Motorsport

Nachfolger gesucht – wer beerbt Norbert Haug?

Dieter Gass und Allan McNish

Vor wenigen Tagen gab Mercedes bekannt, dass man sich zum Ende des Jahres vom Sportchef Norbert Haug trennen werde. Ich habe, wie der Kollege Jens Stratmann, mal etwas über mögliche Nachfolger von Norbert Haug nachgedacht.

Wer wird gesucht?

Auch wenn in den Meldungen zu dieser Personalie von einer Trennung im gegenseitigen Einvernehmen gesprochen wurde, dürfte die Initiative für die Trennung von Daimler ausgegangen sein. Denn kein Hersteller kann sich dauerhaft erlauben, in allen wichtigen Serien über mehrere Jahre so weit hinter den eigenen Ansprüchen herzufahren.

Drei Jahre betreibt Mercedes inzwischen das eigene Formel-1-Team. In 58 gefahrenen Rennen sprang gerade einmal ein Sieg heraus. Trotz des Siegs von Nico Rosberg in China erreichte das Team 2012 nur einen fünften Platz in der Konstrukteurswertung. Als Daimler das Team zusammen mit dem eigenen Großaktionär Aabar im November 2009 übernahm, hatte es als Brawn GP gerade den Fahrertitel und die Konstrukteursmeisterschaft eingefahren.

In der DTM blieb Mercedes ebenfalls zwei Jahre ohne Titelgewinn. Besonders der Titelverlust gegen Neueinsteiger BMW dürfte die Stuttgarter erheblich getroffen haben. Es ist in solchen Fällen auch im Motorsport wie im Fußball, wo bei anhaltendem Misserfolg – wie heute auf Schalke – die Trainer als Verantwortliche gehen müssen. Bezogen auf Norbert Haug, ist es da meiner Meinung nach auch egal, ob im Umfeld der Stuttgarter zum Ausscheiden Haugs jetzt Stichworte wie Compliance und Ecclestone nachgeschoben werden.

Das Abschneiden der Marke Mercedes im internationalen Motorsport wird die Verantwortlichen insgesamt nicht befriedigt haben. Daher ist der Abschied des verantwortlichen Managers der logische Schritt, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Klar ist, dass der Nachfolger von Norbert Haug Mercedes zurück auf die Erfolgsspur setzen muss, um das teure Motorsport-Programm dauerhaft gegenüber Betriebsräten und Aktionären rechtfertigen zu können.

Welche Rolle spielt Niki Lauda?

Eine Sonderrolle bei den Spekulationen hat Niki Lauda, da der Österreicher bereits seit dem September in die Formel-1-Aktivitäten der Stuttgarter eingebunden ist. Im September gab Mercedes die Verpflichtung von Niki Lauda als Aufsichtsratsvorsitzender des Teams bekannt. Diese Job-Bezeichnung deutet auf eine beratende Tätigkeit hin. Doch so einfach ist das vielleicht nicht. Denn das Team wird, obwohl mehrheitlich im Besitz der Daimler AG, als „Limited Company“ in Großbritannien geführt.

Anders als in Deutschland kennt man auf der Insel keine strickte Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Im sog. „Board of Directors“ gibt es executive und non-executive Directors. Während die „Executives“ das tägliche Geschäft der Gesellschaft wie ein deutscher Vorstand leiten, üben die „non-executives“ ähnlich einem deutschen Aufsichtsrat eine eher überwachende Funktion aus.

Sicherlich hat der als ehrgeizig geltende Lauda mit der Formel 1 noch nicht abgeschlossen. 2001/2002 führte Lauda das Formel-1-Team von Jaguar. Nach dem enttäuschenden Abschneiden des Teams in der Saison 2002 wurde Lauda vom damaligen Jaguar-Besitzer Ford entlassen. Doch ein Job als Rennleiter, wie Haug es war, ist zweifelsfrei ein Vollzeitjob. Es erscheint mehr als fraglich, ob der inzwischen fast 64 Jahre alte Lauda sich in diesem Alter noch mal so einen Job antun möchte.

Wird Gerhard Berger Nachfolger von Norbert Haug?

Das Fachblatt SPEEDWEEK, das in Zukunft lieber ein Online-Magazin sein will, brachte Gerhard Berger ins Spiel. Die SPEEDWEEK ist meistens sehr gut informiert und der Tiroler wäre wohl tatsächlich eine gute Wahl. Denn Berger führte BMW in die Formel zurück und gewann als Teameigner bei Torro Rosso genauso viele Grand Prix wie Mercedes. Die Referenzen des Österreichs sind meiner Meinung nach besser als die seines Landsmanns Lauda.

Offen ist, ob Berger sich überhaupt einen Vollzeitjob als Manager antun will. Bei BMW und Torro Rosso spielte der Wunsch nach mehr Freizeit eine wichtige Rolle beim Abschied des Tirolers. Gerhard Berger gehört zu den besten Kandidaten, die man sich für den offenen Posten bei Mercedes vorstellen kann. Doch will Berger diesen Posten überhaupt?

Wird Christian Horner Nachfolger von Norbert Haug?

Der ehemalige Rennfahrer machte im Auftrag von Red Bull aus der Jaguar-Truppe ein Siegerteam. Als an diesem Wochenende Gerüchte über das Interesse der Stuttgarter an dem Briten bekannt wurden, beeilte man sich Red Bull darauf hinzuweisen, dass Horner seinen Vertrag im Dosenimperium gerade erst um einige Jahre verlängert habe.

