Motorsport

Warum die Formel 1 keine 18“ Reifen benötigt!

Größenvergleich von Formel 1 Reifen

Ja, die Formel 1 hat sich immer verändert. Manchmal auf Befehl der Regelhüter. Bei der Neufassung der Motorregeln 1954, 1961, 1966, 1989, 1995, 2005/2006 und zu dieser Saison war das der Fall. Oder als die FIA Anfang der 1980er-Jahre die seitlichen Dichtleisten, die „sliding skirts“, verbot.

In anderen Fällen veränderte sich die Formel 1 eher von innen. Die Erfolge des Teams von John Cooper überzeugten ganz schnell alle Kontrahenten zum Umstieg auf Mittelmotorfahrzeuge. Zuvor waren Frontmotorrennwagen der Standard der Königsklasse. Mit dem Aufkommen der Flügel 1968 veränderten sich die Rennwagen abermals. Genauso wie 1981 nach dem Entdecken von Kohlefaser als Werkstoff für die Fahrgestelle der Rennwagen.

Auch bei den Reifen gab es seit Einführung der Formel 1 im Jahr 1950 eine stetige Entwicklung. Zunächst fuhr die Königsklasse mit profilierten Reifen. Ende der 1960er-Jahre fand mit den profillosen Slicks eine Entwicklung aus dem Dragster-Sport ihren Weg auf die Rundstrecke. Zunächst im Kartsport und ab 1971 trat auch die Formel 1 mit Slicks an. Ab 1998 schrieb die FIA den Einsatz von Rillenreifen vor, um die Aufstandsfläche und damit die Haftung der Reifen zu vermindern.

Doch selbst vier breite Rillen in den Reifen führten schließlich nicht zum gewünschten Effekt. 2009 beerdigte die FIA die Rillenreifen wieder und lies erneut Slicks zu. Seit 2011 ist Pirelli Formel-1-Alleinausrüster. Die Italiener ersetzten Bridgestone, die dieses Privileg seit 2007 einnahmen. Zuvor lieferten auch Michelin (2001 bis 2006) und Goodyear (bis 1998) Reifen für die Königsklasse des Motorsports.

In der Saison 2013 musste Pirelli viel Kritik einstecken. Besonders die Reifenschäden beim Großen Preis von Großbritannien sorgten für Unmut. Wobei daran Pirelli nur einen Teil der Schuld trug. Denn die Teams hatten herausgefunden, dass die Reifen schneller sind, wenn sie gegen die empfohlene Laufrichtung montiert werden. Zudem „spielten“ die Teams mit Sturzwerten, die außerhalb der Empfehlungen von Pirelli lagen.

Charles Pic im 18" bereiften Lotus Formel 1

Charles Pic im 18″ bereiften Lotus Formel 1

FIA und Pirelli lernten die Lektion. In dieser Saison sorgen die Reifen nicht für Kritik. Trotzdem ist in puncto Reifen nicht alles in Butter. Denn bei den jüngsten Testfahrten probierte Pirelli bei Lotus 18“-Reifen aus. Bisher kamen 13“ große Felgen zum Einsatz. Mit den 18“ großen Felgen ähneln die Reifen der Formel 1 Straßenreifen. Der Balloneffekt, der für die Formel 1 typisch ist, geht verloren. Womit für mich als Fan ein Endpunkt erreicht ist.

Ich finde, dass diese Reifen an einem Formel-Rennwagen ziemlich bescheuert aussehen. Für meinen Geschmack dürften die Reifen gern noch etwas mehr Volumen haben. Sie müssen nicht aussehen, wie ein Reifen für einen Jaguar F-Type oder einen Porsche 911. Ich fand die großen Walzen toll, die die Teams in den wilden 1970er-Jahren auf ihre Rennwagen schallten.

Schließlich sorgen die aktuellen Vorschriften zur Gestaltung der Fahrzeugnasen schon für hässliche Autos. Da kann die Formel 1 meiner Meinung nach etwas von diesem Sex-Appeal der Roaring ’70s gebrauchen. Statt größerer Felgen könnte ich mir vorstellen, die Felgen an der Vorderachse sogar noch zu verkleinern. Stichwort 10″.

Natürlich ist F1 nicht nur Sport sondern auch Show –  also eine Werbeplattform und ein Imageträger. Doch Pirelli (oder jeder andere Reifenhersteller) gewinnt keinen Deut mehr Aufmerksamkeit, wenn die F1 auf 18″-Reifen rollt. Das Argument von der Seriennähe halte ich für groben Unfug. Die aktuellen Rennmotoren basieren – anders als die Turbos der 1980er – auch auf nicht Serienmotoren. Langstreckenerprobung wird mit Laufzeiten von 300 Kilometern wohl auch nicht funktionieren. Da bietet Le Mans den besseren Rahmen.

Daher hoffe ich, dass Pirelli und die FIA diese 18“-Reifen nie wieder aus dem Laster holen. Denn die braucht die Formel 1 nicht auch noch! Die Nasen und die neuen Regeln zum Restart sind schon Blödsinn genug. Lasst uns wenigstens die Reifen. Diese künstliche Revolution benötigt kein Mensch!

5 Kommentare

  1. Also nichts für ungut, aber ich finde sie schöner als die ewigen 13 Zöller.
    Nicht nur, dass es für den Felgenhersteller von Interesse sein könnte werbe-technisch näher an sein Straßenprogramm zu kommen (wer kauft heute noch 13 Zoll Felgen?!), zudem lässt es Design-technisch viel mehr zu.
    Und sind wir doch mal ehrlich, die 70er sind vorbei und niemand wird sie zurückbringen. Das es damals actionreicher war? Klar!
    Das die Autos optisch bei weitem ansehnlicher waren? Keine Frage!
    Das die Mechanik die Elektronik noch überwog? Alles Geil!
    Aber es ist scheinbar nicht mehr gewünscht…
    Und die, die es sehen wollen fahren heutzutage meist eh zu Historic Grand Prix und Co. Zumindest halte ich es so.
    Lassen wir den Circus Maximus doch etwas probieren. Mehr als eine schwache Show mit künstlicher Action ist die Formel 1 doch seit Jahren nicht mehr.
    Ich zumindest freue mich wenn die Autos mal wieder anders aussehen…

  2. Nee, nee, die gehen gar nicht. Ballons müssen wieder her oder sogar Autos mit sechs Rädern wie der selige Tyrrell P34

  3. Sorry, aber mir als Fan (seit ’74) gefallen die halbwegs zeitgemäßen 18″ Felgen viel besser als die alten 13″er … 22″ hinten und 19″ vorne fände ich noch besser!
    Formel 1 ist Hightech und muss mit oder vor der Zeit sein!

    BTW: In den 70ern waren auch nicht alle Autos schön und mir gefallen die aktuellen Autos wieder richtig gut! Und sie klingen auch wieder gut und kraftvoll …. Nicht mehr nach kaputem Küchenmixer wie die alten Drehorgeln ;-)

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