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Mercedes steigt aus der DTM aus – und nun?

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Seit gut 30 Jahren sind Mercedes und die DTM eine feste Einheit. Ende 2018 ziehen sich die Stuttgarter aus der DTM zurück. Alleine werden Audi und BMW nicht in der DTM antreten. Denn mit zwei Herstellern funktioniert das Spiel nicht und ein neuer Hersteller ist nicht in Sicht. Deshalb stellt sich mir die Frage, wie sieht die DTM der Zukunft aus? Ich habe da einen klaren Wunsch!

Montag Abend tauchte in meiner Timeline bei Facebook die Meldung vom Mercedes-Rückzug aus der DTM auf. Für mich war das ein mittleres Erdbeben. Denn ich seit ich denken kann Motorsport-Fan. Als Kind bewunderte ich in der Deutschen Rennsport Meisterschaft die grenzenlosen Tourenwagen der Gruppe 5. Als ich langsam alt genug war, um selbst motorisierte Fahrzeuge zu steuern, entstand die DTM.

Damit wurde Mercedes ein Thema. Denn Tourenwagensport spielte bei der Neuausrichtung der Marke Mitte der 1980er-Jahre eine wichtige Rolle. Mit dem 190 E 2.3-16 stellte Daimler einen kultigen Mittelklasse-Sportler auf die Räder. Die DTM bot diesem die richtige Bühne. Die Duelle des Baby-Benz mit den Bayern aus München und Ingolstadt sind legendär.

Der BMW M3 prägte ab 1987 die DTM. BMW beauftragte Teams wie Zakspeed mit dem Einsatz des Seriensiegers. Und Mercedes stellte mit dem 190er den größten Herausforderer. (Foto: Tom Schwede – gesehen beim AvD Oldtimer Grand Prix)

In den 1990ern wurde aus der Gruppe A die Klasse 1 und die DTM mutierte zur ITC – immer mit Mercedes. Nach dem Scheitern der ITC war Mercedes auch beim Neustart dabei. Insofern sind die Stuttgarter seit gut 30 Jahren DIE Konstante der DTM. Mercedes ist länger die als die aktuellen Wettbewerber von Audi und BMW dabei. Mercedes sah Opel, Alfa-Romeo, Ford und Toyota kommen und gehen.

Was passiert jetzt?

Deshalb ist eine DTM eigentlich nicht vorstellbar. Das macht den Ausstieg von Mercedes zum  Anfang vom Ende. Denn die aktuelle DTM ist ein teures Vergnügen. Ob die Rechnung für die Beteiligten aufgeht, ist – von außen betrachtet – durchaus fraglich. Ich bin seit fast 30 Jahren regelmäßig Zuschauer bei DTM-Rennen. Nach meinem Gefühl waren es an den Strecken noch nie so leer, wie zurzeit. Passend dazu sind auch die Einschaltquoten im Fernsehen rückläufig.

Dazu paßt, dass die DTM bei den Benzingesprächen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis viel Kredit verspielt hat. Ich kenne eigentlich niemanden, der noch sagt, dass die aktuelle DTM toll sei. Überall höre ich eigentlich nur negative Kommentare zur aktuellen DTM. Und ganz wichtig, ich nehme immer die Sehnsucht nach früher wahr, als in der DTM noch richtige Autos fuhren.

Auch Mister-DTM Bernd Schneider fuhr für Mercedes, hier 2006 beim DTM-Rennen in Le Mans. Schon damals bewegte sich die DTM immer stärker von klassischen Tourenwagen weg. (Foto: Tom Schwede)

Natürlich wissen das die Hersteller auch. Schließlich sind die Kosten hoch und ohne Controlling arbeitet heute kein Konzern mehr. Konzerne wollen – frei nach Henry Ford – wissen, welche Hälfte der Werbung rausgeschmissenes Geld war, um diese Ausgabe in Zukunft zu vermeiden. Vermutlich haben in der Vergangenheit auch alle beteiligten Hersteller betont, dass die DTM mindestens drei Hersteller benötigt.

Welche Optionen gibt es?

Trotz aller Bemühungen will seit Jahren keiner zu Audi, BMW und Mercedes in den Ring steigen. Ich erwarte nicht, dass sich das – ohne gravierende Veränderungen am Reglement – ändert. Dafür ist die aktuelle DTM trotz der ganzen Einheitsteile, die die DTM zu einer deutschen Nascar machen, viel zu teuer. Gleichzeitig rauben diese den Rennwagen den technischen Link zu den Produkten der beteiligten Marken.

