Motorsport

24 Stunden von Le Mans – 90. Geburtstag mit gedämpfter Stimmung

Audi R18 e-tron quattro

Als mich vor einigen Wochen Michelin fragte, ob ich in Le Mans hinter die Kulissen des 24-Stunden-Rennens schauen möchte, habe ich sofort zugesagt. Wer meine Beiträge in diesem Blog regelmäßig liest, weiß welche  Faszination, dieses Rennen auf mich ausübt.

Seit Mitte der 1980er Jahre war ich mehrmals in Le Mans an der Strecke. Ich habe dort die DTM gesehen, habe Veranstaltungen des historischen Motorsports besucht und die Sportwagen an offiziellen Testtagen für das 24-Stunden-Rennen bewundert. Nur mit dem großen Rennen hat es bisher nicht geklappt. Um so mehr hat mich begeistert, dass ich ausgerechnet beim 90. Geburtstag des Rennens meine persönliche Le Mans Premiere feiern durfte.

Ähnlich wie die „500 Meilen von Indianapolis“ und das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring sind die „24 Stunden von Le Mans“ nicht nur ein Rennen. Die „24 Stunden von Le Mans“ sind eher eine Festwoche mit Autorennen. Bereits am Montag und Dienstag nehmen die technischen Kommissare die Rennwagen ab. Bei vielen anderen Rennen findet die Abnahme in irgendeiner dunklen Box statt. In Le Mans führen die Offiziellen die Abnahme im Herzen der Stadt durch. Auf der Strecke gibt es Oldtimer-Rennen. Abseits der Strecke gibt es einen Jahrmarkt, mehrere Ausstellungen und zahlreiche Verkaufsstände. Auf dem weitläufigen Areal campen die Fans.

Die Qualifikation für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans

Ab Mittwoch dürfen die Rennwagen dann endlich auch auf die Strecke. In der Qualifikation wird, wie früher in der Formel 1, in mehreren Sitzungen um die Startplätze gekämpft. In diesem Jahr litt das Trainingsprogramm darunter, dass die Piloten ungewöhnlich viel Schrott produzierten. Mehrfach stoppte die Rennleitung die Trainingsläufe mit der roten Flagge, weil Fahrzeuge verunfallt waren. Zudem sorgte immer wieder Regen für schwierige Streckenbedingungen.

Loïc Duval

Loïc Duval wurde bei der Fahrerparade für die schnellste Qualifikationsrunde ausgezeichnet.

Als am Ende zusammengezählt wurde, hatte Loïc Duval den Audi mit der Startnummer 2 auf den besten Startplatz gestellt. Während der Fahrerparade am Freitag zeichnete Le Mans Veranstalter ACO den Franzosen dafür mit einer gesonderten Trophäe aus.

Auch die Fahrerparade findet übrigens in Le Mans nicht an der Strecke, sondern in der Innenstadt von Le Mans statt. Unter den Augen von zahlreichen Zuschauern fahren die Piloten dabei in offenen Oldtimern über den Place de la République. Im Vergleich zu den oft sterilen Fassaden der Formel 1 und DTM ist Le Mans eine völlig andere Welt. Bei keiner anderen Motorsportveranstaltung sind die Piloten dem Publikum so lange und im wahrsten Sinne so nah.

Zu den Piloten, die sich in der Fahrerparade dem Publikum präsentierten, gehörte natürlich auch der Däne Allan Simonsen. Im Rennen sollte sich der erfahrene Pilot einen Vantage V8, den Aston Martin in der Klasse „GTE Am“ einsetzt, zusammen mit zwei seiner Landsleute teilen. Bereits in der dritten Runde verlor der Däne in der Kurve Tertre Rouge die Kontrolle über den Sportwagen. An der gleichen Stelle hatten sich wenige Sekunden zuvor bereits zwei andere Rennwagen gedreht. Zumindest den zweiten Dreher muss Allan Simonsen gesehen haben, wie ein Zuschauervideo zeigt.

Allan Simonsen

Allan Simonsen (links) nahm zusammen mit seinen Teamkollegen Christoffer Nygaard und Kristian Poulsen – Im Rennen verunglückte der Däne tödlich.

An diesem Punkt wechseln die Piloten vom permanenten Teil der Strecke auf eine öffentliche Landstraße. Im Vergleich zu anderen Stellen ist hier relativ viel Platz. Trotzdem schlug der Aston Martin ohne nennenswerte Verzögerung in einem stumpfen Winkel in die Leitplanke ein. Hinter der Leitplanke stehen an dieser Stelle alte Alleebäume. Möglicherweise hat dies dazu geführt, dass die Leitplanken die Kraft des Aufpralls nicht wie gewünscht absorbieren konnte. Stattdessen schleuderte der Rennwagen zurück auf die Strecke.

Nach der Bergung transportierten die Rettungskräfte Simonsen ins Streckenhospital, wo der Däne kurze Zeit später seinen Verletzungen erlag. Das Publikum bekam von diesem Unglück zunächst nur mit, dass das Rennen fünfzig Minuten hinter dem Safty Car stattfand. Drei Stunden nachdem NASCAR-Vize-Präsident Jim France das Rennen gestartet hatte, gab der Streckensprecher den Tod von Allan Simonsen bekannt. Das Publikum würdigte den Piloten mit einer Schweigeminute. Aston Martin zog die verbliebenen Vantage V8 nicht vom Rennen zurück, auf ausdrücklichen Wunsch der Familie von Allan Simonsen.

