergangenheit, denn das Kopieren klappte in der jüngeren Geschichte immer weniger. Seit 1991 gab es nur acht Jahre, in denen das dominierende Team nicht mindestens die Hälfte der Rennen gewann. Von 2000 bis 2004 gewann Ferrari sogar 2/3 der Rennen. Und da die Italiener neben Michael Schumacher nie einen gleichwertigen Piloten duldeten, hamsterte der Rekordweltmeister die Mehrzahl dieser Erfolge. Das war selbst für das deutsche Sportpublikum irgendwann nur noch die pure Langeweile!

2005 und 2006 wuchs Ferrari mit Renault ein echter Wettbewerber heran. Es folgten ein paar durchaus unterhaltsame Jahre. Im Rückblick wirken die Titelentscheidungen der Jahre 2007 und 2008 geradezu dramatisch. Da war es sogar unwichtig, dass sich 2007 mit McLaren und Ferrari nur zwei Teams alle Siege unter sich aufteilten. Anfang dieses Jahrzehnts übernahm dann Red Bull die Platzhirsch-Rolle. Besonders 2011 und 2013 waren für die Fans schlimm. Die Renner aus dem Brauseimperium gewannen jeweils 2/3 der Rennen und holten damit die Langeweile zurück.

Der Flop mit den Turbos zementiert die Langeweile

Mit der Rückkehr der Turbomotoren verbanden Fans die Hoffnung auf mehr Spannung. Das wurde nicht erfüllt. 2014 war Mercedes drückend überlegen. Die Stuttgarter begannen 2011 als Erste mit der Entwicklung der neuen Motorengeneration. In Verbindung mit dem größten Aufwand war das eine sichere Bank. Im Moment sieht es nicht danach aus, dass sich daran allzu schnell etwas ändern. Die rigiden Vorschriften zur Weiterentwicklung und die Beschränkung der Testfahrten machen ein Aufholen (fast) unmöglich. So werden diese Fesseln zum Spannungstöter, der die Fans endgültig verjagt.

Dazu kommt, dass die aktuelle Formel 1 über das kleinste reguläre Feld seit Jahrzehnten verfügt. Das erinnert fatal an 1982/1983. Auch damals resignierten Hinterbänkler, weil die aufkommenden Turbomotoren deutlich teurer als die zuvor erlaubten Saugmotoren waren. Innerhalb kurzer Zeit verschwanden Teams wie Theodore, Ensign, March oder Fittipaldi von der Bildfläche, weil sie die teuren Turbomotoren nicht bezahlen konnten. Aktuell kämpft das halbe Feld ums Überleben.

Dazu kommt: Spekulationen um den Gesundheitszustand von Fernando Alonso oder der Gerichtsstreit zwischen Sauber und Giedo van der Garde sorgten rund um das Rennen in Australien für mehr Schlagzeilen als jedes Treiben auf der Strecke. Deutlicher können Warnzeichen kaum ausfallen. Denn im Moment stimmt das Produkt auf der Strecke einfach nicht. Solange die Verantwortlichen dort nichts ändern, werden die Fans kaum an die Strecken und die TV-Schirme zurückkehren.


Rene Arnoux 1980 beim Großen preis der NiederlandeInfos zum Titelbild:
Auch vor 30 Jahren machten die Turbo-Motoren der Formel 1 Probleme. (Foto: Pereira, Fernando / Anefo / neg. stroken, 1945-1989, 2.24.01.05, item number 930-9906, Dutch National Archives)
Auch vor 30 Jahren machten die Turbo-Motoren der Formel 1 Probleme. (Foto: Pereira, Fernando / Anefo / neg. stroken, 1945-1989, 2.24.01.05, item number 930-9906, Dutch National Archives)
 

1 Kommentar

  1. Es gab mal Zeiten da hat es sich gelohnt sich die Formel 1 zuschauen, aber nun ist es vertane Zeit oder die Schlafpille am Sonntag nach dem Mittagessen. Man kann alles Reglementieren und das auch bis ins Grab. Heute sind die Autos fahrender Computer wo der Fahrer nur Fehler machen kann, wenn den falschen Knopf drückt oder den Bremspunkt verpasst und dann kommt die Stallorder. „Back to the roots“ Freie Reifenwahl, wieder Tanken, V10 Turbomotoren, Assistenzsysteme im Auto verbieten, usw. Man sollte mal in die Indy-Car Serie schauen, das macht Spaß sich die anzuschauen. Aber aktuell reicht es ja, abends die Zusammenfassung auf Sport1 zuschauen. Das Fazit, wir haben keine Karten für Spa gekauft.

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