In der guten alten DTM, die sich noch als Meisterschaft bezeichnete, kam es regelmäßig vor, dass Gaststarter in der DTM das Feld auffüllten. Das war in der Regel für alle Beteiligten ein guter Deal. Denn der Start eines bekannten Sportwagen- oder Formel-1-Piloten sicherte seinem Einsatzteam zusätzliche Beachtung. Das Publikum freute sich über Fahrer, die es sonst nicht an der Strecke bewundern durfte.

Für die Gaststarter in der DTM war die Ausfahrt oft eine gute Gelegenheit, um die eigene Kasse aufzubessern. Manchmal „bedankten“ sich die Gaststarter mit dem Einsatz auch „nur“ bei einem Hersteller für dessen finanzielle Unterstützung in anderen Serien. Bei so einer Gelegenheit sah ich 1991 beim Flugplatzrennen in Diepholz mal Michael Schumacher in einem DTM-Mercedes.

Im Laufe der Zeit geriet die Praxis der Gaststarter in der DTM in Vergessenheit!

Insofern ist es erfreulich, dass die DTM inzwischen (manchmal) wieder Gaststarts zulässt. Jeder der drei beteiligten Hersteller darf bei einem Rennwochenende im Jahr einen Gaststarter ausrücken lassen. Audi nutzte dies im Frühjahr, um Matthias Ekström ein Abschiedsrennen in der DTM zu ermöglichen. BMW wird Ende August in Misano einen zusätzlichen DTM-Auto Alessandro Zanardi ins Rennen schicken. Jetzt gab Mercedes bekannt, dass beim Rennen in Spielberg der fünfmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier in einem Mercedes-AMG C 63 DTM antritt.

„Diese Erfahrung ist sehr aufregend“, sagte Sébastien Ogier. „Die DTM ist etwas komplett Neues für mich, aber ich versuche, mit jeder Runde so viel wie möglich zu lernen. Ich sehe es als eine Chance an, meinen Rennsport-Horizont zu erweitern und mehr Erfahrung zu sammeln. Bislang bin ich noch nicht viel auf permanenten Rennstrecken gefahren, nur ein paar Mal mit GT-Autos. Ein DTM-Fahrzeug ist aber schneller. Man kann natürlich nicht erwarten, bei einem Gaststart auf Anhieb konkurrenzfähig zu sein. Ich erwarte ein schwieriges erstes Wochenende in Spielberg, an dem es mein Ziel ist, so nah wie möglich an den anderen Fahrern dran zu sein.“

Mal gucken, was geht!

Die „Ausfahrt“ von Sébastien Ogier im DTM-Auto von Mercedes ist wirklich interessant. Denn in der Vergangenheit haben immer wieder Rallye-Piloten auch auf der Rundstrecke geglänzt. Unvergessen die Starts von Walter Röhrl oder Henri Toivonen, die beide auch auf der Rundstrecke Erfolge feierten. In der jüngeren Vergangenheit hat Sébastien Loeb einige Rennen auf der Rundstrecke absolviert. 2009 testete Loeb für Red Bull sogar einen Formel-1-Rennwagen und machte auch dabei eine relativ gute Figur.

Auch wenn es bei einem Gaststart sicher nicht darum geht, gleich an die Spitze zu fahren, ist das Ganze durchaus interessant. Ich bin wirklich gespannt, wie sich Sébastien Ogier im DTM-Auto schlägt. Denn die aktuellen DTM-Fahrzeuge haben den Ruf, relativ schwierig im Handling zu sein. Die hochgestochene Aerodynamik der Rennwagen ist auch für geübte Fahrer eine Herausforderung. Ogier nutzt in dieser Woche bei einem Test im italienischen Vallelunga die Gelegenheit, sich mit dem Mercedes-AMG C 63 DTM anzufreunden.

Auch Alessandro Zanardi nutzt diesen Test, um seinen BMW M4 DTM kennenzulernen. Der 51-Jährige Italiener tritt mit einem modifizierten DTM-Rennwagen an und wird den DTM-Boliden ohne Prothesen am Limit bewegen. Zu den Umbauten, die den Einsatz von Zanardi möglich machen, gehören ein Handbremssystem, eine Fliehkraftkupplung zum Anfahren sowie ein Gasring am Lenkrad. Alles zusammen macht den Einsatz des beliebten Italieners auch zu einer Botschaft. Denn Alessandro Zanardi verlor bei einem Rennunfall seine Unterschenkel. Trotzdem lässt sich der Italiener auf einen Gaststart in der DTM ein. Alleine diese Hartnäckigkeit verdient jede Menge Bewunderung!

 

1300ccm.de - Auto-Blog für Auto-Natives ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.




Ähnliche Artikel


Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Sebastien Ogier beim Test im Mercedes-AMG C 63 DTM

Foto: Mercedes