Le Mans Start 2013

15:00 Uhr NASCAR-Vize-Präsident Jim France schickt die 56 Teilnehmer auf die Reise.

Der Zweikampf zwischen Audi und Toyota

Trotz des bedauernswerten Unfalls war das Rennen eine Demonstration für den Motorsport. Denn auf der Strecke entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Audi und Toyota. Nach dem Training gingen viele im Fahrerlager davon aus, dass es nur eine Frage sei, welcher der Audi zum Sieg fahren würde. Kaum jemand traute Toyota den Sieg zu.

Doch der Verlauf des Rennens sah etwas anders aus. Auch wenn Audi mit kurzen Ausnahmen eigentlich immer an der Spitze lag, setzte Toyota Audi teilweise kräftig unter Druck. Selbst nach sechs Stunden lagen die Toyota noch in der gleichen Runde wie die Audi. Schnellster der drei „Audi R18 e-tron quattro“ war die Mannschaft von André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler.

Dies änderte sich erst, als der Audi der Vorjahressieger nach einem Boxenstopp gegen 21:45 Uhr nicht wieder ansprang. Ein Defekt an der Lichtmaschine hatte dafür gesorgt, dass die Batterie leer war. Fast 40 Minuten benötigten die Mechaniker für den Wechsel der Lichtmaschine und den Einbau einer neuen Batterie. Damit war der Sieg für die Startnummer 1 außer Reichweite.

Die Führung übernahmen der Audi von Tom Kristensen, Allan McNish und Loïc Duval. Letztlich gab der Audi mit der Startnummer 2 den Platz an der Spitze bis ins Ziel nicht mehr her. Trotzdem wurde das Rennen nicht langweilig. Selbst nach 22 Stunden lag der beste Toyota nur eine Runde hinter den Führenden. Auch wenn natürlich der Verdacht aufkam, dass Audi das Rennen mit Leichtigkeit kontrollierte.

Audi R18 e-tron quattro

Das schnellste Auto der 2013er-Ausgabe der 24-Stunden von Le Mans: Audi R18 e-tron quattro – Startnummer 1 von André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler

Denn André Lotterer bewies eindrucksvoll, wozu der Audi R18 e-tron quattro tatsächlich fähig ist. Nach dem Austausch der Lichtmaschine die Startnummer 1 mit Abstand das schnellste Fahrzeug auf der Strecke. Mit mehreren Rekordrunden sorgte der Duisburger in der Nacht dafür, dass die Startnummer 1 wieder in die Top 5 zurückkehrte. Seine Rundenzeit von 3:22,746 Minuten lag fast eine Sekunde unter der eigenen Trainingszeit.

Gut 90 Minuten vor dem Ende des Rennens blies Toyota zum finalen Angriff. Als gleichzeitig erneut das Wetter umschlug, wurde es dabei sogar richtig spannend. Doch so sehr sich Toyota auch streckte, am Ende reichte es nicht. Nachdem Nicolas Lapierre den zweiten Toyota in die Reifenstapel knallte, stellte Toyota alle Angriffe ein.

Le Mans 2013 - Toyota TS030 - Hybrid

Stéphane Sarrazin, Sébastien Buemi und Anthony Davidson belegten mit diesem Toyota TS030 – Hybrid Platz zwei.

Als dann auch noch ein starker Platzregen die erneute Neutralisierung des Rennens notwendig machte, hatte Audi den erneuten Erfolg endgültig sicher. Audi fuhr seit 2000 zum 12. Gesamtsieg. Mit inzwischen neun Gesamtsiegen baute Tom Kristensen seinen persönlichen Rekord weiter aus. Eine Marke, die so schnell kein anderer Pilot einstellen wird. Für Michelin war es sogar der 16. Erfolg am Stück.

245.000 Zuschauer feiern eine große Geburtstagsparty

Der tödliche Unfall des Dänen Allan Simonsen drückte natürlich auf die Stimmung. Doch spätestens in der Nacht feierten die Fans abseits der Strecke die übliche große Party. Als ich gegen 2:30 Uhr kurz ins Hotel fahren wollte, um einige Stunden zu schlafen, gab es kein Durchkommen. Mit dem Auto benötigte ich fast eine Stunde, um das Fahrerlager einmal zu durchqueren.

Le Mans bei Nacht

Le Mans bei Nacht

Bei den Teams sah es anders aus. Nach dem Rennen mochte sich kaum jemand über Erfolge im Rennen freuen. Bei vielen war nach dem Rennen eine deutlich gedrückte Stimmung zu spüren. Vor der Siegerehrung hielt Jacky Ickx eine bewegende Ansprache.

Trotzdem werde ich wiederkommen!

Hoffentlich benötige ich dafür nicht auch 24 Jahre. Und hoffentlich erlebe ich dann ein Rennen ohne so einen bösen Unfall. Denn dann kann man dieses Rennen wirklich genießen.

Mehr Fotos vom gesamten Wochenende bei den 24 Stunden von Le Mans.


Audi R18 e-tron quattroInfos zum Titelbild:
Der Audi R18 e-tron quattro mit der Startnummer 2 gewann das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Am Steuer wechselten sich Tom Kristensen, Allan McNish und Loïc Duval ab.
Der Audi R18 e-tron quattro mit der Startnummer 2 gewann das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Am Steuer wechselten sich Tom Kristensen, Allan McNish und Loïc Duval ab.
 

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