Sicherlich kann man Verträge in der Formel 1 mit Geld immer aushebeln, doch anders als andere Teams muss Red Bull nicht auf jeden Euro achten. Eine Verpflichtung von Christian Horner würde wahrscheinlich sehr, sehr teuer werden. Es ist fraglich, ob sich Daimler, wo zurzeit extrem auf die Kosten geachtet wird, eine hohe Ablösesumme für einen Teamchef leisten will.

Wird es ein Schumacher?

Beide Schumacher wurden von schreibenden Kollegen als Haug-Nachfolger ins Spiel gebracht. Michael hat bereits öffentlich erklärt, dass er an dem Job kein Interesse habe. Ralf hat sich bisher nicht geäußert. Doch welche Qualifikation hat der jüngere der beiden Brüder? Den freundschaftlichen Umgang mit Mercedes-Kunden Vijay Mallya? Ich denke nicht, dass das für die Besetzung eines Management-Postens reicht.

Wird Jens Marquardt Nachfolger von Norbert Haug?

BMW hat mit der Verpflichtung von Toyota-Teammanager Jens Marquardt als Motorsport-Chef eine gute Wahl getroffen. Der Deutsche hat mit großer Ruhe und Sachlichkeit BMW beim Comeback in der DTM zum Erfolg geführt. Seine Qualifikation steht außer Zweifel. Ein Wechsel zu Mercedes wäre eine Rückkehr, denn Marquardt war als Berufsanfänger bei Mercedes in der Serienentwicklung tätig.

Anschließend arbeitete Marquardt für Illmor, wo die Mercedes-Motoren für die Formel 1 entstehen. Ein Wechsel von Marquardt von München nach Stuttgart wäre zweifelsfrei eine große Überraschung, doch mit Sicherheit eine gute Wahl. Zumal der Deutsche mit Know-how in DTM und Formel 1 den Aufgabenbereich von Norbert Haug optimal abdecken könnte.

Dieter Gass ist der optimale Nachfolger für Norbert Haug!

Ebenfalls eine Menge Know-how in der Formel 1 und der DTM hat Dieter Gass, der zurzeit bei Audi als Leiter Renneinsatz in der DTM und der Langstrecken-WM tätig ist. Gass war im Formel-1-Team von Toyota als Chef-Ingenieur verantwortlich tätig. Als Toyota sein Team zurückzog, wechselte Gass in das heutige Caterham-Team von Tony Fernandes.

Bei damals als Lotus gemeldeten Formel-1-Team übernahm Gass den Posten des Sportlichen Leiters. Eine Rolle, die der eines Teamchefs ziemlich nahekommt, denn Gass vertrat das Team u.a. an den Rennwochenenden gegenüber der FIA. Weggefährten trauen Gass auf Nachfrage sofort zu, bei Mercedes Norbert Haug zu ersetzen. Schon bei der Verpflichtung durch Audi wurden Stimmen laut, dass der Ingenieur von Audi als möglicher Nachfolger für Audi-Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich verpflichtet wurde.

Ein Posten, der bei Mercedes bereits jetzt zu besetzten ist. Und für den Daimler nach meiner Beobachtung kaum einen besseren Kandidaten als Dieter Gass finden wird. Jens, Dein Telefon wird also zumindest nicht in dieser Angelegenheit klingeln!


Dieter Gass und Allan McNishInfos zum Titelbild:
Dieter Gass (Head of Racing Commitments bei Audi, hier mit Rennfahrer Allan McNish) ist in meinen Augen der beste Kandidat für die Nachfolge von Norbert Haug (Foto: Audi)
Dieter Gass (Head of Racing Commitments bei Audi, hier mit Rennfahrer Allan McNish) ist in meinen Augen der beste Kandidat für die Nachfolge von Norbert Haug (Foto: Audi)
 

9 Kommentare

  1. Interessante Überlegungen und nicht einfach nur ein paar Namen, wie man es sonst gerne liest. Marquardt wäre ein Knaller, aber ob der von BMW weggehen würde? Warum sollte er? Da fängt doch gerade erstreite Ära an.

  2. Ein Ralf Schumacher hat sicher mehr Qualitäten als die Schreiberlinge hier…

    • Als Manager in einem Milliardenkonzern? Sicherlich! Hoffentlich zeigt er da mehr als auf der Strecke. Da ist Ralf Schumacher den Nachweis von Klasse ja leider meist schuldig geblieben.

      • „Ein Ralf Schumacher“ ist ne‘ geile Formulierung. So sprechen sprachlich minderbemittelte Sportler gern von sich selbst: „Ein Lottttar M.“ usw.

        Wurde dann später von ähnlich hohlen Premiere / SKY-Futzis nachgeplappert und ist nun offensichtlich beim Publikum angekommen. GEIL!

        • Oder tarnt sich der Besprochene vielleicht als Sebastian? Das würde ja auch tief blicken lassen.

          • Immerhin nennt sich Ralf nicht Michael ;-)

          • Jungs, jetzt haltet Euch mal zurück. Sonst heißt es noch: Ralf Schumacher hat mehr Qualitäten als Eure Kommentare … wobei, wenn ich das so lese … kann es nicht heißen!

  3. Von den aktuellen Fahrern würde ich allenfalls Alex Wurz den Job zutrauen.

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