Nach meiner Beobachtung ignorieren die DTM-Verantwortlichen standhaft, dass die Fans Tourenwagen sehen wollen. Die heutigen Rennwagen sind Prototypen, die auf einem einheitlichen Monocoque basieren. Sie bekommen mit Aufklebern die Anmutung des jeweiligen Markenprodukts. Das hat mit dem namensgebenden Tourenwagen nichts zu tun. Fast alle, mit denen ich in der jüngeren Vergangenheit über die DTM sprach, finden das doof.

Hinter den Einheitsteilen steht der Wunsch nach Spannung. Schließlich spielt Chancengleichheit in der DTM traditionell eine große Rolle. Schon die DTM-Keimzelle Deutsche Produktionswagen Meisterschaft verstand sich als klassenlose Gesellschaft. Das lockte damals Exoten wie ein Chevrolet Camaro oder Ford Mustang in ein Feld mit BMW 320i oder Opel Kadett. Das galt es, zu balancieren.

Vanina Ickx trat 2006 und 2007 in der DTM an. Ihr Einsatz in Vorjahresfahrzeugen war sportlich wenig erfolgreich. Ickx schloss das Feld in der Regel von hinten ab. (Foto: Tom Schwede)

Insofern ist sich die DTM treugeblieben, wie nicht nur die aktuellen Diskussionen um Gewichte belegen. Doch Gutes verkehrt sich stets im Übermaß. Es gab Zeiten, wo die Hersteller ihre Hinterbänkler, die meist aus Marketinggründen im Cockpit saßen, mit speziellen Motormappings vorsorgten. Denn ohne etwas Mehrleistung wäre der Eine oder die Andere dieser Piloten zu weit hinter die Spitze zurückgefallen.

Findet sich ein neuer Teilnehmer?

Ursprünglich wollte die DTM schon in diesem Jahr mit einem Zwei-Liter-Turbo fahren. Doch die Verantwortlichen stellten diesen Wechsel bis 2019 zurück. Besonders Mercedes soll auf die bisherigen V8-Motoren bestanden haben. Jetzt ist guter Rat teuer! Weiter wie geplant? Oder Aufbruch zu neuen Ufern? Bei der ersten Variante wäre ein klares Bekenntnis zur DTM von Audi und BMW wichtig.

Je länger dieses Bekenntnis fehlt, um so schwieriger wird es. Dem DTM-Veranstalter ITR mit ihrem Chef Gerhard Berger an der Spitze rennt die Zeit davon. Schon Ende dieser Saison läuft der TV-Vertrag aus. In der aktuellen Situation deutet wenig auf einen neuen lukrativen TV-Vertrag hin. Denn einen mehrjährigen Vertrag wird zurzeit vermutlich kein Sender unterzeichnen.

Als ITR-Verantwortlicher würde ich die TV-Rechte für die Zusage von Live-Übertragungen sofort verschenken. Ob ARD, ZDF oder RTL, zur Not auch Eurosport, DMAX oder n-tv – völlig egal, Hauptsache die Serie bleibt live im Fernsehen präsent. Übrigens völlig unabhängig davon, wie die Autos in Zukunft aussehen. Dem Fernsehvertrag kommt eine Schlüsselrolle zu, anschließend muss es um das Sportliche gehen.

Ein „weiter wie bisher“ wird – wie 1996 bei der ITC – zum Scheitern der DTM führen. Ein neuer Hersteller ist unwahrscheinlich. Zum Überleben benötigt die DTM neue Autos, selbst wenn dieser Schritt ein Alleinstellungsmerkmal gefährdet. Denn in der aktuellen DTM können Piloten Punkte für eine Formel-1-Superlizenz verdienen. Das lockt immer wieder Nachwuchspiloten in die Serie und hebt damit das Niveau.

Super GT? Eher nein!

Angesichts der Pläne der Formel-1-Eigentümer, die sich eine klare Pyramide im Formelsport wünschen, sind Punkte für die Superlizenz in der DTM sowieso ein Auslaufmodell. Daran sollten sich die Verantwortlichen nicht klammern und stattdessen einen mutigen Neustart anstreben. Das spricht in meinen Augen auch gegen ein gemeinsames Reglement mit der Super GT Serie aus Japan.

Entsprechende Gespräche gab es, doch zuletzt war die Zusammenarbeit kein Thema mehr. Jetzt wäre die Wiederauflage eine offene Einladung an Toyota, Nissan und Honda. Unwillkürlich muss ich dabei an den Teufel, der in der Not Fliegen frisst, denken. Denn es wird Gründe geben, warum die Gespräche bisher nicht erfolgreich waren. Zudem macht ein weiteres weltweites GT-Reglement einfach keinen Sinn.

GT3 oder GT4?

Denn es gibt mit der GT3 und der GT4 gute Sportwagen-Regeln. Gleichzeitig verdienen die Hersteller mit diesen Sportwagen gutes Geld. Denn diese Rennwagen sind noch für Kundenteams geeignet. Nicht zuletzt deshalb sagen zurzeit viele, nehmt doch die GT3-Sportwagen für die DTM. Das wäre, das will ich zugeben, nicht ohne Reiz. Denn die Rennwagen der GT3 sind wirklich tolle Sportgeräte. Trotzdem glaube ich nicht, dass sie die Zukunft der DTM sein werden.

Denn mit dem ADAC GT Masters gibt es eine erfolgreiche GT-Serie in Deutschland. Es ist schwierig zu verkaufen, wenn die gleichen Autos einmal mit und einmal ohne Fahrerwechsel rennen. Zudem ist fraglich, ob der ADAC sein sorgsam gepflegtes Kind GT Masters aufgibt. Un dann sind die GT3 auch noch untrennbar mit SRO und Stéphane Ratel verbunden. Die ITR will gewiss keinen Wettbewerber an den Futtertisch holen.

WTCC oder TCR? Ich bin für etwas Anderes!

Aus dem gleichen Grund glaube ich auch nicht an den Umstieg auf die wenig spektakulären TCR oder WTCC. Denn mit ihnen kommt der nächste Wettbewerber ins Spiel. Mike hat es gut formuliert, wenn er das Verhalten der Sportverantwortlichen mit „selbstgefällig, zurückgeblieben und unbeweglich“ zusammenfaßt. Vermutlich hält sich die ITR selbst im reißenden Strom noch stark genug, um auf Rettungsringe zu verzichten.

Mein Favorit sind die Rennwagen der International V8 Supercars Championship. Wenig Grip und kräftige Motoren sorgen in Australien regelmäßig für tolle Rennen. So müssen Tourenwagen aussehen! Was für eine Show wären diese Rennwagen in Zolder vor der Villeneuve oder am Norisring. Zudem passen diese Rennwagen auch auf die Nordschleife.

Die WTCC macht im Rahmenprogramm des 24-Stunden-Rennens — so hört man — einen Slot frei. Das schreit geradezu nach einem DTM-Comeback. Es schon wäre die DTM wieder die DTM, die sich die Fans wünschen. Oh, gleich 8:30 Uhr, es wird Zeit fürs Büro. Ich muss aufhören zu Träumen. Was meint Ihr, wie sieht die Zukunft der DTM aus? Was wünscht Ihr Euch?

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:
DTM 2002

Foto: Christian Rath
 

8 Kommentare

  1. Stimmt schon, die DTM muss weg von ihren Prototypen. Mir würden die TCR am besten gefallen. Die sind am dichtesten an der Original-DTM dran und mit einem Preis weniger als 100.000 Euro billig genug, dass sich das Geschäftsmodell Privatteam wieder lohnen könnte.

    • Das ist durchaus eine Überlegung wert. Aber ich glaube, dass sich die DTM nicht so klein machen will. Die streben schon nach Höherem und wenn die dabei Kaputtgehen

    • Mir wären die TCR auch nicht spektakulär genug und zudem gefällt mir die Idee Frontantrieb nicht. Das ist so STW!

  2. V8 Superstars klingen cool. Aber das machen die nie! Stattdessen werden die sich lieber die aktuellen Fahrzeuge noch länger als geplant fahren. Man könnte versuchen, das die Mercedes-Chassies und Motoren an einen neuen Hersteller gehen. Peugeot / Opel hätte was gutzumachen bei den Fans. Das würde sicher bejubelt werden wenn die ein Comeback mit Blitz feiern.

  3. Pingback: Porsche verlässt die LMP1 und wechselt in die Formel E! » Auto-Natives

  4. Michael69

    Endlich hat die Industrie ein Einsehen und stoppt dieses sinnlose Benzinverbrennen, wenn die jetzt noch endlich auf Leder verzichten wird langsam alles gut!

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